Nazi-Grotesken in Amstetten

Amstetten mag eine kleine niederösterreichische Stadt sein, in Sachen Skandale ist sie ganz groß. Sie schaffte es als Heimat eines inzestuösen Kellerverliesbetreibers und Kindesvergewaltigers in die Weltmedien und legt nun mit einer Nazi-Groteske ein Schäufelchen nach. Nachdem die Grünen im Zuge der Vorbereitungen zur 900-Jahr-Feier bemerkt hatten, dass ein gewisser Adolf Hitler immer noch im Verzeichnis der Amstettener Ehrenbürger aufschien, wurde diese Schande zumindest symbolisch getilgt (faktisch erlischt eine Ehrenbürgerschaft ja mit dem Tod des Geehrten), und per Gemeinderatsbeschluss wurde dem Jahrtausendverbrecher seine Ehrenbürgerschaft postum aberkannt. Eine klare Sache, möchte man meinen, bei der alle Parteien an einem Strang ziehen, denn Hitler als Ehrenbürger, das kann ja nun wirklich keiner wollen, aber weit gefehlt: Die FPÖ-Gemeinderäte hielten dem „Führer“ die Treue und enthielten sich der Stimme. Okay, das ist nicht wahnsinnig überraschend und nur ein weiterer Beweis dafür, dass es in der FPÖ von Kellernazis wimmelt. Man erwartet sich von FPÖlern gar nichts anderes, es sei denn, man ist ein unbelehrbarer Ignorant.

Das ganze Tiefe des Amstettener Sumpfs, ja die ganze Erbärmlichkeit des Umgangs Österreichs mit seiner Nazivergangenheit wird aber erahnbar, sieht man sich die Vorgänge rund um die zweite von den Grünen beanstandete Ehrenbürgerschaft an. Auch der ehemalige SPÖ-Vizebürgermeister von Amstetten, der frühere Nazi-Politiker Paul Scherpon, wird noch als Ehrenbürger geführt. Obwohl von dem Mann ein Brief an den NS-Reichststatthalter von „Niederdonau“ erhalten ist, in dem er bezüglich des Einsatz jüdischer Zwangsarbeiter in Amstetten forderte: „Das beste wäre, die Juden wieder abzuziehen und sie in einem KZ-Lager ihren Bestimmungen zuzuführen, aber so, daß die Bevölkerung nichts davon sieht.“ Für SPÖ-Bürgermeister Herbert Katzengruber ist das kein Grund, Scherpons Ehrenbürgerschaft wie jene von Hitler zu behandeln, nein, in diesem Fall möchte Katzengruber einen Historiker konsultieren, welcher klären solle, ob „Scherpon tatsächlich in die Nazi-Todesmaschinerie verwickelt war“. Denn: „Zeitzeugen haben mir versichert, dass Scherpon versucht hat, die Bevölkerung zu schützen. Schließlich war es lebensgefährlich, wenn jemand mit Juden in Kontakt gekommen ist“. Ah ja, für die Sklavenhalter soll es also lebensgefährlich gewesen sein, mit ihren Sklaven in Kontakt zu geraten, weshalb es für die armen, von Judenkontakt bedrohten Amstettener sicherer war, wenn man die Juden gleich in den KZ abschlachtete? Gefährlich konnte es für einen „Arier“ allenfalls werden, wenn er tatkräftig Juden vor den mordlüsternen Nazis schützte. Juden dabei zuzusehen, wie sie für regimetreue Firmen Zwangsarbeit verrichteten, fiel nicht in diese Kategorie. Wie über alle Maßen skandalös es ist, den „Schutz“ der Bevölkerung vor „Kontakt mit Juden“ als Entlastungsargument für einen Ex-Nazi anzuführen, begreift man in Amstetten wohl nicht.

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4 Gedanken zu “Nazi-Grotesken in Amstetten

  1. „. Nachdem die Grünen im Zuge der Vorbereitungen zur 900-Jahr-Feier bemerkt hatten“
    Naja, seit Peter Pilz ernsthaft gefordert hat, österreichische UNO-Soldaten sollten die syrischen, arabischen, wasauchimmer Plünderer vor den israelischen Kugeln beschützen, sind mir die Grünen zuwider.

    btw: Sherpon war Hauptmann bei der SS, oder so….

  2. Eine Ehrenbürgerschaft ist eine Ehrung und gilt wie bei Denkmälern auch über den den Tod des Geehrten hinaus.
    Eine Aberkennung derselben ist ein deutliches aktives Zeichen gegen die Verbrechen und den Ungeist, ( der noch in den Köpfen der Anhänger herumgeistert) des Geehrten. Die freiheitlichen Lokalpolitiker haben mit ihrer Enthaltung einen Einblick in ihre dumpfen Geisteswelten gegeben. Wie kann man sich gegenüber einem Verbrecher neutral verhalten wollen ? Haben diese Angst um Ihre Stimmen aus dem braunen Zombielager.

  3. Eine Ehrenbürgerschaft erlsciht mit dem Tod des geehrten. Ausserdem haben die Allierten in einem Paragraphen festgehalten das Hitler und anderen NS Kriegsverbrechern in Österreich und Deutschland die Ehrenbürgerschaft entzogen wird. Das war 1946 !!! 65 Jahre später wollen die Grünen eine NICHT vorhandene Ehrenbürgerschaft entziehen, und das war der Grund warum die FPÖ dagegen stimmte! Weil es einfach nur lächerlich ist etwas entziehen zu wollen das nicht existiert! Als hätte unser Land keine anderen Probleme! Jedes mal wenn die FPÖ in Österreich „zuviel“ Aufwind hat kommen die anderen Parteien mit der Nazi Keule.

    Die Moral von der Geschicht: ÖVP, SPÖ und Grüne sind ewig gestrig, die FPÖ NICHT.

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