Hamas in der Offensive

In Israel blickte man mit weit größerer Skepsis und Sorge auf den Umsturz in Ägypten, als es die in sicherer Entfernung sitzende Öffentlichkeit in Europa und den USA tat. Auch der Lindwurm ließ sich anstecken von der Hoffnung auf eine Demokratisierungswelle in den arabischen Staaten, die, so der schöne Traum, vielleicht eine Ära des Friedens einläuten würde. Leider mehren sich die Anzeichen, dass die Warner und Skeptiker Recht behalten könnten. Die Offensive der Hamas, die seit einigen Tagen israelisches Territorium mit immer weiter reichenden Raketen und Granaten beschießt, sowie der erste tödliche Terroranschlag in Jerusalem seit dem Bau des Schutzzauns deuten zumindest darauf hin, dass derzeit jemand dafür sorgt, dass die Hamas mit besserer Artillerie ausgestattet wird, und dass jemand die radikalen Palästinensergruppierungen zur Eskalation ermutigt. Ob es sich bei diesem Jemand um ägyptische Kreise handelt, ist noch reine Spekulation, aber denkbar ist es allemal, dass die Muslimbrüder und Teile der ägyptischen Armee daran basteln, den bei der ägyptischen Bevölkerung ohnehin nie sonderlich beliebt gewesenen Friedenszustand mit Israel zu untergraben. Allein schon die Möglichkeit, dass ägyptische Sicherheitskräfte den Waffenschmuggel nach Gaza nicht mehr ausreichend kontrollieren könnten, gibt Anlass zu größter Sorge. Und dass immer mehr Vertreter der Muslimbruderschaft offen die Aufkündigung des Friedensvertrages mit Israel fordern, ist auch nicht gerade beruhigend. Ein neuer Krieg ist wohl nicht das, was diejenigen, die gegen das Mubarak-Regmime demonstrierten, im Sinn hatten, aber der Hass auf Israel und der Antisemitismus, den übrigens auch Mubarak andauernd am Köcheln gehalten hatte, könnte für den Fall, dass eine neue ägyptische Regierung die sozialen und wirtschaftlichen Erwartungen der zornigen Bevölkerung nicht erfüllen kann, als Ventil benutzt werden. Mit womöglich furchtbaren Folgen für die ganze Region.

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3 Gedanken zu “Hamas in der Offensive

  1. „Mit womöglich furchtbaren Folgen für die ganze Region.“
    Und furchtbaren Folgen für die Kopten..

  2. […] Natürlich wäre es einfach nur toll und in unserem ureigensten Interesse, wenn möglichst viele Länder in Nordafrika und im Nahen Osten die westliche Form der Demokratie oder ein zumindest einigermassen damit vergleichbares System übernehmen würden, doch ist leider fraglich ob dies gelingen wird. Ob in Libyen, dem Irak oder sonstwo. In Ägypten droht bereits eine Machtübernahme der Muslimbrüder, was für Katerstimmung bei Bloggerfreunden sorgt. […]

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