Rabinovici und Brumlik vs Israel

Der Schriftsteller Doron Rabinovici findet die Warnung von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, wonach die Palästinenser einen „judenreinen“ Staat schaffen wollten, „ungeheuerlich“. Dies sei eine „Relativierung“ (der Shoah, Anm.), wütet er in einem Gastkommentar im „Standard“ weiter, und er wirft dann dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, vor, nicht zu wissen, wovon er spreche, wenn der in einer Presseaussendung darauf hinweist, dass die Anerkennung „Palästinas“ bedeute, einen „rassistischen, judenreinen Apartheidsstaat“ anzuerkennen. Hm, aber wie soll man das denn  nun nennen, was dem „Palästinenserpräsidenten“ Mahmud Abbas vorschwebt, wenn der sagt: „Wir werden niemals auch nur einem einzigen Israeli erlauben, in unserem Land zu leben?“ Mit „Israeli“ ist natürlich „Jude“ gemeint, denn es gibt ja auch Hunderttausende Araber mit israelischer Staatsbürgerschaft, für welche die Wir-müssen-leider-draußen-bleiben-Politik von Abbas offenbar nicht gilt. Wie soll man ein offen angestrebtes Palästina ohne Juden anders bezeichnen als rassistisch, antisemitisch und eben in Konsequenz „judenrein“? Der von Rabinovici in diesem Zusammenhang als Verharmlosung und Relativierung kritisierte NS-Begriff passt hier tatsächlich, denn auch den Nazis ging es vor allem anderen darum, Juden aus Deutschland und den im Raubmordkrieg eroberten Staaten zu entfernen, diese Gebiete also „judenrein“ zu machen, zunächst durch Vertreibung und später durch Vernichtung. Und wenn, wie von Abbas und anderen arabischen Politikern immer wieder betont wird, Juden in einem Staat Palästina weder leben, noch Grund und Boden erwerben dürften, was unterscheidet das denn bitte grundsätzlich von der NS-Politik? Rabinovici schließt kurz: „Wie kann bloß das Ende der Besatzung und der israelischen Siedlungspolitik mit dem Vokabular der Shoah bedacht werden?“ Niemand tut dies, Herr Rabinovici. Mit dem Vokabular der Shoah werden nur Aussagen und Perspektiven bedacht, die tatsächlich an das Programm der Nationalsozialisten erinnern, und ein Judäa und Samaria, aus dem jeder einzelne Jude nach dem Willen der Araber vertrieben werden soll, wäre nun einmal ein Gebilde mit einem ähnlich antisemitischen Kern wie das Deutschland von 1938. Und noch einmal ganz grundsätzlich: Warum sollte es denkunmöglich sein, dass es einen Staat Palästina geben könnte, in dem eine jüdische Minderheit mit allen Rechten leben kann, so wie es die arabische Minderheit in Israel tut? Wer das ablehnt oder für unmöglich erklärt, macht sich zumindest der geistigen Komplizenschaft mit rassistischen Politikvarianten schuldig. In Israel leben Rassisten, die schon mal einen Aufruf veröfffentlichen, keine Wohnungen an Araber zu vermieten. Doch nach so einem Aufruf geht ein Schrei der Empörung durch das Land und es hagelt Kritik an den Rassisten auch von Spitzenpolitikern. Die Palästinenserführer aber möchten solcherlei Rassismus zur Staatsräson erheben. Ich denke, der fundamentale Untschied ist erkennbar.

Rabinovici ist dieser Tage nicht der Einzige, der sich in politischer Naivität und Blindheit gegenüber den Fakten im Nahen Osten übt. Das ist eher eine Trendhaltung, und nicht ohne Grund erntet der Autor bei den notorisch antisemitischen und israelfeindlichen Postern der „Standard“-Community fast ausschließlich Beifall. Es geht aber auch richtig durchgeknallt. Micha Brumlik zum Beispiel empfiehlt in der „taz“ indirekt, Israel zu bombardieren: „Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland, ihre Kanzlerin und ihr Außenminister? Sie plappern brav das ewige Mantra vor sich her, dass nur direkte Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern den Frieden bringen können. Wäre es nicht sinnvoll, dieses Mantra auf seine Wahrheit hin zu überprüfen? Gewiss, Vergleiche hinken immer. Hätte man aber in den Nachfolgebürgerkriegen des zerfallenden Jugoslawien immer wieder beteuert, dass nur direkte Gespräche zwischen Serben, Kroaten, Bosniern und Kosovaren Frieden bringen könnten – der Krieg dauerte noch heute an.“ Damit bedient der gelernte Erziehungswissenschaftler eine der Lieblingsfantasien morderner Antisemiten, dass nämlich Israel notfalls auch mit militärischen Mitteln zu seinem Unglück gezwungen werden müsse. Die Israelischen Streitkräfte vergleicht Brumlik mit den Iranischen Revolutionsgarden und behauptet, die IDF würden „im Zweifelsfall ihren Rabinnern eher gehorchen als der politischen Führung“. Was für eine irrwitzige Halluzination! Die IDF, in denen zu dienen sich die Ultraorthodoxen meist weigern, als die Pasdaran Israels darzustellen, dazu braucht es wirklich eine gehörige Portion an Wahrnehmungsstörung! Nicht, dass man jene rechten und nationalreligiösen Kräfte in Israel, die von Frieden nichts wissen wollen und teilweise wirklich wahnhaft völkisch denken und agieren, nicht kritisieren dürfte und sollte, aber doch bitte nicht mit derart seltsamen Assoziationsamokläufen!

Abbas tönte übrigens vor knapp zwei Monaten, er und seine Leute würden „einen jüdischen Staat Israel niemals akzeptieren“ und außerdem weiter auf dem „Rückkehrrecht der Flüchtlinge“ und damit natürlich auf der Zerstörung des jüdischen Charakters Israels beharren. Wovon zeugt das wenn nicht von Desinteresse an Frieden und guter Nachbarschaft?

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7 Gedanken zu “Rabinovici und Brumlik vs Israel

  1. „Die IDF, in denen zu dienen sich die Ultraorthodoxen meist weigern“

    Das liegt daran, dass viele Ultraorthodoxe den Staat Israel überhaupt nicht anerkennen, da gemäß ihrer (umstrittenen) Interpretation der religiösen Texte lediglich der von Gott gesandte Messias einen jüdischen Staat errichten darf.

  2. @lindwurm, bitte schreib doch einen gastkommentar für diesen online-standard!
    oder poste doch zumindest einen link hierher – würde es ja gerne machen, aber von meiner handvoll accounts wird nichts mehr veröffentlicht. ich war nicht ausreichend „israelkritisch“.

    @anonym: ja, und?

  3. Das Existenzrecht Israels ist halt nicht verhandelbar, das begreift der von mir ehemals sehr geschätzte Herr Doron Rabinovici leider nicht.

    Schönste Grüße derweil von der Insel Rügen,

    Klaus Ch. Kufner

  4. „Dies sei eine „Relativierung“
    Was macht dann Rabinowitzi? Er relativiert doch glatt arabisches Recht.

  5. Na, toll,
    so ist das mit der verdrehten Moral: Wie bitte soll man sich denn ein von Israel unabhängiges (arabisches) Palästina vorstellen, in das tagtäglich weitere nationalistisch wahnisinnge Siedler aus Israel eindringen könnten, um sich dann als verfolgte Minderheit auszugeben? Würden sie das unwürdig-heuchlerische Spiel so weit treiben, bis am Ende die israelische Armee als „Schutzmacht“ einmarschieren „müsste“.
    Sicherlich war es unklug, generell auszuschließen, dass „Israelis“ in diesem Staat leben dürften, aber bei der Frage des legalen Grunderwerbs sieht es schon anders aus: Versuchen Sie doch einmal, in Dänemark ein hübsches Grundstück zu kaufen als Deutscher: Sind die Dänen also deutschfeindlich, nur weil sie den Ausverkauf ihres Landes verhinden wollen?

  6. Kennt die geneigte Leserschaft unter Umständen den Internetauftritt des Vizesprechers der Knesset und Vorsitzenden der Organisation „Worldlikud“? Nein, nun, der ist leicht im Netz zu finden. Diese Organisation- geführt von jenem Danny Danon- fordert in ihrem politischen Programm die Annexion weiter Teile des Westjordanlandes – alias „Samaria und Judäa“ durch Israel und hat für die unerwünschte arabische Bevölkerung auch schon eine Lösung parat; nämlich die Umsiedelung, O-Ton „relocation“, nach Jordanien. An den dadurch entstehenden Kosten wolle man sich- also Israel- sogar beteiligen.
    Die ganze absurde Programm fußt auf der Geschichtsklitterung, die Briten hätten den Juden alles Land westlich des Jordan (zurück)gegeben und die Araber hätten schließlich (Trans)jordanien als ihre Heimat zugestanden bekommen.
    Ich kann nur für mich sprechen, aber seit ich mich mit Hilfe des Internet mit der Nahostproblematik befasse, ist mir diese Verdrehung und Verzerrung der Geschichte durch fast jeden Israeli, mit dem ich zu tun bekam, als „Wahrheit“ verkauft worden.
    Auf der Homepage der israelischen Botschaft in Berlin war über Jahre hinweg ein Artikel verlinkt, der das Westjordanland als „umstrittenes“ Land bezeichnet, auf das mehrere Seiten ihre Ansprüche erheben, es aber – so wörtlich- am wenigsten (!) die arabischen Palästinenser tun könnten.
    Unter diesen Umständen bekommt das liebgewonnene Bild der „guten Israelis und bösen Araber“ doch wohl den einen oder anderen Riss.

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