Ein Weckruf aus Oslo

Ein rechter Waffennarr und „Islamkritiker“ also. Einer, der in Internetforen schreibt: „Ich habe ein Problem mit einigen traditionellen konservativen Parteien wie den britischen Tories oder der Konservativen Partei in Norwegen, die an Relevanz einbüßen im Vergleich zu echten kulturkonservativen Parteien wie Gert Wilders Freiheitspartei. Es sollte verboten sein, sich konservativ zu nennen, wenn man die fanatische Doktrin des Multikulturalismus unterstützt, deren praktische Umsetzung zweifellos die wichtigste Grundlage für eine weitere Islamisierung ist“. Und weiter: „Die Kulturmarxisten haben die vollständige Kontrolle über die Medien. (…) Der Multikulturalismus wurde erfunden, um die europäische Kultur, Tradition, Identität und das Christentum zu zerstören. (…) Politische Korrektheit ist ein Synonym für Multikulturalität, und diese ein Synonym für Kulturmarxismus.“ 

So also redet einer, der, nachdem er eine der stärksten Autobomben in der Geschichte des europäischen Terrorismus gezündet hat,  mit mehreren Waffen kaltblütig mehr als 80 Jugendlich abknallt, der herumgeht auf einer kleinen Insel, wo man ihm nicht entkommen kann, und ein Kind nach dem anderen erschießt aus dem einzigen Grund, weil diese Jugendlichen und Kinder Sozialdemokraten sind. So reden auch Parteien wie die FPÖ, der Vlaams Belang, die NPD. So redet Gert Wilders, und in dem Stil und in dem Sinne wird jeden Tag auf Hetzblogs wie „Politically Incorrect“ oder „SOS Österreich“ geschrieben. So schreibt der Werner Königshofer. So schreiben und reden all die geistigen Brandstifter, denen an echter Analyse und Kritik nicht gelegen ist, sondern die nur das Feuer legen wollen, um dann das niedergebrannte Grundstück billig erwerben zu können. Und jetzt ist einer, der so redet, schreibt und denkt wie die geistigen Anstifter zur Tat geschritten. So wie Franz Fuchs in Österreich zur Tat geschritten war, nachdem er lange genug die rechte Hetze gegen „Umvolkung“ und Immigranten aufgesogen hatte.

Darüber muss jetzt geredet werden, über die Brandstifter nämlich, die wir Biedermänner in unserem europäischen  Haus (wieder) groß werden haben lassen. Wir müssen sie in die Schranken weisen, diese „Daham-statt-Islam“-Plakatierer, diese Neobiologisten vom Schlage Sarrazins, und all die rechten bis rechtsliberalen Publizisten, die sich ganz toll avantgardistisch und mutig vorkommen, wenn sie den zivilisatorischen Minimalkonsens Europas lächerlich machen. Wenn wir dem Vormarsch der Intoleranten, der Nationalisten und Faschisten nicht Einhalt gebieten, wird das Massaker von Oslo einst als eines jener Verbrechen in den Geschichtsbüchern stehen, welche am Vorabend rechtsextremistischer Machtergreifungen stattgefunden haben.

Allerdings sollten wir auch beherzigen, was der norwegische Ministerpräsident gesagt hat, dass man nämlich antidemokratischen Strömungen nicht mit dem Abbau demokratischer Errungenschaften begegnen darf. Dazu gehört meiner Meinung nach die Verteidigung der Meinungsfreiheit in dem Sinne, dass sachliche, nicht rassistische Kritik am Islamismus, ja am Islam selbst wie auch an allen anderen Religionen sowie an negativen Aspekten der Migration möglich sein muss. Aber dass es fundamentale Unterschiede zwischen echter Kritik und politischer Hetze gibt, predige ich in diesem Blog ja schon seit Jahren. Alles darf, alles muss kritisiert werden, aber Rassenwahn und Religionskriegsmentalität sind keine Kritik, sondern Verbrechen.

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15 Gedanken zu “Ein Weckruf aus Oslo

  1. Ich finde es toll, dass Du die Tragödie und Tat eines Irren benutze kannst, um Deine Vorstellung von der Einschränkung der Meinungsfreiheit zu propagieren. Sorry – es geht ja nicht um alle Meinungen, es geht nur um die Meinungen, die ein Verbrechen sind und nicht um sachlich Meinungen.

    Ist es zu viel verlangt, jetzt etwas Geduld zu haben, bis man etwas mehr Details kennt? Ein Blog-Eintrag wie dieser hier macht überhaupt nur dann Sinn, wenn es von irgendeiner Seite irgendeine Art von Verständnis für Anders Tat gibt – was aber ganz bestimmt nicht der Fall sein wird.

  2. @ Michael: Na klar werden sich Gott und die Welt von diesem Verbrechen distanzieren. Das ändert aber nix daran, dass dieser Massenmörder aus dem Teich der militant islamophoben Rechten herausgekrochen ist. Auf „PI-News“ gibt es übrigens schon die ersten Leserkommentare, die eine gewisse Sympathie mit dem Täter durchschimmern lassen.

  3. Es lohnt sich, die Absonderungen des mutmaßlichen Täters genauer zu lesen, um einen besseren Eindruck von seiner Gedankenwelt zu bekommen, etwa:
    „Muslimischen Migrantenkindern würde beigebracht, Stolz auf ihre Religion, Kultur und ihre konservativen Werte zu sein, „während norwegische Männer feminisiert werden und übermäßige Toleranz lernen“. Der Schulunterricht für norwegische Kinder bestehe nur noch aus der ‚Dämonisierung unserer Vorfahren (böse Imperialisten, große Bauern, die Mägde vergewaltigten, blutrünstige Kreuzritter)‘.“ (http://www.welt.de/politik/article13503732/Die-hasserfuellte-Gedankenwelt-des-Anders-B.html)
    So islamfeindlich kann jemand, der die muslimischen Migranten dafür beneidet, dass sie zu ihren „Werten“ stehen, die den Autochthonen bedauerlicherweise schon ausgetrieben wurden, nicht sein. Es handelt sich hier offenbar – ebenso wie bei FPÖ, NPD und ansatzweise auch bei Sarazzin – in der Tat um Hass auf Moslems, die mehr und anderes ist als „gewöhnlicher“ Rassismus, aber eben um Hass, der eben NICHT auf Ablehnung (und schon gar nicht „Phobie“) beruht, sondern auf Neid und Konkurrenz (was die Identifikation mit Gespinsten wie dem „christlichen Abendland“ voraussetzt) und somit auf einer gemeinsamen Grundlage – eben der, dass das gesellschaftliche und historische Prozesse, wie im Islam, als Kampf verschiedener Kollektive und „Kulturen“ um die Vorherrschaft verstanden werden.
    Im Übrigen wünsche ich dem/n Mörder(n) von Oslo und Utoya (der – nach dem, was man über ihn erfahren kann, alles andere als ein „Irrer“, sondern ein kaltblütiger Ideologe war), dass er in seiner Zelle verrottet!

  4. also wenn man alle Informationen zusammenträgt, dann handelt es sich bei dem Attentäter um einen

    1. Biobauern, er betrieb nahe Oslo die „Breivik-Geofarm“

    2. laut seinem Facebook-Account Verehrer von antifaschistischen Widerstgandskämpfern http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Manus

    3. laut seinem Facebook-Account Verehrer des entschiedensten Nazigegners Europas „Winston Churchill“

    4. laut seinem Facebook-Account ein Fan des Buches »1984« von George Orwell

    => es ist schoon ein komischer Rechtsextremist, der solche Vorlieben hat, oder?

  5. der Terror richtete sich gegen Sozialdemokraten bzw. ihre Kinder.

    wenn irgendwann ein Irrer mit linken politischen Ansichten eine Bombe auf das Österreichische Parlament schmeißt und nachher in einem FPÖ-Jugendcamp ein Massaker anrichtet, werden dann auch alle FPÖ-Kritiker (wie ich) zur Rechenschaft gezogen werden müssen?

  6. Ja, falls deine „Kritik“ keine ist, sondern systematische Hetze mit einem eliminatorischen Unterton. den Unterschied kennst du, ja?

    Und jetzt hören wir bitte mit Ablenkungsmanövern auf, okay? Ausgerechnet in diesen Tagen ein fiktives Szenario von „FPÖ-Jugendlagern“, die von „Irren mit linken Ansichten“ angegriffen werden könnten, an die Wand zu malen, wo doch das Thema ist, dass genau die rechte Hetze von Parteien ähnlich der FPÖ den Massenmörder von Oslo inspiriert hat, ist doch recht billig. Strache-Style, möchte man fast sagen.

  7. Zunächst gibt es in Europa keine systematische Hetze mit eliminatorischen Unterton gegen Sozialdemokraten. Wenn wir schon auf diesem Niveau sind, dann kann man genauso Deine Phantasterei vom „Vorabend rechtsextremistischer Machtergreifungen“ als Hetze mit eliminatorischen Unterton sehen: wenn tatsächlich eine rechtsextremistische Machtergreifung bevorstehen würde, dann würden wohl etliche Menschen zur Waffe greifen (auch ich).

    Es gab in Europa 2010 45 Anschläge mit 6 Toten durch linken Terror. In Griechenland wurde eine linke Terrorzelle mit einem Arsenal an Maschinengewehren, Granaten und Raketenwerfern ausgehoben. Es ist einzig und allein der Polizei und Geheimdiensten zu verdanken, dass es nicht mehr Anschläge von rechten und linken Terroristen gibt. Aber leider ist es halt so, dass die Polizei nicht alle Terroranschläge verhindern kann – und dieses mal war es ein besonders grausamer rechter Terrorist, der der Entdeckung durch die Polizei entgehen konnte. Aber das beweist überhaupt nichts.

  8. Interessant. Wenn islamisch motivierte Terroristen hunderte, oder – wie im Falle von 9/11 – gar tausende Menschen massakrieren, posaunt die Linke:

    „Das war ein Einzelfall.“
    „Die meisten Muslime sind friedlich.“
    „Die Attentäter sind keine wahren Muslime, sie haben den Islam missbraucht.“
    „Wir dürfen Muslime nicht unter Generalverdacht stellen.“
    „Irgendwie sind wird doch selbst Schuld.“
    etc.

    Und wenn ein einzelner rechtsextremistisch motivierter Terrorist ein Massaker verübt (was ungleich seltener vorkommt), posaunt dieselbe Linke:

    „Die rechte Gefahr!“
    „Rechte Hetze ist schuld.“
    „Wir müssen die rechten Publizisten in die Schranken weisen!“
    „Die Rechten müssen bekämpft werden!“
    etc.

  9. Ja, Lindwurm, was in Norwegen passiert ist, tut sogar sehr weh. Sowohl menschlich als auch politisch. Daraus mache ich gar keinen Hehl.

    Deine Freude und Genugtuung ist die perfekte Illustration dafür, wem Anders Behring Breivik mit seiner Wahnsinnstat den größten Gefallen erwiesen hat, und wer davon am meisten profitiert.

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