Arbeit? Nicht mit uns!

Es ist schon interessant, dass man genau in jenen Parteien und in jenen Gesellschaftskreisen, die andauernd von „Leistung“ faseln und wo man sehr gerne verächtlich auf das angeblich so faule Proletariat herabblickt, offenbar nichts Anrüchiges daran findet, zu schwindeln und zu schlawinern und zu tricksen und zu täuschen. Nach Guttenberg, diesem tief gefallenen Idol der deutschen Bourgeoisie, sieht sich nun auch die einstmalige FDP-Zukunftshoffnung Silvana Koch-Mehrin mit Vorwürfen konfrontiert, sie habe ihre Doktorarbeit zusammengeklaut. Nun kann man sich fragen, ob das Verfallserscheinungen des Bürgertums sind, oder ob das in Wahrheit nicht eh schon immer so gewesen ist bei den „Leistungsträgern“, den „Oberen Zehntausend“, den Geschäfterlmachern und Millionenerben. Ohne eine ordentliche Dosis Moralbefreitheit und Skrupellosigkeit ist´s ja eher Essig mit dem Reichwerden und dem Reichbleiben. Relativ neu ist freilich die Frechheit, mit der man inzwischen zur Schau stellt, dass ehrliche Arbeit, wozu ja auch das Erlangen eines akademischen Titels zählt, etwas für den doofen Pöbel ist. Der smarte Mann und die gerissene Frau von Welt lässt andere rackern und erntet nur die Früchte.

Advertisements

8 Gedanken zu “Arbeit? Nicht mit uns!

  1. Dass ein Doktortitel der mit der Dissertation „Zur Vervollkommnung des sozialistischen Rechts im Rechtsverwirklichungsprozess“ erworben wurde, überhaupt geführt werden darf, verbuche ich als Kollateralschaden der Wiedervereinigung. Selbstverständlich schummeln Politiker der SPD und der Grünen exakt genauso oft wie die der bürgerlichen Parteien. Zum Nachweis des Titelbetrugs bedarf es aber unterbeschäftigter Akademiker, die sich die Arbeiten vornehmen. Und Leute, die sich am Markt vorbeiqualifizierten, sympathisieren natürlich sämtlich mit den linken Parteien.

  2. Der Beitrag klingt ein wenig nach einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung: Da vorzugsweise nach „rechten“ (also alles rechts der SPD) Politikern geguckt wird, wird dort natürlich was gefunden.

    Geistesgrößen mit Doktorarbeiten a la Gysi sind davon natürlich nicht betroffen.

  3. Auf wikiplag werden Diplomarbeiten von Politikern aller Parteien durchforstet. Bei einigen Leuten wurde man fündig. Man muss daraus keine Schlüsse auf deren politische Ausrichtung ziehen. Aber es ist legitim. Gysis Diplomarbeit ist eine unkritische Auseinandersetzung mit dem DDR-(Un)-Rechtssystem. Das kann man ihm zu Recht vorhalten. Dafür, dass er dabei abgeschrieben hätte, gibt es aber keine Hinweise. Und dass sich das akademische Prekariat eher an die Linke hält, ist nachvollziehbar. Würden Sie an deren Stelle etwa Schwarz, FPÖ oder FDP wählen?

  4. @David Harnasch
    „Und Leute, die sich am Markt vorbeiqualifizierten, sympathisieren natürlich sämtlich mit den linken Parteien.“

    Lassen wir in dieser Frage Silvana Koch-Mehrin selbst zu Wort kommen:
    http://www.fdp-bw.de/person.php?num=109

    „Nach meiner Promotion gründete ich Conseillé+Partners sprl, eine Unternehmensberatung für Strategieplanung und Europaberatung. Anfang 2003 wurde ich mit meinem Unternehmen Partnerin bei der Unternehmensberatung Policy Action Ltd.. Während dieser Zeit hatte ich zudem einen Lehrauftrag im MBA Studiengang Business Communication an den United Business Institutes in Brüssel. Nach meiner Wahl zur Europaabgeordneten habe ich meine Anteile an PolicyAction Ltd. zurückgegeben.
    1999-2003 war ich Vorsitzende der Auslandsgruppe Europa der FDP. Seit 1999 bin ich Mitglied des FDP Bundesvorstandes, seit 2000 Mitglied im ELDR-Council, und seit Juli 2004 Mitglied im Präsidium der FDP.“

    So siehts aus, wenn man sich punktgenau für den Markt qualifiziert. Früher nannte man solche Leute in vornehmer Deutlichkeit Hofschranzen.

  5. Bezweifeln Sie, dass SKM mit der Kombination aus VWL und Geschichte (und ihrem Auftreten) jederzeit einen ziemlich guten Job in der Privatwirtschaft bekommen hätte? Ich nicht. Genaugenommen kenne ich persönlich ein halbes Dutzend Unternehmer, die ihr sofort einen angeboten hätten. Zumal mir nicht klar ist, in wiefern das meiner These und der von WolfiR widersprechen soll.

  6. Ich bin sogar zu 100 % sicher, dass SKM jederzeit einen Job in der Privatwirtschaft finden würde -ebenso wie KTvG. Genau das ist ja das Problem. Die ganze Polit-Karriere dieser Leute dient keinem anderen Zweck, als anschließend einen lukrativen Job in der Privatwirtschaft zu finden.
    Denn während das nutzlose linke wissenschaftliche Pack die bestehende Verhältnisse hin und wieder kritisch hinterfragt, ist eine SKM Großmeisterin darin, sich den bestehenden Verhältnissen möglichst geschmeidig anzupassen.

    „Jeder, der heutzutage in der Öffentlichkeit steht, der Journalist, der Politiker, der Wissenschaftler, legt Wert darauf, dem Mainstream anzugehören. Fragwürdig ist nicht, zusagen, was alle sagen, wohl aber, zu sagen, was die Macht, in diesem Fall die Finanzindustrie, vorkaut. Wer unter diesen Bedingungen sozial aufsteigt, repräsentiert geistigen Abstieg: Der angesehene Universitätsprofessor ist unter den angepassten Hohlköpfen der angepassteste, der tonangebende Publizist unten den gekauften Schwadroneuren der billigste. Das gemeinsame Merkmal der Auserlesenen: Sie müssen den geistigen Schund, den sie produzieren, fortwährend anpreisen. Für unhaltbare Zustände Reklame machen – so sieht politisches Engagement heute aus.“

    http://diepresse.com/home/spectrum/zeichenderzeit/617515/Finale-Raserei

  7. Wer sind eigentlich die Gesellschaftskreise die auf das Faule Proletariat herabblicken ?
    Ich hab solche Typen kennen gelernt. Die meisten sind das gewesen, was wir früher Bonzenkinder genannt haben. Papi und Mami meist Akademiker. Mit dem Proletariat hatten sie das letzte mal im Kindergarten und der Grundschule zu tun, den danach ging’s auf Gymnasium, wo die Kinder der Arbeiterklasse eher selten vertreten gewesen sind.
    Auch in der Freizeit – etwa im Tennisclub – sind Proletarier eher selten zu finden gewesen.
    Und während die Kinder des Proletariats mit 15, 16 eine Berufsausbildung begonnen haben, konnten die Bonzenkinder in Ruhe mit Abitur und staatlich bezahlten Studium ihre Kindheit verlängern.
    Nach dem Studium haben sie dann meistens selber eine Arbeitsstelle bei Vater Staat oder in der Wirtschaft gefunden, und auch hier haben sie wenig Kontak zu Proletariat.
    Sicher, sie bearbeiten auf dem Amt unsere Anträge oder sitzen in den Chefetagen und dem mittleren Managment der Konzernen – aber echter Kontakt ist das nicht.
    Und so kann man auf das Proletariat herabschauen, auf die ganzen dummen, faulen Bildzeitungslesenden Assis die in den Fabriken schuften und damit den Bonzenkindern das staatlich finanzierte Studium ermöglichen.

    Das komische ist nur, das die meisten dieser Bonzenkinder sich politisch bei rot-grün engagieren, nicht bei der FDP…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s