„Politisch inkorrekte“ Antisemiten, 2

Der dümmste Blog der Welt mit seinen noch dümmeren Leserkommentarschreibern beweist einmal mehr, wie es um seine vorgebliche Freundschaft zu Israel und zu Juden im Allgemeinen bestellt ist. Man gibt sich dort ja nicht damit zufrieden, der antiisraelischen „Jungen Freiheit“ zu gratulieren. In gleich Zwei Artikeln streut man nun der antisemitischen und rechtsradikalen katholischen Sekte namens Piusbruderschaft Rosen und verunglimpft deren Kritiker.

Wer sind die Piusbrüder und was geben die von sich? Hier ein kleiner Auszug aus Wikipedia:

Führende Vertreter der Priesterbruderschaft sind öfter mit antijudaistischen und antisemitischen Aussagen hervorgetreten. So schrieb Lefebvre am 31. August 1985 an Papst Johannes Paul II., die Feinde der Kirche seien Juden, Kommunisten und Freimaurer.  Damit griff er das seit 1790 bekannte Motiv einer christentumsfeindlichen Allianz von Juden und Freimaurern auf, das eine Wurzel der antisemitischen Verschwörungstheorie vom Weltjudentum ist. Die belgische Webseite Joods Actueel zitierte eine Passage der amerikanischen Website der Piusbruderschaft, wonach das „internationale Judentum“ die christlich-katholische Ordnung zerstören wolle: „Das Geld, die Medien und die internationale Politik sind zu großen Teilen in den Händen der Juden.“

Auch Richard Williamson vertrat in Reden und Predigten die antisemitische Theorie eines Weltjudentums. Im Mai 2000 bezeichnete er die antisemitische Hetzschrift Protokolle der Weisen von Zion als Gabe Gottes für Menschen, die die Wahrheit wissen wollten. Im März 2008 bezeichnete er sie als authentische Informationsquelle. Aussagen dieser Art wurden von seinen Anhängern gefilmt und unter anderem als YouTube-Videos veröffentlicht.

Bernard Fellay lehnte in einer Predigt am 2. April 2006 die kirchliche Anerkennung des Judentums und den jüdisch-christlichen Dialog ab und erklärte diesen Gegensatz zum Vatikan für unüberbrückbar: „Benedikt XVI. betont, dass die Kirche eine neue Haltung in ihren Beziehungen mit dem Judentum einnehmen muss. Die Juden lehnen die Gottheit Unseres Herrn Jesus Christus ab. Man fragt sich, was dies bedeuten soll, eine neue Haltung jenen gegenüber zu haben, die Unseren Herrn ablehnen. Das Evangelium sagt sehr deutlich: ‚Wer den Sohn nicht hat, hat auch den Vater nicht.‘ […] Solange Rom in einer solchen Position verharrt, ist kein Übereinkommen möglich.“

Franz Schmidberger schrieb im Oktober 2008 an alle 27 deutschen römisch-katholischen Bischöfe: „Mit dem Kreuzestod Christi ist der Vorhang des Tempels zerrissen, der Alte Bund abgeschafft, wird die Kirche, die alle Völker, Kulturen, Rassen und sozialen Unterschiede umfasst, aus der durchbohrten Seite des Erlösers geboren. Damit sind aber die Juden unserer Tage nicht nur nicht unsere älteren Brüder im Glauben, wie der Papst bei seinem Synagogenbesuch in Rom 1986 behauptete; sie sind vielmehr des Gottesmordes mitschuldig, so lange sie sich nicht durch das Bekenntnis der Gottheit Christi und die Taufe von der Schuld ihrer Vorväter distanzieren. Im Gegensatz dazu behauptet das II. Vatikanum, man könne die Ereignisse des Leidens Christi weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen (§ 4). Stimmt dies überein mit der Lehre des ersten Papstes, des Heiligen Petrus, der den Juden unterschiedslos zuruft, sie hätten den Urheber des Lebens getötet (vgl. Apg 3,15)? Die gläubigen Juden des Alten Testamentes, Abraham, Isaak, Jakob, diese sind unsere älteren Brüder im Glauben. […] Wir sehen mit Trauer Papst Johannes Paul II. und nun auch Papst Benedikt XVI. in eine jüdische Synagoge gehen.“

Der Distriktobere der Piusbruderschaft in Österreich, Helmut Trutt, bezeichnete den Verzicht auf Judenmission am 7. Februar 2009 als Irrlehre: Juden sei die Erlösung allein durch Jesus Christus ebenso wie Heiden zu vermitteln.

Am 10. Februar 2009 berichtete der „Spiegel“ über weitere antisemitische Aussagen in der Piusbruderschaft, unter anderem in deren Mitteilungsblatt für den deutschen Sprachraum. 

Der der Piusbruderschaft nahestehende Theologe Heinz-Lothar Barth vertritt die traditionelle Substitutionstheologie, wonach der neue Bund in Jesus Christus den alten Bund Gottes mit Israel aufgehoben habe, als Hintergrund des tridentinischen Messritus. Im März 2007 begrüßte er deshalb dessen Wiederzulassung durch Papst Benedikt XVI., zunächst mit einer vorkonziliaren Variante der Karfreitagsfürbitte für die Juden, und wies die innerkatholische Kritik daran zurück. Ratzinger hatte mit Barth brieflich schon 2003 über diese Wiederzulassung kommuniziert. Barth hält Vorträge zu diesem Thema im Rahmen von Hochämtern der Piusbruderschaft nach dem tridentinischen Ritus. Die Erklärung Nostra Aetate des Zweiten Vatikanischen Konzils hatte demgegenüber die Gottesmordtheorie und Substitutionstheologie verworfen und das aktive Bekämpfen des Antisemitismus und Antijudaismus zur christlichen Pflicht erklärt.

Im April 1989 leugnete Richard Williamson in seiner Predigt während der Messe im kanadischen Sherbrooke mit Bezug auf das Vernichtungslager Auschwitz den Holocaust. 2008 äußerte er sich ähnlich unter Berufung auf den Leuchter-Report.

1987 verteidigte Philippe Laguerie den Vorsitzenden des Front National, Jean-Marie Le Pen, mit den Worten, dieser sei ein „Opfer des jüdischen Finanzkapitals“, das Frankreich seit 45 Jahren tyrannisiere. Die Thesen der Holocaustleugner Henri Roques und Robert Faurisson seien „absolut wissenschaftlich“. Le Pen hatte zuvor den Holocaust in Frage gestellt.

Der Priester und Regionalleiter der Piusbruderschaft in Nordost-Italien, Pater Florian Abrahamowicz, wurde 2007 durch eine lateinische Messfeier für den Lega-Nord-Vorsitzenden Umberto Bossi bekannt. Am 30. Januar 2009 bezweifelte er den Vernichtungszweck der Gaskammern und die Gesamtzahl der Holocaustopfer: „Ich weiß, dass die Gaskammern zur Desinfektion benutzt wurden. Ich weiß nicht, ob darin Menschen zu Tode gekommen sind.“ Weiter behauptete Abrahamowicz, „wenn Williamson den Völkermord an den Armeniern geleugnet hätte, wäre nichts passiert“. Im Februar 2009 schloss die Piusbruderschaft ihn wegen dieser Äußerungen aus.

Dass „PI-News“ solcherlei widerliches Gelichter verteidigt, hat nichts damit zu tun, dass die Betreiber und Autoren des Blogs zu dämlich wären, um nicht zu wissen, wes Geistes Kind viele Piusbrüder sind. „PI“ versteht sich viel mehr als Speerspitze eines ultrakonservativen, sektenhaften Christentumablegers, dem die offiziellen Kirchen einfach zu lasch und liberal geworden sind. Dumm wie Brot sind freilich jene Leute, die tatsächlich meinen, „PI-News“ sei auch nur ansatzweise israelfreundlich oder pro-jüdisch eingestellt. „PI“ ist erzreaktionär und antisemitisch. Daran ändern auch die gelegentlich eingestreuten Beiträge nichts, in denen man ISrael zu unterstützen vorgibt.

Was es mit dem „Philosemitismus“ von „PI“ auf sich hat, kann jeder, der sich nur ein klein wenig mit der Geschichte des christlichen Antijudaismus befasst hat, aus sehr vielen Blogeinträgen herauslesen. Zum Beispiel aus diesemHier werden die Auswirkungen eines der wichtigsten geistlichen Gesetze der Bibel sichtbar: Es geht um die Beziehung zu den Juden. Ich zitiere die Stelle aus Genesis 12,3: (Und der HERR sprach zu Abraham: „Und ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!“ Das hat nichts mit “religiösem” Erleben zu tun – es ist die Rede von Segen und Fluch (!), und zwar seit fast 4000 Jahren. Dies sowohl für Einzelpersonen, Familien, Städte, Regionen, ja ganze Länder, und lässt sich an vielen historischen Beispielen – bis in die Gegenwart – nachweisen. Wenn doch nur unsere Politiker davon eine größere Ahnung hätten. Angesichts der erneuten Bedrohung Israels dürfen wir nicht einfach zuschauen – die Politik unserer Regierungen für oder gegen Israel hat weitreichende Konsequenzen für unsere Länder.

Man ist also für Israel, weil man es, angeblich religiös beauftragt, sein sollte, und weil das im eigenen Interesse liege, da der liebe Gott ja einen Sondervertrag mit dem Volke Israel habe. Man ist nicht für Israel und gegen den Antisemitismus, weil Israel ein Existenzrecht hat und die einzige Garantie gegen eine zweite Shoa ist. Das ist der verquere Philosemitismus vieler evangelikaler Fundi-Sekten. Israel soll existieren und Juden sollen nicht verfolgt werden, solange die ihre „Pflicht“ als „Wehrstaat“ gegen „den Islam“ erfüllen, aber das Happy End gibt es erst, wenn die Juden einsehen, dass Jesus der wahre Boss der Bosse ist und Armageddon anbricht. Willkommen im Irrenhaus fanatischer Christlicher Fundis.

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8 Gedanken zu “„Politisch inkorrekte“ Antisemiten, 2

  1. „In gleich Zwei Artikeln streut man nun der antisemitischen und rechtsradikalen katholischen Sekte namens Piusbruderschaft Rosen und verunglimpft deren Kritiker.“
    Kommentar 1: „Tut mir leid, aber die Piusbrüder sind Spinner. Meine beste Freundin hat deswegen die größten Eheprobleme.“

    Und Glaushaus, Steine…..

  2. „Man ist also für Israel, weil man es, angeblich religiös beauftragt, sein sollte, und weil das im eigenen Interesse läge, da der liebe Gott ja einen Sondervertrag mit dem Volke Israel habe.“
    Die Religion der Bahai fasst auch darauf, die glauben nämlich der Endkampf findet Israel und dem Iran statt.

    Und im übrigen „Recherche“ und halbwegs intelligente Formulierungen sind nicht schwer, sieht man auch beim Broder, der sich eine offensive und polemische Schreibe leisten kann, ohne sich dabei wie die ärmste Kirchenmaus auszuziehen… 😉

  3. Ich bin ein regelmäßiger und oft zustimmender Leser dieses Blogs – bis ich im letzten Absatz einige Unstimmigkeiten entdeckt habe
    Evangelikale Christen werden als „Fundi-Sekten“ bezeichnet, die ausnahmslos eine fanatische Form des Philosemitismus in ihrer Theologie beinhalten.
    Da muss ich doch sehr widersprechen, da die evangelikalen Freikirchen nicht nur keine Sekten sind (sondern staatlich anerkannte Glaubensgemeinschaften), sondern auch wenig mit „religiösem Fundamentalismus“ zu tun hat. Evangelikal kommt vom englischen Wort für evangelisch, und hat seinen Ursprung in den protestantischen und reformierten Kirchen in Amerika, welche sich von den religiösen Dogmen und Traditionen der katholischen Kirche (und anderen) distanzierten und nur mehr die Bibel als Basis für die Lehre akzeptierten. Dass dies pro-israelische Lehre mit sich bringt, hat nichts mit umgekehrten Anijudaismus zu tun noch mit Angst „vor dem Fluch“, sondern aus der Anerkennung der Juden als Volk Gottes, welcher seinen Bund nie mit ihnen aufgelöst hat. Christen sind von der biblische Lehre aus gesehen nicht das neue Volk Gottes, sondern aus Gnade Teil des geistlichen Volk Gottes geworden.
    Israel als „Wehrstaat gegen den Islam“ zu bezeichnen ist Teil der PI-News-Agenda, welche, wie Europas rechtspopulistische Parteien, welche auf der PI-Website wie Messiase gefeiert werden, absolut gar nichts mit dem evangelikalen Christentum oder anderen Bibel-fundierten Freikirchen zu tun haben. Wir sollten froh sein, dass es einen gesunden Gegenpol zu mittelalterlichen, antijudaistischen & antisemitischen Fanatikern wie die Piusbrüder gibt, deren Theologie kaum noch etwas mit der Bibel zu tun hat!

  4. nein, aron, da hast du recht, zu beschönigen gibt es da nichts.

    aber wieso soll man sich nicht mit hunden ins bett legen [weil du es bist sage ich es gleich dazu: das ist teil einer redewendung], wenn man gemeinsame feinde hat, gell?
    die paar flöhe stören dich ja nicht [das wäre dann der andere teil der redewendung].

  5. @Tom: Wenn Du damit nun die Zecken meinst, so hast Du natürlich recht.

    @Aron: „Leider hat pi.news auch solche widerlichen Seiten – da gibt es nichts zu beschönigen…“Ja, PI verfasst nun schon seit 5 Jahren jeden Monat mindestens einen Artikel zu Gilad Shalit und desto trotz, werden sie noch immer von irgendwelchen „Linken“ als Antisemiten bezeichnet, die nicht einmal pro Monat einen Artikel „für“ Israel schreiben.

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