DSK und die US-Justiz

Niemand sollte annehmen, ich hätte allzu große oder überhaupt irgendwelche Sympathien für den mutmaßlichen Hotelreinigungsfachfrauenvergwaltigungsversucher Dominique Strauss-Kahn. Nein, da will aus mehreren Gründen kein Mitleid in mir aufkeimen, aber das Gegenteil halt auch nicht. Wenn jemand erst einmal von der Justiz beamtshandelt wird, und diese Justiz noch dazu die US-amerikanische ist, und ich sehe, wie sich im konkreten Fall vor allem die amerikanischen Medien, von der Yellow Press bis zu CNN, kaum mehr einkriegen vor Schadenfreude, ach so lustige Witze reißen über elektronische Fußfesseln und sich am Vorrechnen des möglicherweise in Jahrzehnten zu bemessenden Strafmaßes ergötzen, dann mag sich in mir nicht das Gefühl breitmachen, ich würde gerade dabei zusehen, wie Gerechtigkeit waltet. Ich will die Amerikaner nicht darin schulmeistern, wie sie ihr Strafrecht gestalten und wie sie damit umgehen sollen, nein, aber gefallen muss es mir auch nicht, wie man hier, so mein subjektiver Eindruck, sich indirekt an Frankreich dafür rächen will, dass es Roman Polanski nicht ausliefert (den Zusammenhang hat ja der Staatsanwalt im Fall DSK, Daniel Alonso, selbst hergestellt). Einerseits ist es ja bewundernswert, dass die US-Justiz auch gegen einflussreiche und reiche Personen entschieden vorgeht, was im alten Europa, das nach wie vor viel stärker als die USA eine Klassengesellschaft ist, in der es sich die „Oberen Zehntausend“ sehr leicht richten können, nur allzu oft nicht der Fall ist. Andererseits wirkt das US-Justizsystem auf mich aber abstoßend und fast barbarisch mit seinen grotesk hohen Strafen, die ja in vielen Bundesstaaten bis zur Tötung reichen. Gewiss, die Mehrheit der Amerikaner will das so haben, und wer als Politiker oder Justizbeamter nicht „tough on crime“ ist, hat dort kein Leiberl. Und es gibt auch sicher viele Fälle, wo die Härte dieses Systems die einzige Antwort auf wirklich grausame Verbrechen ist, also eine Antwort im Sinne des Schutzes der Bevölkerung vor Schwerstkriminellen und des Seelenfriedens der Verbrechensopfer. Doch die andere Seite der Medaille ist, dass dieses System immer öfter jedes Maß zu verlieren scheint und dass daher in amerikanischen Gefängnissen sehr viele Menschen für Jahrzehnte wegen Vergehen weggesperrt werden, für die sie in anderen Staaten allenfalls ein paar Jahre aufgebrummt bekämen. Von den Haftbedingungen vor allem in den „Supermax“-Knästen, in denen die Insassen 23 Stunden am Tag in ihrer Einzelzelle sitzen und dann, falls sie „brav“ sind, eine Stunde lang in einem kleinen Betoninnenhof zwischen hohen Mauern ein paar Runden drehen dürfen, was de facto Folter ist, will ich gar nicht erst anfangen. Das gesamte Strafrechtssystem der USA tendiert viel stärker in Richtung Vergeltung und Rache statt zu Rehabilitation. Es ist das gute Recht der Amerikaner, das so zu handhaben. Und es ist mein gutes Recht, daran zu zweifeln, ob das gesellschaftspolitisch sinnvoll ist. Aber ich schweife mal wieder ab. Zurückkommend auf  den Fall Dominique Strauss-Kahn möchte ich festhalten: Sollte er getan haben, was man ihm vorwirft, hat er es durchaus verdient, in Form einer Gefängnisstrafe die Rechnung für seine Tat(en) zu begleichen. Dass er für Jahrzehnte in den Knast muss und dort dann auch stirbt, wünsche ich ihm aber dennoch nicht, obwohl ich, wie anfangs erwähnt, keine Sympathien für den Mann hege. Fünf Jahre Bau und eine sehr fette Entschädigungszahlung für sein mutmaßliches Opfer, das sich dann eine ordentliche HIV-Behandlung leisten kann und sich nie wieder Geldsorgen machen müsste – das entspräche in etwa meinem Gerechtigkeitsempfinden, aber ich weiß natürlich, dass es nicht um Gerechtigkeitsempfinden (schon gar nicht um meines) geht, sondern um Recht, und zwar um amerikanisches Recht. Und wer in den USA eine Straftat begeht, der muss auch damit rechnen, nach amerikanischem Strafrecht verurteilt zu werden, auch wenn dieses vielen Menschen, so auch mir, oft sehr hart, ja brutal erscheint.

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Ein Gedanke zu “DSK und die US-Justiz

  1. DSK wird vorgeführt !!! Und anhand dieses Falls können wir sehen dass SEX-Sells auch vor den Richter, bzw. der Jury in den USA geht. Dies ist doch alles ein Schauprozess ! Und wir europäer wundern uns wie schlecht die show in wirklichkeit ist.

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