Polizeistaatmethoden bei „Anonymous“

Die Internetguerilla „Anonymous“ hat die privaten Daten von 25.000 österreichischen Polizistinnen und Polizisten veröffentlicht. Darunter auch Geburtstage und Wohnadressen. „Anon Austria“ begründet diesen Totalverstoß gegen das zentrale Anliegen des losen Hackerverbandes, nämlich die Verteidigung des Rechts des Individuums auf Privatsphäre im Internet, zynisch mit dem Scheinargument der Überwachungsstaatbefürworter, wonach jemand, der nichts zu verbergen habe, auch nichts befürchten müsse. Verkleidet als Protestaktion gegen die Vorratsdatenspeicherung dürfte es sich wohl auch um einen Warnschuss gegen die Exekutive handeln, die derzeit in der Causa um gehackte Websites von österreichischen Parteien den Fahndungsdruck erhöht. Die Aktion ist völlig untragbar, kindisch und für 25.000 Menschen real gefährlich. Anonymous handelt, als lebten wir in einem faschistischen Staat, in dem die Polizei der Büttel der Obrigkeit ist und daher alle Mittel des Widerstands legitim wären. Da dies nicht der Fall ist, kann man die Aktion von „Anon“ nur als gemeingefährlichen Angriff auf die Sicherheit und Menschenwürde von Polizeibeamten werten, durchaus vergleichbar mit den schwarzen Listen, die von Neonazis ins Internet gestellt werden.

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7 Gedanken zu “Polizeistaatmethoden bei „Anonymous“

  1. Nein, Lindwurm. Erinnere dich nur an die unzähligen Male, in denen aus Polizeikreisen vertrauliche Daten an FPÖ/BZÖ/ÖVP-Kreise weitergegeben wurden. Jetzt wurden mal vertrauliche Daten aus Polizeikreisen an AnonAustria und dann die Öffentlichkeit weitergegeben. Das ist zwar drastisch, aber notwendig, um zu demonstrieren, wie wenig geschützt selbst kritische Daten in staatlichen Apparaten sind.

    Wenn schon so relativ sorglos mit den absoluten sensiblen Daten von Polizeibeamten umgegangen wird, wie sorglos würde dann erst mit den aus der VDS gewonnen Daten umgegangen werden? Das ist die zentrale Frage, zu der du dir mal Gedanken machen solltest.

    Dass die Aktion natürlich drastisch ist, ist unbestritten, aber heutzutage notwendig, wo von PR-Abteilungen solange einfach alles abgestritten bzw. klein- und schöngeredet wird, bis mit einem Knall der sprichwörtliche Super-GAU tatsächlich eintritt.

  2. Erstens haben Proletizisten nicht grundlos eine Dienstnummer.
    Zweitens hat das Vorgehen dieser Hackergruppe überhaupt nichts „Ritterliches“ an sich, sondern ist höchstens eine pervertierte (von dummlinkem Beifall begleitete?) Form des „Aufbegehrens“. Wie groß wäre hingegen die Aufregung, wenn Daten von Empfängern diverser Sozialleistungen veröffentlicht worden wären?
    Davon abgesehen gibt es in unserem Land immer noch Politiker, denen ich kaum zutraue wenigstens eine Maus zu bedienen, denen aber zum Thema Internet auch ohne solche Anlässe genügend Schwachsinn einfällt.

    @aronspeiber: Vielleicht mal durchlesen, was Florian Klenk zu Wikileaks schreibt und das Ganze einfach ein wenig weiterdenken 😉 Die von dir angesprochenen Probleme sind nämlich genauso bei investigativen Journalisten besser aufgehoben, als bei Machtdemonstrationen von Hackern, die offenbar mögliche Folgen zu wenig berücksichtigt haben.

  3. Yo ! informations want to be free !

    Dieses ganze Leaking wird allmählich immer blöder.
    Schon die geleakten US-Botschaftsdepeschen haben nicht enthalten was politisch interessierten Menschen nicht auch so geläufig gewesen wäre.

    Die im aktuellen Spiegel zitierten internen e-mails von PI sind ungefähr so aufregend und hetzerisch wie die Meinungsäusserungen im Telepolisforum.

    Und jetzt das leaken von Polizistenadressen ?
    WTF, wer einem Polizisten vorher etwas übeles wollte hatte auch keine Probleme an die Adresse zu kommen (z.B. über den eigenen Anwalt).

    Ausser einem – I did it 4 t3h lulz – gibt es wohl keinen guten Grund dafür.

  4. Vielleicht mal durchlesen, was Florian Klenk zu Wikileaks schreibt

    Klenk ist schon nicht mehr ernstzunehmen, seitdem er gegen Angeklagten im Tierrechtsprozess gehetzt hat. 😉

    Die von dir angesprochenen Probleme sind nämlich genauso bei investigativen Journalisten besser aufgehoben, als bei Machtdemonstrationen von Hackern, die offenbar mögliche Folgen zu wenig berücksichtigt haben.

    „Macht“demonstrationen? Das ist keine Demonstration von Macht, das ist eine Demonstration des allgemeinen Kontrollverlusts der Staatsobrigkeit in der digitalen Gesellschaft, dem durch mehr Gesetze auch nicht beizukommen ist, im Gegenteil. Auch wenn irgendwer meint, die Leaks wären „blöd“, so zeigt es doch nur, dass Daten, die aufgezeichnet werden, früher oder später an die Öffentlichkeit kommen. Aber soweit zu denken, einfach mal allgemein mit Daten sparsam zu sein (und das beginnt schon bei der Aufzeichnung), damit das Grundproblem gar nicht erst entstehen kann, das schafft offenbar keiner von euch.

  5. @ Speiber: Klenk hat nicht „gehetzt“, sondern als einer der wenigen Journalisten ausgewogen berichtet, also ohne Vorverurteilung und ohne Vorfreispruch. Und er hat darauf hingewiesen, dass die Methoden, derer sich manche „Tierschützer“ bedienen, auch nicht gerade die feine Art sind.

  6. Im Speiber´schen Weltbild war es also keine Machtdemonstration das Gefahrenpotenzial für einzelne Bullen sinnlos zu erhöhen? Die Aktion kommt zumindest als Antwort darauf, dass die Exekutive sich für die Hackertruppe interessiert hat, herüber. Von einem rebellischen Geist merke jedenfalls ich nicht besonders viel. Wurden denn irgendwelche schmutzigen Dinge, die in so einem Apparat passieren können, aufgedeckt? Wurde ein sonderbarer Korpsgeist thematisiert? Wurde das Sammeln von Daten erschwert, wurden Sachen gelöscht, die den Staat einfach nichts angehen? Wurde überhaupt irgendwas entzaubert? Wurde ein wohlüberlegter Schuss vor den Bug platziert oder bloß „zugeschlagen“?
    Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn die Hackerwelt mal demonstriert, dass sie da ist, nur die Art und Weise, wie das hier gemacht wurde, ist verdammt „unsportlich“.

    Übrigens:

    „Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen.
    Um den Schutz der Privatsphäre des einzelnen mit der Förderung von Informationsfreiheit für Informationen, welche die Öffentlichkeit betreffen, zu verbinden, wurde schließlich der bislang letzte Punkt angefügt.“
    http://www.ccc.de/hackerethics

  7. Hallo. Es ist zwar schön, dass du dir Gedanken um Anonymous machst, aber wenn du davon ausgehst, sie hätten sowas wie eine politische „Agenda“, hast du nicht den Funken einer Chance, Anonymous zu verstehen.

    Wenn du dich wirklich dafür interessierst, kannst du ja mal versuchen, in die Kultur einzutauchen, aus der Anon entstanden ist. Gefallen wird es dir sicher nicht.

    Empfehlen würde ich dir mal die Lektüre von Encyclopedia Dramatica. Stichworte: Troll, Habbo Raid, SwastiGET, Rules of the Internet und 4chan

    Auf 4chan solltest du nicht gehen. Jetzt noch nicht.

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