Greece and Jim Morrison

Griechenland pleite gehen lassen, egal, welche Auswirkungen dies auf den Euro und die EU haben würde – das ist, grob zusammengefasst, die närrische Vorstellung, die die Rechtsaußenparteien Europas derzeit in Reaktion auf die Krise propagieren. Vorstellungen, die übrigens bis in Teile des bürgerlichen und liberalen Lagers hineinreichen, aber auch von der extremen Linken geteilt werden. Was motiviert diese Kreise, Forderungen zu erheben, deren Befolgung zunächst das in Griechenland höchst engagierte französische Bankenwesen zusammenbrechen ließe und in Folge ganz Europa in eine wirkliche Wirtschaftskrise stürzen würde? Im Falle der angesprochenen Teilfraktionen der Bürgerlichen und Liberalen dürfte es wohl schlichtes Unvermögen sein, über den Tellerrand von Kleinunternehmen hinaus eine gesamtwirtschaftliche Schlussfolgerung zu ziehen. Das ist ja nicht neu, sind dies doch dieselben Schlaumeier, die trotz aller das Gegenteil beweisenden historischen Fakten glauben, man könne die Liquiditätsprobleme von Staaten so lösen, wie jene von Familienhaushalten, also durch stures Sparen, und eine das Wirtschaftswachstum bedingende Konsumnachfrage würde sich dann, wundersam wie die Brotvermehrung Jesu, schon irgendwie von alleine einstellen. Die Rechts- und Linksextremen denken da schon strategischer. Für sie geht es darum, die Krise eskalieren zu lassen, um im dann unweigerlich eintretenden ökonomischen und politischen Chaos die Macht zu ergreifen. Der Preis an Menschenleben spielt dabei, wie eine kurze Erinnerung an die völlige Skrupellosigkeit, die das Handeln ideologischer Extremisten in der Vergangenheit bestimmte, zeigt, keine Rolle. Bei den Rechtsextremisten hat man sich auf ein Zusammenbruchs- und Machtübernahmeszenario lange und gut vorbereitet. Sündenböcke (Muslime, Juden, Zigeuner, Kosmopoliten usw) und Ablenkungs- bzw. Kriegsgrundmanöver (etliche unter der Oberfläche brodelnde alte Grenzstreitigkeiten) sind bereits markiert für den sicher eintretenden Fall, dass man, einmal an der Macht, seine Unfähigkeit, Wohlstand herbeizuzaubern, mit den klassischen und bewährten Mitteln, die Rechtsextremisten nun mal benutzen, kaschieren wird müssen.

Was aber tut sich auf der linken Seite des Spielfelds? Auch dort hofft die traditionelle Extremistenfraktion in völliger Verkennung der eigenen Fähigkeiten und der eigenen Chancen im Kampf mit der rechten Konkurrenz auf den Systemzusammenbruch. Orthodoxe kommunistische Parteien und Sekten tagträumen davon, in so einem Fall mit ihren Kadern eine  Diktatur des Proletariats zu schaffen, die, auch das ist historisch erwiesen, in eine dem Faschismus in Sachen Gewalttätigkeit kaum nachstehende Unfreiheit führen würde. Zwar entstehen derzeit rund um den Globus neue, im weiteren Sinne linke Protestbewegungen, doch wissen die nicht so recht, wer sie sind, was sie wollen und gegen wen sie wie gewinnen sollten. Diese neuen Movements werden ganz richtig mit dem „Arabischen Frühling“ verglichen, von dem ja ebenfalls völlig offen ist, in welche Art von „Arabischen Sommer“ er mutieren wird, da, von ein paar Intellektuellen und von organisierten Islamisten einmal abgesehen, seine Vorstellung von Demokratie in etwa so diffus ist, wie jene der westlichen Protestgruppen von einer Alternative zum real existierenden Kapitalismus. Vor den Parlamenten und den Filialen der „Bank Of America“ ein paar Schilder in die Höhe zu halten, ist sicher recht malerisch und romantisch und eine Gelegenheit zum Dampfablassen, gewonnen ist damit erst einmal nichts. Immerhin wird wieder mehr Marx gelesen, was darauf schließen lässt, dass doch einige Leute zumindest daran interessiert sind, sich eine theoretische Grundausstattung für die Kritik an den Verhältnissen anzueigenen. Doch die ideologische und theoretische Tapsigkeit dieser neuen Linken hat auch etwas Hoffnungsvolles, denn die Abwesenheit eines geschlossenen eschatologischen Denksystems lässt auch andere Entwicklungen denkbar erscheinen als die Hinentwicklung zu Jakobinertum und Stalinismus.

Abschließend möchte ich meinen  Beitrag zur Theoriebildung leisten und den großen Analytiker Jim Morrison zitieren, der einst sagte: „I don´t know what´s gonna happen, man, but I wanna have my kicks before the whole shithouse goes up in flames“. 

 

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Ein Gedanke zu “Greece and Jim Morrison

  1. Und was planen die Politiker, die weder Links, noch Rechts, noch Liberal, noch Bürgerlich sind ?
    Die den Staat so aufgebläht haben, das jedes bisschen Einsparung im Staatshaushalt gleich eine Krise auslöst weil der Konsum zusammenbricht ?
    ( Wenn das tatsächlich der Fall ist, müsste man dann analog zu den Banken die To big to Fail sind nicht auch den Staat so klein machen, das diese Gefahr nicht mehr eintreten kann ? ).

    Die Daueralimentierung von Griechenland, Portugal, Spanien und Italien durch Deutschland, Frankreich und Österreich (+ die reichen Skandinavischen Länder ) die dann dafür im gemeinsamen europäischen Haus das Sagen haben ?
    Um mal Zynisch zu sein: eine arische Hegemonie über Europa haben wir schon mal versucht zu erreichen, den Griechen und Italienern hat das nicht so gefallen 😉

    Mit dem Euro kommen die Griechen nicht mehr wirtschaftlich auf die Beine. Als Industrienation spielten sie noch nie eine Rolle, und durch den Euro ist der Tourismus in Griechenland deutlich teurer als auf Zypern oder in der Türkei.
    Und soviel Ouzo trinken das wir damit das griechische Außenhandelsdefizit ausgleichen können dürfte nicht so gesund sein…

    Warum also nicht die Griechen Pleite gehen lassen ?
    Ein Haufen böser raffgieriger Kapitalisten die auch die hohen Zinsen für griechische Staatsanleihen ein gestrichen haben machen dann Verluste.
    Französische Banken gehen Pleite, oder werden von Frankreich ( oder der warum nicht der EU ? ) verstaatlicht.
    Die Manager die so blöd gewesen sind diese Risiken einzugehen fliegen raus.
    Vermutlich erwischt es auch ein paar die diese Risiken nur von ihren Vorgängern geerbt haben. Berufsrisiko.

    Sollen wir statt dessen warten bis aus der potentiellen französischen Bankenkriese ein potentielle Europakrise wird, bei der die Einen sich als Melkkühe und die Anderen als unterdrückt fühlen ?

    Momentan wird versucht mit dem Gespenst einer griechischen Staatspleite und eines griechischen Ausstiegs aus dem Euro das Gespenst von Krisen und Krieg an die Wand zu malen um eine weitere Europäische Zentralisierung zu erreichen.
    Aber Staatspleiten sind nichts neues, und die Zusammenarbeit in der EU funktioniert auch mit den Ländern die keinen Euro haben ohne das es gleich zu Krieg und Gewalt kommt.

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