Schönenborn erklärt uns die Welt

Jörg Schönenborn, Chefredakteur des WDR, versteht die Welt nicht mehr, genauer: Er versteht die Freude vieler US-Amerikaner über den Tod Osama bin Ladens nicht. Mit tiefen Bedenkenträgerfalten auf der Stirn kommentiert dieser Nichtversteher, dass „Amerika heute ein ziemlich fremdes Land“ für ihn sei, denn: „Was ist das für ein Land, dass eine Hinrichtung derart bejubelt?“. Und dann wird es so richtig öffentlich-rechtlich bizarr: „Klar, Osama bin Laden war verantwortlich für tausende Tote, aber reicht das als Erklärung?“ Als Erklärung für die Freude der Amerikaner, meint Schönenborn, dem es, deutscher Überkorrektmensch, der er ist, natürlich „fremd“ sein muss, dass die Nachricht vom Tod eines Mannes, der tausende Amerikaner ermorden hat lassen und der die Lunte angezündet hat, die die Pulverfässer Afghanistan und Irak explodieren ließ, in Amerika nicht zu kollektiver Trauer und zu grüblerischen Fragen über das Völkerrecht und die Menschenrechte bin Ladens führt. Aber Schönenborn ist noch nicht fertig mit seiner Zurechtweisung der pösen Amis: „Die USA sind heute ein Land, das sich nicht mehr aus eigener Stärke definiert, sondern aus Tod und Niederlage anderer“. Ja, da ist was dran, wie könnte ein Land, das sich in mehreren Kriegen befindet, sich auch ausgerechnet den Tod und die Niederlage seiner Feinde wünschen? Das geht doch nicht, denn nach Schönenborn´scher Irrsinnslogik hätten die USA wohl nur dann „Stärke“ bewiesen, wenn sie bin Laden zum Dank für den schwersten Angriff auf US-Territorium seit Pearl Harbour, für die zerbomten Botschaften in Afrika, für die fast versenkte USS Cole und für die zigtausenden Toten in Afghanistan ein Schokoladeneis spendiert hätten. Überhaupt, „Tod und Niederlage anderer“, das ist doch wirklich pfui, vor allem in einem Krieg. Krieg, das weiß Schönenborn ganz genau, ist etwas, wo man dagegen ist und sich so als besserer Mensch fühlen kann. Sich in einem Krieg, noch dazu in einem Krieg gegen die steinzeitislamistischen Bestien von Al Kaida und den Taliban oder jenem gegen den Giftgasmassenmörder Saddam Hussein, den „Tod und die Niederlage“ der Feinde zu wünschen, das geht über Schönenborns Verständnishorizont. Wäre Schönenborn US-Präsident, dann hätten die USA bei bin Laden höflich nachgefragt, was ihn denn so verärgert habe, dass er tausende Amerikaner umbringen musste, mit den Taliban hätte er eine Verhandlungslösung über herabgesetzte Quoten zur Terroristenausbildung- und beherbergung sowie zur Frauensteinigung ausgehandelt und Saddam hätte er für das Abschlachten ganzer Volksgruppen, für den Überfall auf ein Nachbarland, für die Finanzierung des Terrorismus gegen Israel und für die ständigen Verletzungen der Flugverbotszonen mit besorgter Miene in TV-Kommentaren so oft getadelt, bis sich dieser gedacht hätte: „Lieber gebe ich mir die Kugel als noch ein einziges Mal dieses hirnweiche Geschwätz ertragen zu müssen“.  Aber der schlimmste aller möglichen Vorwürfe, den sich ein Schönenborn ausdenken kann, kommt noch: „Und so steht Obama heute da als jemand, der in die Fußstapfen von George W. Bush tritt, der dessen Krieg gegen den Terror weiterführt“. Der WDR-Chefredakteur weiß halt, dass seine Kundschaft in Bush immer noch den Satan auf Erden sieht und dass es eben dieser Kundschaft gefiele, würden die USA die Waffen strecken und die Terroristen dieser Welt einfach machen lassen. Das ist ja auch das, was Figuren vom Schlage Schönenborn immer wieder von den Israelis einfordern, dass diese sich nämlich, im Namen des lieben Friedens natürlich, ohne Gegenwehr totschießen und totbomben lassen. Aber wenn man massenmordende Terroristen und Feinde im Krieg schon nicht töten darf, was soll man dann mit denen machen? Schönenborn: „Heißt das, man hätte Osama bin Laden einfach laufen lassen sollen? Keine leichte Frage“. Eh nicht, denn, wie schon erwähnt, müsste ein Schönenborn schon lange abwägen, ob es nun das Schokoeis oder doch eine Schachtel Pralinen sein soll. Das umwerfende Fazit dieses Paradebeispiels deutschen Billigmoralaposteltums: „Ist die Welt heute sicherer geworden? Nein. Aber Obama steht im Wahlkampf, er hat sich als law and order-Politiker profiliert. Und ist er seiner Wiederwahl heute nähergekommen? Ja. Ich fürchte, so einfach ist die Rechnung“. Und ich fürchte, so schlicht ist das Gemüt eines Chefredakteurs einer großen öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalt.

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5 Gedanken zu “Schönenborn erklärt uns die Welt

  1. Wider die Heuchelei!

    Deutschland empört sich über die Tötung Osama bin Ladens und amerikanische Willkür. Sind wir noch ganz bei Trost?

    Selten gab es so viel Scheinheiligkeit, Heuchelei und eitle Überheblichkeit wie in den vergangenen Tagen. Da ist die Leiche eines der schlimmsten Massenmörder des 21. Jahrhunderts noch nicht richtig auf dem Grund des Ozeans angekommen – und in Deutschland echauffiert man sich über die Rücksichtslosigkeit dieser rachedürstenden Amerikaner: dieses Jubeln, das Triumphgeheul über den Tod eines Menschen, widerlich. Einfach so erschossen, pfui! Das will ein Rechtsstaat, eine Demokratie sein? Na, das Völkerrecht wurde von den Cowboys ja schon immer gebrochen. Dann dieses unzivilisierte Auge um Auge, Zahn um Zahn. Mit dem Christlichen ist es in den USA offenkundig nicht weit her. Und wie die mit dem Islam rumspringen! Lassen einfach den Leichnam ins Meer rauschen. Respekt vor einer anderen Religion ist denen wohl völlig fremd. Wir sind doch der Westen, wir müssen doch ein Vorbild sein, unsere moralische Überlegenheit täglich unter Beweis stellen.

    Ende der Vernunft Wenn ich das alles lese und höre, färbt sich mein Gesicht rot – vor Scham und Zorn. Diese Verlogenheit, diese Besserwisserei, dieses unredliche Verdammen von angeblicher Gewissenlosigkeit ärgert mich zutiefst. Und, ganz ehrlich, meine Freude über Osama bin Ladens Tod wird dadurch nochmals verstärkt. Ein Feind der Menschheit wurde ausgelöscht. Recht so! Der Saudi hatte Tausende Menschenleben auf dem Gewissen, auch deutsche. Man stelle sich vor, es hätte hierzulande ein dem 11. September 2001 vergleichbares Inferno gegeben. Mit der hiesigen Vernunft, der Contenance wäre es im Handumdrehen vorbei.

    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/10312

  2. Der dauerempörte Jörg Schönenborn geht einfach nur den Weg der deutschen Journallaie – er empört sich, er versteht die Welt nicht mehr…

  3. @lw: kannst du eigentlich Kommentare zusammenfügen?

    Wenn ja, dann will ich diesen Blogartikel mal ausdrücklich loben!

  4. Leute besinnt Euch,
    und jagt endlich alle Schönnborns -samt ARD (!), Kienzle, Ströbele, Däubler-Gmelin (Bush=Hitler) u. alle ähnlich irre zum Teufel – Alle, die schon wieder Deutschland in eine Sonderrole stürzen -die Welt wundert sich schon wieder über die peinlichen deutschen Besserwisser ( Kernkraft nein Danke ! usw.)

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