Mehr EU, nicht weniger

Wer sich derzeit das Gestammel diverser Politiker zur Griechenlandkrise anhört, dieses Herumeiern und Schönreden und Hilflosigkeitzurschaustellen, der wundert sich nicht mehr, warum die primitiven Slogans der FPÖ und anderen Rechtsaußenparteien von den „faulen Südländern“, die „über ihre Verhältnisse“ leben würden und denen die „braven fleißigen Österreicher“ sozusagen ihr Dolce Vita finanzieren würden, bei so vielen Menschen Anklang finden. Denn wenn sich niemand traut, Klartext zu reden, dann haben die Demagogen leichtes Spiel. Klartext reden, das würde bedeuten offen zu sagen, dass hier ein ganz fieses Spiel mit Mitgliedsstaaten der EU getrieben wird. Was geschieht denn vor aller Augen? Das: Ratingagenturen stufen die Bonität von Euroländern (und von vielen anderen Staaten) herab, woraufhin Banken und andere Großinvestoren die immer billiger werdenden und immer höher verzinsten Staatsanleihen dieser Staaten aufkaufen können, und für das Risiko muss der europäische Steuerzahler einspringen, der mit immer neuen Milliardenzahlungen dafür sorgt, dass diese künstlich verteuerten Kredite auch bedient werden. Gleichzeitig müssen die betroffenen Staaten „sparen“, also vor allem privatisieren, was einen zusätzlichen Schnäppchenmarkt für das Kapital eröffnet. Das ist sowas wie der perfekte Raub, ein Raub fast ohne Risiko für die Räuber, denn die können sich darauf verlassen, dass die EU kaum eine Alternative dazu hat, den Staatsbankrott von Mitgliedsstaaten zu verhindern. Es bringt freilich wenig, über diese Vorgänge allzu empört zu sein, denn diejenigen, die nun groß abkassieren, tun das ja nicht, weil sie „böse“ sind, sondern weil sie die Gelegenheit dazu haben. Man kann es dem Hai nicht moralisch vorwerfen, dass er sich satt frisst, wenn man ihm die Robben direkt vor sein Maul wirft. Die Spekulanten nutzen einfach die vielen Angriffspunkte aus, die ihnen die einzelnen Mitgliedsstaaten und die Konstruktion der gesamten EU bieten. Die Europäische Union ist eben nicht, wie das die Rechtspopulisten behaupten, zu stark und zu mächtig, sondern im Gegenteil beklagenswert schwach. Sie lässt es zu, dass jeder ihrer Mitgliedsstaaten seine eigene Finanz-, Steuer-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik macht, was einerseits einem Dumpingwettlauf nach unten Tür und Tor geöffnet hat, andererseits aber auch groteske und  kaum kontrollierte Geldverschwendung ermöglichte und immer noch ermöglicht. Diese Zersplitterung, dieser kaum kontrollierbare Haufen von Partikularinteressen ist es, was die EU so verwundbar macht im internationalen Finanzkrieg. Anders gesagt; Wir brauchen mehr EU, nicht weniger, wollen wir nicht bis aufs letzte Hemd ausgezogen werden. Aber so lange das den Leuten keiner nachvollziehbar erklärt, werden die Kräfte, die die EU zerstören wollen, immer stärker werden und irgendwann werden dann all diese kleinen Staaten allein ums Überleben kämpfen, was fast zwangsläufig dazu führen würde, dass Europa wieder in Faschismus und Not und Krieg zu versinken droht.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Mehr EU, nicht weniger

  1. Ja, genau.
    Wir brauchen eine starken Zentralstaat, damit haben wir ja in 12 Jahren drittes Reich und 40 Jahren DDR gute Erfahrungen gemacht !
    Haben damals etwas die internationalen Finanzhaie Wien und Berlin gegeneinander ausspielen können ? Eben !

    Gesichtslose Bürokraten die im fernen Brüssel hausen und Entscheidungen über Menschen treffen deren Lebenswirklichkeit und Kultur sie nicht mal kennen – das ist viel besser als ein gesichtsloser Bürokrat der in Wien oder Berlin sitzt und seine Pappenheimer kennt.

    Gut, um diesen Traum von der Gleichschaltung Europas zu verwirklichen wird man wohl die Opposition dazu in den einzelnen Ländern zerschlagen müssen. Eventuell wird es sogar notwendig sein, Soldaten einzusetzen um den Entscheidungen der Europäischen Zentralregierung Nachdruck zu verleihen…

    Die Medien müssen auf eine Line gebracht werden, alle Europäer müssen sich nach den Willen der Herren in Brüssel richten.
    Gut, die Herrn in Brüssel werden vermutlich nach Deutscher und Französischer Pfeife tanzen (als größte Europäer müssen wir dies Bürde einfach auf uns nehmen), aber wenn die Alternative dazu Faschismus, Not und Krieg sind…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s