„Politisch inkorrekte“ Antisemiten

Die Rassisten und Hetzer der Internetplattform „politically incorrect“ sind bekanntlich an Frechheit und Dummheit schwer zu überbieten, aber dass diese  Website nun eine Jubelmeldung zum 25-jährigen Bestehen der rechtsextremen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ bringt, ist, gemessen am verlogenen Anspruch von PI, „proisraelisch“ zu sein, ein echter Leckerbissen für Freunde der unfreiwilligen Komik.

Schauen wir mal, was die von den angeblichen Israelfans von PI so hoch gelobte „Junge Freiheit“ daherschreibt, wenn der Tag lang ist:

Hier: (…) Man gab Erklärungen ab und zeigte Gesten „guten Willens“: Abbas rief zu diesmal „ernsthaften Verhandlungen“ auf, Olmert kündigte die Freilassung von 250 Palästinensern an – immerhin 2,5 Prozent der rund 10.000 in Israels Gefängnissen einsitzenden Häftlinge und Verschleppten. Selbst die 680 Millionen Dollar Zolleinnahmen, die den Palästinensern zustehen, die aber Israel kassiert und seit 18 Monaten unrechtmäßig einbehalten hat, sollen endlich überwiesen werden – allerdings vorerst nur zur Hälfte und auch diese nur in Raten.

Und hierDie lange Liste der israelischen Unterdrückung von Palästinensern bringt er zur Sprache: deren Denunzierung als Terroristen, die Vertreibungen, die Drangsalierung der Flüchtlinge, die gezielten Tötungen ihrer Führer, die Auslöschung ihrer Familien, die Raketenangriffe auf die wehrlose Zivilbevölkerung, das Niederwalzen ihrer Häuser, den Raub des Bauernlandes, die ungerechte Aufteilung der lebenswichtigen Wasserreservoire, das Ausreißen ihrer Oliven- und Mandelbäume, die ständigen Schikanen und entwürdigenden Kontrollen, die Beschränkungen der Bewegungsfreiheit, die langjährige Inhaftierung ohne Anklage, die Verbannung ganzer Bevölkerungsteile hinter Stacheldraht, von wo sie die Zerstörung ihrer Infrastruktur und Verbindungslinien schweigend mit ansehen müssen. Shamir sieht im zionistischen Judaismus und seiner Lehre vom „auserwählten Volk“ den eigentlichen Grund für die von Israel am laufenden Band verübten menschen- und völkerrechtlichen Verbrechen.

Auch hierNorman Finkelstein, Peter Novick und andere haben beschrieben, wie das Dogma von der Einzigartigkeit des Holocaust dazu dienen sollte, weltweite Unterstützung für Israel zu mobilisieren. Es war naheliegend, daß Deutschland in den Fokus dieser Bemühungen geriet und als drittstärkste, moralisch aber gebrochene Wirtschaftsmacht zum Adressaten politischer und finanzieller Begehrlichkeiten wurde. (…) Natürlich wurde und wird mit moralischen Erpressungen gearbeitet. (…). Den Kern des deutsch-israelischen Verhältnisses bilden also keine abstrakten moraltheologischen Probleme, sondern es geht um die Frage, wieweit Deutschland überhaupt noch ein politisches Subjekt sein kann, wieweit es in der Lage ist, innere Probleme und die Haltung gegenüber anderen Ländern unter Abwägung eigener Interessen selber zu bestimmen. Wenn es diese Kraft oder Fähigkeit verliert, so ist seine politische Existenz beendet. Wenn eine äußere Macht ihm vorschreibt, wer seine Gegner sind, gegen wen es zu kämpfen hat und wie es sein inneres Leben ordnet, so ist es politisch nicht frei, weil es einem anderen politischen System ein- bzw. untergeordnet ist. Und das nicht durch den Zwang militärischer Besatzung, sondern durch die Okkupation der kollektiven Erinnerungen, des historischen Denkens und der politischen Grammatik. 

Und auch hierFreeman studierte in Yale und Harvard. Er hat seinem Land in Delhi, Taipeh, Bangkok und Peking gedient. Unter Ronald Reagan war er im Außenministerium für Afrika zuständig, unter Bill Clinton als Vizeverteidigungsminister für Fragen der internationalen Sicherheit. Freeman war Botschafter in Saudi-Arabien, als General Norman Schwarzkopf und 500.000 US-Soldaten im Mittleren Osten eintrafen, um Saddam Husseins Armee aus Kuwait zu vertreiben. 1997 wurde er George McGoverns Nachfolger als Präsident des Middle East Policy Council (MEPC). Er sprach aus, was die wenigsten insgeheim abstreiten: Daß die USA in der arabischen und muslimischen Welt nicht mehr als Fackelträger der Befreiung gelten, liegt vor allem an ihrer blinden Unterstützung für Israels Unterdrückung des palästinensischen Volks. Während seiner MEPC-Zeit beging Freeman aber ein schweres Verbrechen: Er veröffentlichte „The Israel Lobby and U. S. Foreign Policy“ von Stephen Walt und John Mearsheimer (JF 42/07). Das Buch wurde zum Bestseller – und Freeman hatte sich das einflußreiche American Israel Public Affairs Committee (Aipac) zum Feind gemacht. Als bekannt wurde, daß Freeman der Wunschkandidat für den NIC-Vorsitz war, war die Empörung der Israel-Lobby groß. Steven Rosen denunzierte ihn als „ein Lehrbuchbeispiel für die alte pro-arabische Einstellung“, die zu George Marshalls Zeiten im Außenministerium grassiert habe. (…) Freeman wird als Marktschreier für die Saudis bezeichnet – von Menschen, die als Marktschreier der Israel-Lobby und der Likud-Partei Karriere gemacht haben. (…) In der Einsicht, daß die Angriffe nicht enden würden, erklärte Freeman seinen Verzicht: „Ich glaube nicht, daß der Nationale Geheimdienstrat effektiv arbeiten könnte, solange sein Vorsitzender unter Dauerbeschuß skrupelloser Menschen stünde, die leidenschaftlich die Ansichten einer politischen Partei eines anderen Landes verfechten.“ Das Land ist Israel, die Partei Likud. Freeman schrak auch nicht davor zurück, die Urheber der Kampagne gegen ihn beim Namen zu nennen: „Die Taktiken der Israel-Lobby loten die Tiefen der Ehr- und Anstandslosigkeit aus. Dazu zählen Rufmord, die selektive Verfälschung von Zitaten, die mutwillige Verzerrung der dokumentierten Wahrheit, die Erfindung von Falschbehauptungen und eine komplette Mißachtung der Wahrheit.“ „Eine Lobby“, so Steven Rosen in einem Aipac-Memorandum, „ist wie eine Nachtblume; sie gedeiht im Dunkeln und stirbt im Sonnenlicht.“ – Der legendäre New Yorker Gouverneur Al Smith (1873–1944) wußte einst ein probates Mittel gegen die Rosens in unserer Mitte: „Die beste Methode, etwas Unamerikanisches zu töten, besteht darin, es offenzulegen, denn Unamerikanisches kann nicht im Sonnenlicht leben.“ Gut gemacht, Botschafter Freeman.

Liest sich alles wahnsinnig „proisraelisch“, nicht wahr? Es gibt Dinge, an die will ich mich nicht gewöhnen, und dazu zählt ein Internetportal wie „politically incorrect“, das andauernd und immer wieder mit den schlimmsten Antisemiten, Neofaschisten und Israelfeinden flirtet und dann trotzdem die atemberaubende Frechheit besitzt, sich selbst als „proisraelisch“ zu bezeichnen.

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10 Gedanken zu “„Politisch inkorrekte“ Antisemiten

  1. Mag sein das die Junge Freiheit nicht proisraelisch ist, aber diese Texte könnten ebenso in Spiegel, taz, Frankfurter Rundschau oder Süddeutsche stehen…

    Diese Haltung zum Thema Israel ist längst deutscher Mainstream, auch unter Linken…

  2. Das Problem ist, dass wir, bzw. viele Menschen, die einen anderen Blickwinkel haben – einen Zusammenhang nicht erkennen, der eigentlich ganz offensichtlich ist und den ich schon vor Jahren angesprochen hatte (http://castollux.blogspot.com/2008/01/schwarzbraun-ist-die-haselnuss.html):

    Nazis, Linksexterme und Islamisten sind sich, was ihre grundsätzliche Weltanschauung betrifft, zwar [meistens] spinnefeind, aber wenn es gegen Juden geht, haben sie eine gemeinsame Schnittmenge.

    Man muss da sehr aufpassen, weil rechter, linker und islamischer Antisemitismus oft ähnliche Formulierungen verwenden, die sich nur graduell unterscheiden:

    Bei Islamisten heißt es z.B.: “ Juden raus aus Palästina“ (wir wissen, was das heißt)

    Bei [den mittlerweile gepflegter auftretenden] Nazis heißt das jetzt angleichend: „Wir solidarisieren uns mit der Nation des palästinensischen Volkes“

    Und bei Linksextremen heißt das fast gleichlautend: „Freiheit für Palästina“.

    Alle wollen auf das Gleiche hinaus:

    Juden umbringen, nicht mehr.

    ===========
    Dennoch:

    Mich kotzt es an, wenn Abgeordnete der Partei „Die Linke“ sich im Deutschen Bundestag in dieser Hinsicht so gebärden, als wollten sie das Existenzrecht Israels schützen.

    Nein, das wollen sie nicht.

    Die komplette Fraktion der Die Linke hatte sich gegen eine israelische Blockade des Gazastreifens ausgesprochen. Das scheint man dort wohl vergessen zu haben.

    Petra Pau und dem BAK darf man nicht mehr trauen, weil sie im Zweifelsfall aus Legitimitätsgründen immer der Parteilinie folgen – siehe mein Artikel aus dem Jahr 2008 hier, der richtungweisend war und bleiben wird:

    http://castollux.blogspot.com/2008/10/wann-wird-bakshalom-endlich-erwachsen.html

    Abschließende Frage:

    Warum sind Petra Pau und Bodo Ramelow nicht ganz entschieden gegen die antisemitischen Auswüchse in ihrer Partei vorgegangen?

    Warum haben sie antisemitische Drecksäcke wie Paech und Höger (nur wenige von vielen Beispielen in der Patei) nicht direkt angegriffen?

    Feiges AS-Pack, kann ich da nur sagen. Und auf Karierre aus, sonst nichts.

  3. „Die Rassisten und Hetzer der Internetplattform „politically incorrect“ sind bekanntlich an Frechheit und Dummheit schwer zu überbieten,“
    Nein, die Krone hält noch immer ein Blogger…

    „aber dass diese Website nun eine Jubelmeldung zum 25-jährigen Bestehen der rechtsextremen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ bringt, ist, gemessen am verlogenen Anspruch von PI, „proisraelisch“ zu sein, ein echter Leckerbissen für Freunde der unfreiwilligen Komik.“
    Und in dem Du, eine Menge alter Artikel der JF herausgesucht hast, beweist Du, dass PI nicht „proisraelisch“ sei?

    Der Bob Dylan-Artikel hat wohl richtig getroffen…

    @Alreech „Diese Haltung zum Thema Israel ist längst deutscher Mainstream, auch unter Linken…“ Eher umgekehrt, Linke waren schon immer antiisraelisch….

  4. Das Linke schon immer antiisraelisch gewesen sind kann man so nicht behaupten.

    Die israelischen Kibbuzzim sind innerhalb der Linken durchaus als Vorbild für einen wie auch immer gearteten Sozialismus gesehen worden. Allerdings hat sich im Zug des Aufkommens des Antiimperialismus bei den Linken eine verstärkte Israelfeindlichkeit breit gemacht.

    Israel wird nicht mehr als erfolgreiches sozialistisches Experiment betrachtet, sondern als imperialistischer Vorposten des Westens auf arabischen Boden.
    Und auf arabischen Boden dürfen nur Menschen leben die arabisches Blut haben, alles andere ist Imperialismus 😉

    Der von imperialistischen Israel unterdrückte Palästinänser steht in Tradion mit den von den imperialistischen USA unterdrückten Vietnamesen, und deswegen solidarisiert man sich mit den (von Israel) unterdrückten Palis.
    Mit den Palestinänsern die in Jordanien, im Libanon, Ägypten oder den Golfstaaten unterterdrückt werden solidarisiert man sich nicht.
    Zum Einen muß man auch als Linker Prioritäten setzen, zum Anderen sind die Unterdrücker ja beim besten Willen keine Imperialisten, sonder gute, alte arabische Tradition…

  5. Das ist ziemlich tendenziös geschriebenes Zeugs. Mich wundert es nicht nur, daß viele sich ziemlich einseitig in den Nahostkonflikt einmischen (egal, auf welche Seite sie sich stellen – ich halte mich da lieber raus, bevor ich Partei ergreife), aber die „Junge Freiheit“ als „rechtsextrem“ zu bezeichnen, das ist schlicht Unsinn. Nach meinem Dafürhalten ist sie extrem liberal, erzkonservativ und in der Berichterstattung einseitig rechts und ziemlich einseitig pro Israel. Daß sie „extrem“ wäre, nehme ich eher nicht an, eher ab und an „extrem Stammtisch“, Mischung aus Normalbürgertum, FDP und CSU – in der Ecke „rechtsextrem“ landet man allerdings in Deutschland (zu) schnell, wie ich denke.

  6. Ich habe Israel immer bewundert. Seinen Mut, seinen Optimismus. Ich wollte, wenn ich alt genug bin, in einem Kibbuz leben. Aber wenn ich Handlungen verurteile, die gegen Völkerrecht verstoßen, wenn ich verurteile, wie brutal der Staat Israel gegen die palästinensische Zivilbevölkerung vorgeht, bin ich kein Feind Israels. Ich habe Freunde in Israel, die schämen sich für ihren Staat. Die sagen: „Mörder muss man Mörder nennen, egal welchem Volk sie angehören“.

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