Der Haubenkoch und der dumme Pöbel

Im burgenländischen Restaurant „Taubenkobel“ kann man gut, wenn auch nicht weltklassegut essen. Einen bemerkenswert unsympathischen Auftritt hat nun aber der Wirt und Koch dieses Lokals, Walter Eselböck, am Sonntag in der ORF-Diskussionssendung „Im Zentrum“ hingelegt. Seltsam aggressiv und oberlehrerhaft gab der Gastronom den Konsumenten die Schuld für diverse Lebensmittelskandale und indirekt auch an der Ehec-Epidemie, denn die Leute, so der Starkoch sinngemäß, seien zu faul und zu geizig um sich „richtig“ zu ernähren. „Richtige“ Ernährung bedeutet laut Eselböck, dass man sein Essen direkt von lokalen Biobauern kauft und dass dieses Essen richtig teuer ist. Er sehnt sich nach den alten Zeiten in denen „die Haushalte 50 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgegeben haben“. Die erfreuliche Entwicklung, dass die Lebensmittel günstiger geworden sind, deutet Eselböck zu einem Qualitätsverlust um. Einen Beweis bleibt er schuldig, muss ihn ja schuldig bleiben, denn dass sich unsere Vorfahren gesünder ernährt hätten, ist ein Märchen. Die Verfügbarkeit reichhaltiger, halbwegs hygienisch produzierter und abwechslungsreicher Nahrung war im Gegenteil hauptverantwortlich für die gestiegene Lebenserwartung. Eselböck legt aber nach und fordert die Österreicher auf, nur saisonales und regionales Essen zu konsumieren, ja er geht so weit, den längst überholten Totalblödsinn von der Lebensmittelautarkie zu beschwören. „Jedes Land für sich“, formuliert es der Haubenkoch in völliger Unkenntnis der Marktmechanismen und gefährlich nahe am ökofaschistischen Gedankengut. Eine Agrarpolitik a la Eselböck würde uns nicht nur vom Weltmarkt isolieren, sie würde das Land zurückkatapultieren in jene unseligen Zeiten, als sich bloß Adel, Klerus und Großbauern ausreichend ernähren konnten, während der Großteil der Bevölkerung unter Vitaminmangel, Unterernährung und einer ganzen Latte von Lebensmittelvergiftungen litt. Es ist dann auch nur folgerichtig, dass sich Eselböck als Anhänger der anthroposophischen „biologisch-dynamischen Landwirtschaft“ outet, der man zumindest vom theoretischen Gerüst her eine Nähe zu rassistischen und faschistoiden Ideen attestieren muss. Na ja, immerhin weiß ich jetzt, dass ich auf keinen Fall ein zweites Mal im „Taubenkobel“ speisen werde. Und ehrlich gesagt: So toll war das dort Gebotene eh nicht. Ganz gut, aber eben nicht überwältigend. Für die in diesem Restaurant verlangten Preise habe ich anderswo schon um mindestens zwei Klassen besser gegessen und getrunken.

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5 Gedanken zu “Der Haubenkoch und der dumme Pöbel

  1. Der Typ ist natürlich widerlich auf seine elitäre Art.
    Mein Lieblingskoch ist übrigens Willi Haider. Ein Haubenkoch, der ebenfalls die saisonale Küche und die heimischen Produkte predigt. Der Unterschied: bis vor kurzem hat er über Jahre hinweg eine Rezeptspende im Megaphon abgegeben. Und zwar mit der Auflage, dass eine Portion soviel kostet, wie ein Sozialhilfeempfänger täglich fürs Essen zur Verfügung hat. Er ist Gründer der steirischen Kochschule (www.kochschule.at).
    Dass die Menschen sich früher schlechter ernährt haben, ist eher auf Armut und dem Fehlen des Kühlschranks zurückzuführen als auf das Produktangebot. Die Megaphon Rezeptbücher begrenzen sich natürlich nicht aufs steirische, da auch sehr viel Rezepte von Einwanderern stammen. Aber an die saisonale Küche hält es sich im wesentlichen.
    Dass die Österreicher und die Deutschen viel zu wenig fürs Essen ausgeben muss ich unterschreiben. Die Eßkultur ist hierzulande nicht so hoch ausgeprägt wie in Frankreich, Italien oder Japan. Kantinenessen und Fertiggerichte sind halt billiger als selber kochen und die Qualität ist den meisten auch egal. Hauptsache ein Schnitzi ist am Teller. Und ja, gemessen am Einkommen geben wir am wenigsten Geld damit aus. Das ist freilich beklagenswert, denn wo die Nachfrage nach gutem Essen groß ist, da bekommt man auch die besten Zutaten.

  2. „Im burgenländischen“
    Man sollte dich den ungarischen Wölfen zum Fraß vorwerfen… 😡

  3. Sehr vieles, was Eselböck gesagt hat war vollkommen richtig. Ich denke, er wird einen Lindwurm, dem er nich sympathisch ist, als Gast nicht vermissen.

  4. Das sind ja fast schon neoliberale Thesen über die Segnungen der mechanisierten Landwirtschaft, der Konservierung und des grenzüberschreitenden Nahrungsmittelhandels !
    Wer ist der Autor, und was hat er mit dem Lindwurm gemacht ? 😉

    Natürlich sind Kantinenessen und Fertiggerichte billiger.
    Aber billig geht auch wenn man selber kocht.
    Die Pellkartoffeln vom Montag kann man am Dienstag als Kartoffelsalat essen, am Mittwoch zu Bratkartoffeln verarbeiten (Anbraten in gewürfelten Schweinbauch, mit frischen Rosmarin und Thymian) und am Donnerstag in die Suppe werfen.
    Aber ob 4 Tage Kartoffeln abwechslungsreicher sind als Kantinenessen ?

    Mich kotzt dieses elitäre Gehabe der Menschen an, die sich für etwas besseres halten nur weil sie es sich leisten können für Luxusgüter wie teure Lebensmittel mehr Geld auszugeben.
    Nur weil man sich Luxusgüter leistet ( und dafür an anderer Stelle spart ) ist man kein besserer Mensch.
    Und gerade als Koch sollte man nicht die Nase rümpfen über die Lebensmittelindustrie. Im kleinen verhält sich der Küchenchef nicht viel anders, eine arbeitsteilige Produktionsweise mit modernen Maschinen wird auch da praktiziert.
    Und mir wäre neu, das eine Küchenhilfe in der Sternegastronomie viel mehr verdient als ein angelernte Kraft bei einem Hersteller von Fertigpizza…

  5. 4 Tage Kartoffeln und Schwein mit Rosmarin sind auf alle Fälle verlockender als mein Schnitzel in Mehlwichse dass ich in der Kantine bekomme. Und da sind 1000 Kollegen neben mir die sich nicht beklagen. Ich such mir immer das Gericht aus, von dem ich am wenigsten Durchfall bekomme. Tatort: Infineon Kantine. Wenn ich vier Zutaten habe und mir daraus was koche gehts mir besser.
    Wenn ich grad knapp bei Kasse bin, dann kauf ich billig immer noch gute Sachen ein. Aber wieso soll man bitte beim Essen und bei Zutaten sparen wenn man grad flüssig ist? Beim Essen sind die Leute geizig wie meine Kollegen. In Italien lieben die Leute ihr Essen, bei uns nicht. Ist halt so.
    Ist jetzt kein Problem vom Pöbel, es scheren sich einfach alle einen feuchten Dreck und würgen den Mist runter.

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