No more Gordon Gekkos!

Liberalismus, das ist etwas, was wir ganz gut brauchen könnten in vielen Bereichen. Freiheit von der Gängelung durch Vater Staat und seinem immer dringender werdenden Trieb, sich in alles einzumischen bis hin zum Internetsurfverhalten der Bürger. Freiheit von grotesken Auswüchsen der Bürokratie, ob im Gewerbrecht oder im Sozialbereich. Freiheit von den Machtansprüchen und Einmischungsversuchen der Religiösen. Freiheit von überkommenen Moralvorstellungen und Sexualnormen. Freiheit von Arbeitszwang und der Allmacht der Konzerne. Solcherlei Dinge wären liberal, stünden einer Partei wie der FDP gut zu Gesicht. Doch die ist, zuletzt verstärkt unter der Führung von Guido Westerwelle, zu einer Partei verkommen, der nur mehr eine einzige Freiheit wichtig war, nämlich die Befreiung der Reichen vom Steuerzahlen. Die entsprechende Klientel für so eine verengte Politikauffassung und so eine degenerierte Definition von Liberalismus ist natürlich überschaubar, denn allein mit Hoteliers und Millionenerben lässt sich keine Wählerbasis aufbauen. Westerwelle war ein typisches Übrigbleibsel der Yuppieunkultur des ausgehenden 20. Jahrhunderts, als die Aktienwerte in den Himmel schossen, man Luftschlösser zu echtem Geld zu machen können glaubte und kein Ende des großen Pyramidenspiels absehbar schien. Da hat man bei den Gelben nur allzu gerne all das beseite geschoben, was den Liberalismus neben Lobbyarbeit für die oberen Zehntausend noch so ausmacht, denn man war ja wirklich davon überzeugt, es reiche aus, überteuerte Anzüge zu tragen und zynisch auf die Unterschicht einzuprügeln, um als „Leistungsträger“ durchzugehen. Jetzt, eine Weltwirtschaftskrise später, liegt dieses Modell von Pseudoliberalismus samt seiner Gallionsfigur, dem frech daherquasselnden Armenbeschimpfer Westerwelle, am Boden, und das freut mich. Und an diejenigen, die jetzt, eingedenk ihrer eigenen Brieftasche, vor einem „Linksrutsch“ der FDP warnen: Strengt mal euer Gehirn an und schaut auf die Massen, die seit fast 30 Jahren mit einem sinkenden Lebensstandard zu kämpfen haben und gleichzeit zuschauen, wie die von den Banken ausgelöste Krise mal wieder vom Steuerzahler bezahlt wird, dann versteht ihr vielleicht, warum die Menschen von Gordon-Gekko-Kopien im Politbetrieb die Schnauze voll haben!

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7 Gedanken zu “No more Gordon Gekkos!

  1. Du Links“Liberaler“ ha(s)st den Liberalismus nicht verstanden, aber trotzdem führst du ihn mit dir… ich glaub, isch schreib morgen noch was längeres….

    Ach, und der Liberalismus(oder auch der freiheitliche Gedanke) ist schon älter als Du und somit auch nicht so gut geeignet, um eine politische Revision durchzuführen…

    btw:
    Links und liberal: http://de.wikipedia.org/wiki/Manchesterliberalismus

  2. @Sherlock Edel: ein „Liberaler“, der jemand anderen nur zusammenputzt, dass der „den Liberalismus nicht verstanden“ hat, während der andere kritisiert, dass die FDP keinen Liberalismus sondern lediglich Partikularinteressen vertritt, ist sowas von niedlich. 😉

  3. Dabei haben beide Kommentatoren Recht: Weder hat der Lindwurm den Liberalismus verstanden („Freiheit vom Arbeitszwang?“ – dass ich nicht lache!), noch macht die FDP etwas anderes als Klientelpolitik. Ähnlich wie bei der ÖVP – die ist eigentlich noch schlimmer – werden unter dem Deckmantel des Liberalismus nur bestehende Wirtschaftsinteressen bewahrt. Mit der gesellschaftlichen Freiheit oder echter freier Marktwirtschaft (die auch den Selbstständigen, KMUs und ganz allgemein jedem, der Handel treiben möchte, zugute kommt) haben diese Parteien überhaupt nichts am Hut. Es bräuchte eine liberale Partei, die diesen Namen auch verdient: die für die Befreiung des Menschen vom Staat in allen Belangen eintritt, seien das nun gesellschaftliche, ethische, finanzielle oder marktwirtschaftliche. (Dass so etwas nie stattfinden wird, sollte aber jedem bewusst sein. Dafür ist unsere Gesellschaft zu neidig, zu verschwenderisch, zu achtlos und zu faschistisch geprägt.)

  4. Die FDP hat, für meine Begriffe, eine historische Chance verpasst. Schlecht verhandelt vor Regierungsbeginn, in der Regierung schlecht gestartet und nicht mehr aus der Kritik gekommen. Westerwelle hat sicher einen großen Anteil am Scheitern der Liberalen, ich glaube aber, dass sie ohne ihn gar nicht zum potentiellen Regierungspartner geworden wären.
    Grundsätzlich bin ich heilfroh, dass es die FDP in Deutschland, wenn auch in verbesserungswürdiger Form, gibt. Wenn ich mir den Deutschen Bundestag und vergleichsweise den Österreichischen Nationalrat ansehe, dann graut mir vor dem, woraus sich unsere Bundesregierung bald zusammensetzen könnte.

  5. Zum Liberalismus gehört auch der Kampf gegen die Umverteilung, und es wird nunmal von Oben nach Unten umverteilt. Ob uns das gefällt oder nicht spielt dabei keine Rolle. Ich glaube die FDP steht auch jetzt noch hinter den Werten die du oben so vermissen lässt, doch sind sie nunmal in der Regierung und dazu in einer Zeit in der es zu 90% nur ums Geld geht. Natürlich hat die FDP auch die anderen Themen für die sie so stark während der Opposition eingetreten ist, vernachlässigt.

  6. Warum tragen eigentlich alle der FDP die Mehrwehrtsteuersenkung für Hotelübernachtungen nach ?
    Diese Forderung gabs auch von der Gewerkschaft Nahrung, Genuß und Gaststätten. Diese Forderung gab es sogar von einer Abgeordneten der Linkspartei ( und anderen Abgeordneten, deren Wahlkreis in Tourismusgebieten liegt ).
    http://www.topnews.de/mehrwertsteuersenkung-fuer-gastronomie-gefordert-341628

    Aber das zeigt vermutlich, das diese Gewerkschaft zu den Bösen Gordon Geckos gehört ?
    Das sie nicht mehr auf der Seite der Arbeiter steht, sondern der Hoteliers und anderen Bonzen ?

    Auch der sinkende Lebensstandard der letzten 30 Jahre ist wirklich schlimm.
    Machen wir uns nichts vor: viele Menschen in Deutschland können ihr Biogemüse und -Obst nur bei Aldi oder Lidl kaufen, die es jetzt im Vergleich zu vor 30 Jahren in fast jeden Kaff gibt.
    Der Lebensstandard ist so weit gesunken, das die Menschen immer fetter werden, weil sie zuviel fressen.

    Höhepunkt des Lebensstandards ist natürlich das böse, neoliberale Hartz IV. Statt wie früher für jede Sonderausgabe wie ein Bittsteller auf dem Sozialamt auftretten zu müssen gibt’s heute eine feste monatliche Summe, wer sich ungerecht behandelt fühlt kann auf Staatskosten dagegen klagen…
    Vor 30 Jahren hätte es das nicht gegeben !

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