Villach ist cooler als Klagenfurt

Heute war es mal wieder recht warm, weshalb der Lindwurm sich von seinem Sockel am Neuen Platz in Klagenfurt losgeschraubt und einen Abstecher nach Villach gemacht hat. Ich bin also den ganzen Nachmittag lang in der dortigen Innenstadt herumgesandelt und habe einmal mehr festgestellt, dass Villach Klagenfurt in fast allen Belangen überlegen ist. Zunächst mal ist die Stadt an der Drau viel schöner als jene an der Glan. Das sanft hügelige Gelände versprüht ein leichtes San-Francisco-Feeling, die Randbezirke mit ihren schmucken Einfamilienhäusern, Villen und sozialen Wohnprojekten wirken gepflegt-dörflich, ohne aber Provinzmief auszustrahlen, und die Innenstadt rockt. Allein schon die Gegend zwischen Bahnhof und Stadtpfarrkirche ist bezaubernd. Man schlendert vom Bahnhof weg die leicht abschüssigen Straßen und Gassen in Richtung Fluss, wo etliche Cafes direkt am Ufer dazu einladen, sich mit lecker Eiscreme zusätzliche Kilos anzufressen oder einfach nur einen Kaffee zu trinken und dem lebhaften Treiben der gut gelaunten und erstaunlich freundlichen Bevölkerung zuzugucken, die entspannt und ungehetzt herumstolziert oder sich auf Liegen entlang der Draulände in der Sonne aalt. Dann überquert man den fetten und faulen Fluss und kommt zum mittelalterlichen Hauptplatz, einer riesigen Fußgängerzone, in der es sich so richtig abspielt. Die Stimmung dort erinnert mehr an den Wiener Graben als an den vergleichsweise trost- und ereignislosen Alten Platz in Klagenfurt. Hier wird intensiv flaniert und windowgeshoppt und in Gastgärten gesessen, und alle paar dutzend Meter biegt eine kleine Gasse ab oder es lockt ein lauschiger Innenhof mit südländischem Flair. Ein wenig überrascht hat mich, wie  touristisch hier vieles ist, denn kaum eine Buchhandlung oder Trafik kommt ohne eine eigene Abteilung aus, in der kitschige Kärnten-Souvenirs verkauft werden. Aber das ist nicht weiter verwunderlich, liegt doch Villach direkt auf einer der großen Nord-Süd-Verbindungen, auf denen die Urlauberströme fließen, und außerdem im wirklichen Epizentrum des Kärntentourismus. Trotzdem fühlt man sich nie wie in einem Freiluftmuseum, alles lebt und lädt zum Ausprobieren ein. In einer Seitengasse habe ich dann etwas gesehen, was in Klagenfurt, wo schon lautes Niesen als Ruhestörung gilt und man dem Leben im Freien (und damit wohl auch dem freien Leben) grundsätzlich misstraut, kaum denkbar wäre: Eine Ladenbesitzerin hat der großen Hitze wegen einfach einen Tisch vor ihr Geschäft gestellt, an dem sie mit einer Kollegin vom Laden gegenüber saß, rauchte und plauderte. Ein kleines Stück Italienische Lebensart mitten in Österreich. Die Villacher sind übrigens tendenziell auch schöner als die Klagenfurter (ja, ich gebe zu, das nur am weiblichen Teil der Einwohner überprüft zu haben, aber wo die Frauen „nicht un´gstaltig“ sind, wie man früher mal gesagt hätte, sind wohl die Männer auch nicht schiach wie die Perchten), und sie wählen klüger, also politisch betrachtet. Ist ja seit dem Krieg eine sozialdemokratisch dominierte Stadt, und das merkt man unter anderem an der guten Infrastruktur. Während in Villach schlechte Straßen mit Schlaglöchern die Ausnahme sind, sind diese in Klagenfurt die Regel, um mal ein Beispiel zu bringen, das mir als Autofahrer sofort in den Sinn kommt. In Villach steht ein gut ausgebuchtes Kongresszentrum, in Klagenfurt ein Millionengrab in Form eines völlig am Bedarf vorbeigeplanten Stadions. Aber den Klagenfurtern ist es wohl wichtiger, dass ihr jeweiliger Bürgermeister trinkfest ist, Ziehharmonika oder Tennis spielen kann und immer einen auf ultra-volkstümlich macht, als dass er die Stadt gut regiert und verwaltet. Nun ja, jeder hat halt die Prioritäten, die seinem Intelligenzniveau entsprechen….

Ist Klagenfurt also nicht lebenswert? Doch, man kann hier sogar ganz gut leben. Aber Villach ist besser in fast jeder Disziplin, die die Lebensqualität einer Stadt ausmacht.

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5 Gedanken zu “Villach ist cooler als Klagenfurt

  1. Zum abertausendsten Mal der Städtevergleich zwischen der Landeshauptstadt und der, die es so gerne sein würde. Auch der Lindwurm hat sein Recht auf Sommerlöcher.

  2. Leider war ich noch nie in Klagenfurt. Weder als Autofahrer der mit westdeutscher sportlicher Federung über Schlaglöcher in den Straßen Österreichs hinwegspringt wie ein freudiger Entdecker Österreichs, noch als ostdeutscher Sozialist, um das sich beklagende Furt vom Kapitalismus zu befreien, da ich kein Ostdeutscher bin. Na jedenfalls finde ich es gut, dass Klagenfurt einen Bürgermeister hat, der Volkstümliches dilletantisch parodiert. So was bringt mich immer wieder zum Lachen.

  3. mir vergeht auch der appetit aufs beste eis, wenn ich das wort „lecker“ nur höre…

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