What the Ehec? Beten für die Taliban

Deutschland, seines Zeichens Hochtechnologieland und Weltzentrum eines von hysterischer Pedanterie oft nicht zu unterscheidenden Genauigkeitsfimmels, steht der Ehec-Epidemie weitgehend hilflos gegenüber. Obwohl die Ausbruchsregion mit Hamburg und Umgebung lokalisiert werden konnte, tappen die Gesundheitsbehörden bei der Suche nach der Quelle für die mutierten E.-coli-Bakterien weiter im Dunkeln und bereiten die Bevölkerung schon mal darauf vor, dass diese Quelle auch nie gefunden werden könnte. Spanien ist zurecht sauer, weil man die Schuld für die vermeintliche Gurkenseuche allzu rasch und ohne stichhaltige Beweise iberischen Bauern in die Schuhe geschoben hat, Russland und einige arabische Staaten haben vorsorglich alle Gemüseimporte aus der EU gestoppt (mit dem hübschen Argument, dass den Hygienestandards der Europäer nicht zu trauen sei), die deutschen Gesundheitsbehörden warnen vor dem Verzehr von Rohkost, es kursieren die wildesten Verschwörungstheorien und rassistische Spinner wärmen die mittelalterliche Legende von jüdischen Brunnenvergiftern auf (bloß sollen es diesmal finstere muslimische „Fäkaldschihadisten“ sein, die unser gutes christliches Gemüse verseuchen). Neben den Wahnsinnigen, die sich davor fürchten, dass ihnen der Moslem in den Salat scheißt, nutzt nun auch die Szene der „Pharmakritiker“, Impfgegner, Gentechnikfeinde, Alternativmedizingläubigen und reaktionären Esoteriker die Gunst der Stunde und verbreitet fleißig Quatsch der Sorte: „Jetzt macht die Fleischhersteller-Pharmazie-Illuminaten-Lobby ernst und vergiftet unser germanisches Bioessen“.

Es ist nun nicht besonders verwunderlich, dass angesichts einer unheimlichen Krankheitswelle die Irrationalität wuchert. Doch betrachtet man heute Deutschland von außen, dann wird man den Eindruck nicht los ein Land zu sehen, dass sich im intellektuellen Niedergang befindet. Da grassiert bei den Linken schlimmster Antisemitismus, da schafft es eine SPD nicht, Thilo Sarrazin auszuschließen, da degeneriert eine einst liberale FDP zum bald außerparlamentarischen Club für schnöselige Millionenerben, da wollen angebliche grüne Ministerpräsidenten die Gentechnikforschung verbieten lassen, da machen CDU/CSU nur mehr Politik nach Meinungsumfragen und da wird plötzlich gefrömmelt, dass einem schlecht werden kann. Margot Käßmann, laut „Spiegel“ eine „populäre Theologin“, meint erbarmungswürdig naiv, es wäre doch besser, mit den Taliban gemeinsam zu beten statt auf diese zu schießen, und Verteidigungsminister Thomas de Maizière fühlt sich berufen, diesen Unsinn nicht etwa unkommentiert zu lassen, nein, er muss zurückchristen„Das Beten für Täter und Opfer – für Opfer gleich welcher Nation – ist gut und richtig. Insoweit ist auch ein Gebet für die Taliban nötig und sinnvoll.“  So viel Jesus in der öffentlichen Debatte kann nicht gesund sein, aber okay, lasst sie beten und gegeneinander antreten bei „Deutschland sucht den Superchrist“. Ich setze meine Hoffnungen unterdessen auf die Wissenschaft, die möglichst rasch etwas finden möge, womit diese Ehec-Sache angegangen werden kann, denn es ist bald Sommer, und so ganz ohne Salat macht eine Grillparty nur den halben Spaß.

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5 Gedanken zu “What the Ehec? Beten für die Taliban

  1. >>…meine Hoffnungen unterdessen auf die Wissenschaft, die möglichst rasch etwas finden möge,…<<

    Man braucht nicht hoffen, das Mittel gibt es ja schon seit 3 Jahren. Es muss nur noch verkauft werden… 😉

  2. Nix da. Ich war heut am Samstag wie jeder anständige Klagenfurter am Markt und hab Gurken, Salat und alles gekauft. Mir kam es nicht so vor dass da weniger Leute waren. Die Marktgänger sind halt doch noch vernünftige Leut und es wird wohl keinen durchreissen der nicht Sauerkraut gekauft hat.
    Die besten Waren der Stadt gibts meiner Meinung nach hier:
    Benediktiner Markt: Durchwegs gutes Gemüse, entweder direkt vom Bauern oder gute Ware aus Italien. Nachteil: teuer
    Fleischerei Kranzelbinder: beste Fleischqualität, nicht teurer als im Supermarkt. Mit Imbissstube. Einfach mal ein Schnitzel mitnehmen und staunen wie es gegenüber der Spar Fleischtheke abschneidet.
    Gegenüber vom Kranzelbinder gibts den türkischen Laden Anatolien, der hat super Gemüse und alles meist billiger als im Supermarkt. Von der Qualität her nicht zu vergleichen, da wesentlich besser. Alles da um sich billigst durchzufuttern und die Oliven sind spitze.
    Gusto Italia in der Siebenhügelstraße: dort lass ich die meiste Kohle liegen aber das bin ich mir wert. Ein italienischer Supermarkt mitten in Klagenfurt mit Voiello Spaghetti und allem was ich sonst qualvoll im Rucksack importieren musste. Meine Geschwister in Wien dürfen mich beneiden.

  3. David @: Die Geschwister in Wien werden müde (milde) lächeln: Die haben den Naschmarkt, den Meinl am Graben, die k&k Konditoreien, eine Fülle von teils hervorragenden Würstel-Ständen etc……

  4. @ ruthwitt:
    Um den italienischen Supermarkt dürfen sie mich beneiden, hab ich gemeint, für alles andere ist die Auswahl in Wien besser. Wenn ich in Wien bin, deck ich mich natürlich immer am Naschmarkt mit allem ein, was ich hier nicht so leicht bekomme.
    Einen Ersatz für einen italienischen Supermarkt hab ich am Meiselmarkt und am Naschmarkt noch nicht gefunden, obwohl es dort italienische Händler gibt und die Auswahl nicht soo schlecht ist. Was den Italienern in Wien fehlt, ist die riesen Auswahl an Pasta und die Regalware. Ausserdem sind diese Läden sehr teuer.
    Egal. In Klagenfurt ist man sehr gut bedient als Genießer und Fresssack und das Angebot an Frischware kann mithalten. Leider war ich in Paris auf den Märkten spazieren, dagegen stinken wir feierlich ab.

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