Rücktritt jetzt, Frau Fekter!

Also sprach Österreichs Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP): „Auch ich habe mir schon große Sorgen im Hinblick auf die verstärkten Nationalismen, die wir haben, gemacht. Außerdem bauen wir gerade enorme Feindbilder in Europa gegen die Banken und die Reichen, die Vermögenden auf. So etwas hatten wir schon einmal, damals verbrämt unter (sic) gegen die Juden, aber damals waren ähnliche Gruppierungen gemeint. Es hat das zwei Mal in einem Krieg geendet.“ 

Das, Frau Ministerin, ist unsäglicher Quatsch. Der Antisemitismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts richtete sich nicht „verbrämt gegen die Banken und die Reichen“, sondern ganz offen und völlig unverbrämt gegen Juden. Nicht Bankiers und Reiche wurden „zu Juden gemacht“, sondern allen Juden wurde, unter anderem, unterstellt, reiche Bankiers zu sein. Verstehen sie den Unterschied, Frau Innenministerin?

Aber vielleicht tue ich ihnen ja Unrecht und sie wollten, sprachlich beeinträchtigt, August Bebels Bonmot, wonach der Antisemitismus der Antikapitalismus der dummen Kerls sei, zitieren? Der dumme Antikapitalismus, ob nun antisemitisch unterfüttert oder nicht, ist ja wirklich ein Problem, ebenso wie der von ihnen angesprochene Nationalismus. Aber wenn ich ganz ehrlich sein will, Frau Fekter, so traue ich ihnen so viel Reflexion und so viel Wissen um die verschiedenen Projektionsflächen des Antisemitismus nicht zu. Ich denke, dass sie tatsächlich den schäbigen Versuch unternommen haben, jegliche Kapitalismuskritik unter Antisemitismusverdacht zu stellen, indem sie einfach mal so ins Mikrophon plappern, den „Banken, Reichen und Vermögenden“ könnten die gleichen unfassbaren Verbrechen, die an Jüdinnen und Juden begangen wurden, drohen. Dadurch haben sie sich des real praktizierten Antisemitismus schuldig gemacht, Frau Ministerin, und da hilft jetzt auch kein Herumdrucksen der Marke „Ich lehne Feindbilder gegen einzelne Bevölkerungsgruppen ab“. Sie haben, Frau Fekter,  gerade das alte Naziklischee vom „Finanzjuden“ erneut in die Welt hinausgeblasen, und das als Finanzministerin der Republik Österreich! Und dass sie dieses furchtbare Stereotyp dazu missbrauchen, „die Vermögenden“ sozusagen gegen alle kritischen Fragen zu immunisieren, macht die Sache nur noch schlimmer. Treten sie zurück!

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11 Gedanken zu “Rücktritt jetzt, Frau Fekter!

  1. lindwurms Kritik ist ja auch nur „ein bisschen gekünstelt und eitel“?

    „aber dass sich zu den üblichen Empörten Michael Landau und Eva Glawischnig – solche Reaktionen sind ein bisschen gekünstelt und eitel, aber gesellschaftspolitisch notwendig – nun Laura Rudas, Werner Faymann und als antifaschistisches Sahnehäubchen der Bund Sozialdemokratischer Akademiker gesellen, ist peinlich bis durchsichtig.“

    http://diepresse.com/home/meinung/kommentare/leitartikel/693962/Fekters-Fettnapf-Faymanns-Fanal

    In der „Presse“ wird Kritik an Fekters Unsinn tatsächlich in den Dreck gezogen.
    Für die Fekter gilt wirklich: What you get is what you see

  2. Lieber Bernhard Torsch, Danke für Deinen klaren Worte über die katholische Antisemitin Fekter. Ich werde aus Deinem Blog in meinem nächsten Editorial vom Glocalist Review (> http://www.glocalist.com ) ausführlich zitieren. Shalom und Beste Grüße aus Berlin von einem Ex-Österreicher. Christian Neugebauer

  3. Tja, ob man mitsamt seinen Kindern in die Gaskammer getrieben wird oder ob man ab 1 Mio. Vermögen 0,5 % Steuern zahlen muss – alles gleich schlimm, stimmt´s Frau Fekter? Dieser Vergleich ist noch wesentlich obszöner als die „Holocaust auf ihrem Teller“ Kampagne von PETA.

  4. @ Alreech: Sorry, deinen zweiten Kommentar habe ich gelöscht, da der eine oder andere Leser den Sarkasmus wohl nicht erkennen würde und ich keinen Bock darauf habe, deswegen von einem „witzigen“ Nazi wegen Verhetzung angezeigt zu werden 😉

  5. 😉 passt schon.

    Aber was spricht wirklich dagegen dem Besitzer eines kleinen Handwerksbetriebs oder eines Bauernhof der gut und gerne eine Million Euro wert sein kann zusätzlich zu den Steuern die er eh zahlt auch noch 5000 Euro Vermögenssteuer ab zuknöpfen ?
    Zu mal er ja problemlos Leute entlassen kann um diese Kosten wieder einzuholen… 😉

  6. Der treffendere Vergleich wäre der mit dem Bolschweismus gewesen.

    Die Wählerschaft der NSDAP und der Kommunisten waren in der Weimarer Republik kommunizierende Gefäße. Soviel Unterschied zwischen dem „Antikapitalismus der dummen Kerls“ und dem vermeintlich intelligenten Antikapitalismus gibt es da nicht.
    Deutsche Industrielle und Banker nutzten Hitler als geringeres Übel, der den Hass auf alle Reichen und das Bürgertum auf die Juden umlenken sollte.

    Auffällig ist, dass Fekters Aussagen von den empörten Standard-Foristen mit dem Argument zurückgewiesen wurden, dass die Behauptung, dass Juden in der Weimarer Republik wirtschaftlich erfolgreich waren, eine Nazi-Verunglimpfung gegen Juden sei. Was, wenn die deutschen Juden aber tatsächlich erfolgreich waren?

    http://en.wikipedia.org/wiki/Jewish_Americans#Education_and_income

    „Forty six percent (55% of Reform Jews) report family incomes of over $100,000 compared to 19% of all Americans, with the next highest group being Hindu at 43%. And while 27% of Americans have had college or postgraduate education education, 59% of American Jews have, the highest of any religious group except Hindus.“

    Die linken Anti-Anti-Semiten lieben den Juden als hilfloses und armes Opfer. Der sich behauptende und militärische Jude kommt bei ihnen gar nicht gut an, wird aber mental als Zionist oder Israeli abgespalten
    Wirtschaftlicher Erfolg wird pauschal mit Ungerechtigkeit und Privilegierung erklärt. Der wirtschaftliche Erfolg von Juden muss daher geleugnet werden.
    Die Abgrenzung zum expliziten Antisemitismus steht bei antiimperialistischen und antikapitalistischen Linken also auf sehr wackeligen Beinen. Daher gibt es auch nicht wenige, die wie Horst Mahler den Schritt auf die andere Seite tätigen. Was bei solchen Leuten als unerklärliche 180-Grad Wendung dargestellt wird, ist bei genauerer Betrachtung nur ein kleiner Schritt.

  7. @ dieter: Fakt ist, dass die überwältigende Mehrheit der mittel- und vor allem osteuropäischen Juden, die der Shoah zum Opfer fielen, KEINE Bankiers, KEINE Anwälte, KEINE Ärzte, keine Anwälte usw waren, sondern kleine Einzelhändler, Handwerker, Arbeiter und, vor allem im Osten, Subsistenzlandwirte und Mini-Geschäftsleute, die in armseligen Stetlech lebten. Der „reiche Jude“ war sehr wohl ein Nazi-Stereotyp, obwohl es natürlich unter den damals noch vielen Juden einige reiche gab. Assimilierte Juden und Jüdinnen haben sich vor den Nazis vor allem in den Bereichen Medizin, Kunst, Wissenschaft und Journalismus profiliert, weniger als Großunternehmer. Doch auch bei diesen west- und mitteleuropäischen Juden war die Mehrzahl weder reich, noch intellektuell, auch wenn sie in Relation zur Mehrheitsbevölkerung einen überproportionalen Beitrag zum Geistesleben beisteuerten.

  8. Ich habe ganz explizit von „deutschen Juden“ und „Juden in der Weimarer Republik“ gesprochen. Dort wurde Hitler auch gewählt, von Leuten, die zwischen Kommunismus und Nationalsozialismus schwankten.

    In der SU und den Satellitenstaaten wurden die oberen 10%, sowie die oberen 10% in den einzelnen Schichten und Ständen als „Kulaken“ klassifiziert, dämonisiert, massenhaft erschossen, ausgegrenzt und in Lagern zu Tode geschunden.

    Zwar sind Kommunismus und NS grundverschiedene Weltanschauungen und theoretisch intellektuell-rational auseinander zu halten. Nur in der politischen Praxis und von der psychisch-emotionalen Stimmungslage her ist die Distanz gering. Dass Fekter das nicht auseinander halten kann, ist ein weiterer Beleg dafür.

  9. Fekter liest immer nur runter! Vermutlich verfasst ein Student die Reden!
    Selbst vorlesen kann die nicht!

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