King Abdullah Bin Abdulaziz International Centre

Es gibt viel Kritik am „King Abdullah Bin Abdulaziz International Centre“, dem Zentrum für interreligiösen Dialog, das von Saudi Arabien in Wien gegründet und finanziert wird. Ich aber sage euch: Es ist allemal besser, wenn die „Nutters of God“ (Roy Harper) miteinander reden, statt auf einander zu schießen. „Imagine no religion“, die Utopie von einer mit dem Menschsein ins Reine kommenden Menschheit, können wir uns wohl abschminken, denn die Zahl der bedrängten Kreaturen, die ihr spirituelles Opium wollen, wird nicht kleiner, auch wenn das bei oberflächlicher Betrachtung der Religiositätsentwicklung in manchen europäischen Staaten so aussieht. Nein, es gibt einen überaus vitalen Islam, ein in weiten Teilen der Welt, vor allem auch in den USA, Großbritannien, Russland und Südeuropa (von Lateinamerika und Afrika ganz zu schweigen), fast unvermindert einflussreiches Christentum, mehr Buddhisten und Hindus als je zuvor und einen ganzen Supermarkt voller neuer, wiederentdeckter oder gerade erst erfundener Religionen und Religionsersatzdrogen. Seit es in vielen Staaten als unschick gilt, Juden zu verfolgen und/oder zu ermorden, wächst sogar die Schar der Kinder Mose, wenn auch weniger rasant. Religion ist nicht tot, es kam uns bloß so vor. Ist halt so, trotz Bildung und Informationszeitalter. Was mich wieder an den Anfang dieses kleinen Beitrags zurückbringt: Wenn die bequatschen, wie man in Frieden miteinander auskommen könnte, soll mir das recht sein, auch deshalb, weil es vielleicht ein bisschen Energie, die die Religionen ansonsten darin investieren würden, Agnostikern und Atheisten auf den Sack zu gehen, bindet. Auch wenn die Initiative dazu von einem der furchtbarsten Gottesstaaten kommt und teilweise zu Recht als klerikalfaschistische Charmeoffensive bekrittelt wird, sollte man Dialogangebote nie rundweg ablehnen. Für saudi-arabische Verhältnisse ist so ein Dialog, der ja das Existenzrecht anderer Religionen eingesteht, schon ein Fortschritt. Man wird noch sehen, was im „King Abdullah Bin Abdulaziz International Centre“ besprochen werden wird, und es wird natürlich schon spannend sein zu beobachten, ob sich da bloß ein paar Pfaffen gegenseitig auf die Schulter klopfen und sich dann doch wieder nur in einem einigen, dass nämlich díe Nichtgläubigen verachtenswerter Abschaum seien, oder ob man da wirklich auch ein bisserl Tacheles darüber reden wird, warum zB Juden nicht nach Saudi Arabien reisen dürfen und Christen dort an der Religionsausübung gehindert werden. Dass die Leute in diesem „interreligiösen Dialog“ zu dem Schluss kommen, stets nur Unsinn verbreitet zu haben und dann einen mit einer Entschuldigung für all den blutigen Wahnsinn verbundenen Appell an die Weltbevölkerung veröffentlichen, doch bitte vom Gläubigsein abzusehen, darf man getrost als unwahrscheinlich voraussetzen, ohne damit rechnen zu müssen, von der Realität widerlegt zu werden. Aber wenn das Dialoggequastsche dazu führt, dass man ein wenig netter zueinander ist, wäre schon viel gewonnen.

Advertisements

4 Gedanken zu “King Abdullah Bin Abdulaziz International Centre

  1. „ob sich da bloß ein paar Pfaffen gegenseitig auf die Schulter klopfen und sich dann doch wieder nur in einem einigen, dass nämlich díe Nichtgläubigen verachtenswerter Abschaum seien“

    Genau das!

  2. „Auch wenn die Initiative dazu von einem der furchtbarsten Gottesstaaten kommt und teilweise zu Recht als klerikalfaschistische Charmeoffensive bekrittelt wird, “
    Islamofaschistisch ist vor allem der arme Teil von Saudi Arabien, während in reichen Teilen, wie zum Beispiel Kuwait City so ziemlich alles möglich ist, selbst Nutten und Glückspiel.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s