Kritik: „Season Of The Witch“

„Der Letzte Tempelritter“ („Season Of The Witch“): Es gibt viel zu wenige Hollywoodfilme, die mit einer tanzderteufeligen Horrorszene in ausgerechnet Villach beginnen. Dank „Season Of The Witch“ (den deutschen Titel erachte ich mangels Tempelrittern und insbesondere mangels eines letzten derselben als Frechheit) steigt die Hollywoodfilme-die-mit-einer-tanzderteufeligen-Horroszene-in-ausgerechnet-Villach-beginnen-Quote um satte 100 Prozent. Das finde ich als Lokalpatriot begrüßenswert. Jedenfalls etabliert diese recht gelungene und angenehm altmodisch gruselige Einsstiegszene gleich mal, dass wir uns in einem Fantasymittelalter befinden, in dem es wirklich Hexen gibt. Dass diese Exposition quasi den Selling-Point des ganzen Films entwertet, nämlich das wohl ursprünglich in einer der ersten Fassung dieses vermutlich 12.000 mal umgeschriebenen Drehbuchs angedachte Rätselspiel, ob die titelgebenden Hexe nun tatsächlich eine sei, oder bloß ein armes Opfer von Kirche und Massenpsychose – geschenkt. Darüber rege ich mich bei einem Film, der wie ein retardierter Geographieversager in der Unterstufe behauptet, die Steiermark grenze ans Meer, was diese nicht einmal zu ihren besten Zeiten tat, auch nicht mehr auf. Na jedenfalls sind Nicholas Cage und Ron Perlman desertierte Kreuzritter, die auf der Flucht von den Schlachtfeldern des Heiligen Landes in Südösterreich landen, wo gerade eine üble Seuche umgeht. Nein, es ist weder Pest noch Cholera, auch Macheath geht nicht um, sondern eine Art Ebola. Das ist weniger bescheuert als es zunächst klingt, gehen doch inzwischen nicht wenige Medizinhistoriker davon aus, dass es sich zumindest beim „Schwarzen Tod“, also der ersten großen „Pestwelle“, nicht um eine Pestvariante, sondern um einen dem Ebola ähnliches Virus gehandelt haben könnte. Oh, ich schweife ab, aber das kommt daher, weil mir noch der Schädel brummt vom einem Dritten Akt, der beim Zuseher in etwa die Gefühle auslösen dürfte wie ein Aktionskünstler, der sich den Schwanz abschneidet: Ratlosigkeit, Kopfschütteln, Suizidgedanken. Das ist schade, denn über weite Strecken unterhält dieser hübsche Trash sehr ordentlich. Man fühlt sich stark an „Armee der Finsternis“ erinnert, sowohl von den campigen Effekten und dem generellen Setting als auch von der Leichtfüßigkeit und dem Tempo her. Nur dass Raimis Mittelaltergranate keine 40 Mios gekostet hat und trotzdem der bessere Film war. Und dass der Humor bei „Army of Darkness“ gewollt war, „Season“ jedoch, der von Minute zu Minute immer rasanter zu verblöden scheint, mehr unfreiwillig den Clown spielt. Man will ein Fazit? Hier habt ihr es: „Season Of The Witch“ ist ein überteuertes b-movie, das aber lange sehr viel Spaß macht und erst gegen Ende hin, als der Schlechte-CGI-Overkill einsetzt und Spidermanzombiemönche ins debil gewordene Geschehen eingreifen, zum aggressionsfördernden Suckfest wird. Mehr Perlman und weniger bierernster Cage wären auch gut gewesen. Knappe 5/10

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Ein Gedanke zu “Kritik: „Season Of The Witch“

  1. Verdammt, den Film hab ich verpasst. 😀

    In die ähnliche Richtung geht die Verfilmung von SOLOMON KANE, einem Pulphelden von Robert E. Howard ( CONAN ).
    Statt Mittelalter puritanisches England, sprich neben Schwertern werden auch Pistolen geschwungen, sprich Regen, Seuche, Hexen…

    Dennoch ein recht netter Film. Der Held ist anfangs ein zynisches Arschloch, später ein zynisches Arschloch das Angst vor der Hölle hat und sich deswegen bemüht seinen brutalen Lebenswandel zu ändern.
    Schlecht, wenn das einzige ist was man wirklich kann Schießen und Fechten ist…
    Wie gut das es im Fantasymilieu echte Hexen und Dämonen gibt, da kann man seinen Degen ( und Mantel ) schwingen ohne gleich sein Seelenheil aufs Spiel zu setzen.
    Let’s kick ass in the name of the lord…

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