Occupy your Mum´s ass!

Antisemiten bei der „Occupy“-Bewegung? Das ist keine große Überraschung, ist doch allein schon die Selbstdarstellung dieses Movements als „99 Prozent“ das Eingeständnis, ein Lynchmob sein zu wollen, ein Mob, der sich dann folgerichtig bloß des „bösartigen“ einen Prozents zu entledigen braucht, um paradiesische Zustände ausbrechen zu lassen. Das allein ähnelt bereits der Propaganda der Nazis, die ja ebenfalls den Menschen weismachen wollten, die Entfernung von Minderheiten aus dem „Volkskörper“ wäre die Lösung aller Probleme. Da braucht niemand mehr antisemitische Plakate hochzuhalten, denn eine Kapitalismuskritik, die personalisiert und mit (vermeintlichen) Mehrheiten argumentiert, ist keine. In ihr sind Rassismus, Antisemitismus, Hexenjagd Verschwörungsglauben bereits fest angelegt. Wer die negativen Auswüchse des Kapitalismus als das Wirken einer verschworenen Minderheit, eben des „einen Prozents“ identifizieren zu können glaubt, ist bereits auf einem Holzweg, an dessen Ende KZ oder Gulag stehen. Denkfähige Linke, die die historischen Katastrophen von Nazismus und Stalinismus nicht vergessen haben, werden daher mit Occupy nichts zu tun haben wollen. Eigentlich eine Tragödie, denn Kritik an den Verhältnissen und Protest gegen die steigenden Zumutungen des Kapitalismus, das ist natürlich so wichtig wie schon lange nicht mehr. Aber zumindest ich bleibe lieber ein einsamer linker Demokrat, bevor ich mich mit solch dummen Menschen in ein Boot setze.

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8 Gedanken zu “Occupy your Mum´s ass!

  1. Sogar Abraham Foxman von der ADL sagt, dass antisemitische Verschwörungstheorien nicht repräsentativ sind für die Occupy-Bewegung. Tatsächlich sind das absolute Ausnahmeerscheinungen (bei hinreichend großen Bewegungen versuchen immer irgendwelche Deppen, diese zu „kapern“), und du solltest das Problem mal von der anderen Seite aufrollen: wenn du dir die Bilder von antisemitischen Plakaten oder antisemitische Äußerungen von Personen auf Veranstaltungen der Occupy-Bewegung ansiehst, dann wirst du entdecken, dass ein Großteil der involvierten Menschen „persons of color“ sind, wie man heutzutage sagt. Der beobachtete Antisemitismus ist also weniger ein Problem der Occupy-Bewegung an sich, als viel mehr eine Manifestation des afroamerikanischen Antisemitismus, der IMHO generell noch viel zu wenig im allgemeinen Antisemitismus-Diskurs thematisiert wurde.

    Bedenklich finde ich übrigens, wie du die Botschaften der Occupy-Bewegung entstellst und falsch wiedergibst, um überhaupt irgendeine „Kritik“ anzubringen. Über einfache Polemik geht das schon weit hinaus. Der Occupy-Bewegung geht es nicht darum, sich der „1 %“ zu entledigen, ganz im Gegenteil:

    As critics have noted, the protesters are not in complete agreement with each other, but the overall message is reasonably coherent. They want more and better jobs, more equal distribution of income, less profit (or no profit) for banks, lower compensation for bankers, and more strictures on banks with regard to negotiating consumer services such as mortgages and debit cards. They also want to reduce the influence that corporations—financial firms in particular—wield in politics, and they want a more populist set of government priorities: bailouts for student debtors and mortgage holders, not just for banks.

    (Quelle: http://www.businessweek.com/magazine/occupy-wall-street-its-not-a-hippie-thing-10272011.html)

  2. ganz alleine bist du nicht.
    aber dass „linke“, also sozialpolitische themen von ganz-und-gar-nicht-linken übernommen werden, ist ja auch nichts neues.
    dass die gegenseite das gerne verwendet, um gegen alles (vermeintlich) linke zu hetzen -siehe zb „heplev“- ist auch keine überraschung …

  3. Mmmhhh, ahaha, jajaja. Darum hat es auch ein Kol Nidre gegeben bei der Occupy Bewegung in New York und Sukkat wurde auch begangen. Klar, es gibt ein paar antisemitische Deppen dabei, aber deine Kurzschlüsse stimmen einfach so nicht, sondern führen dich rasch in eine Privatsprache, wo nur mehr Du den Diskursmaßstab definierst. Na gut, jeder haut mal daneben. Ansonst immer sehr schöne Kommentare, die ich als Ex-Österreicher gerne aus den fernen Berlin lese. Zu kol Nidre und OWS > http://glocalist.com/news/kategorie/politik/titel/occupy-wallstreet-und-kol-nidre-an-der-wall-street/

  4. Gibt sogar schon „iranische Solidarität“ mit der Occupy-Bewegung, die förmlich die Gesinnung der Demonstranten zeigt.

  5. Prinzipiell richtig.

    Aber bisher repräsentiert OWS nicht 99%, sondern eher 0,001%. Es handelt sich um 200-300 Multiaktivisten, die es trotz mehrwöchiger positiver Berichterstattung in einer dicht besiedelten >10 Millionen-Metropole nicht geschafft haben, größere Menschenmassen auf die Straße zu bringen.
    Das ist weniger als unibrennt und genauso wie unibrennt lehnen sie effektive Organisation ab. Stalin rotiert im Grabe ob solchem Dilettantismus.

    Die wohlhabenden Bürger New Yorks, ob jüdisch, oder nicht, können also getrost ruhig schlafen.

    Eine Tea-Party von links, die gegen Bailouts eintritt und auf mehr Regulierung pocht, hätte vielleicht Potential. Aber die müsste vor dem weißen Haus kampieren oder vor den Häusern von Politikern, die sich von der Wall Street kaufen ließen. Man müsste, wie die Tea Party, Gegenkandidaten zu Obama und der Wall-Street nahe stehenden Kongressabgeordneten und Senatoren aufstellen, um den Wall-Street-Kollaborateuren in der Politik das Fürchten zu lehren.

  6. „Eine Tea-Party von links,“ Ein Tea-Party von links ist dann also linksextrem und antisemitisch. Bravo, Horst-Dieter.

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