Dunkelgrauer Herbst

Seit Wochen liegt eine Nebelglocke über dem Land und macht alles grau und hässlich. Die Sonne ist zu einer Erinnerung geworden, man kann sich kaum vorstellen, jemals wieder einen blauen Himmel zu sehen. Unter dem Nebel stauen sich Abgase, Depressionen und der dumme Dampf, den Politiker ablassen, zu einem alles erstickenden Smog. Und Ludwig Hirsch hat sich das Leben genommen. Nur zwei Tage, nachdem Georg Kreisler verstorben ist, hat sich Hirsch dazu entschieden, selbstbestimmt aus dem Leben zu scheiden statt darauf zu warten, dass der Krebs sein Zerstörungswerk vollendet. Damit verlässt uns nicht nur eine ganz besonders feine Seele, sie verlässt uns auch noch zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Gerade in diesen Tagen, da jeder Dummkopf gegen die „Gutmenschen“ wettert und damit in Wahrheit zum Ausdruck bringt, dass er seine Schlechtigkeit ohne lästige zivilisatorische Begrenzungen ausleben möchte, bräuchten wir den Poeten und wahrhaft guten Menschen Ludwig Hirsch, bräuchten wir diese Stimme, um einen Kontrapunkt zu dem immer lauter werdenden Geschwalle und Gelalle der Blöden und Bösartigen zu haben. Das wäre aber selbstsüchtig gedacht. Schließlich hat sich Hirsch befreit von allen Eindrücken, von den guten, aber vor allem aber auch von den schlechten. Er muss nicht mehr länger miterleben, wie die Gesellschaften Europas unter der Zuchtrute der Krise rapide verrohen, wie sich die Menschen in ihrer Not an Ideologien des Hasses festklammern, wie alles den Bach runtergeht wofür fortschrittliche Humanisten seit Jahrzehnten gekämpft haben. Ich weiß nicht, ob Ludwig Hirsch nun, wie er es in einem seiner Lieder geträumt hat, in einer schöneren Welt angekommen ist und hoch erfreut „das gibt´s net“ ruft, aber die Tatsache, dass Hirsch und Kreisler tot sind, während sich Gottfried Küssel guter Gesundheit erfreut, ist ein starker Hinweis darauf, dass es vielleicht ein Jenseits, aber vermutlich keinen Gott und sicher keinen gerechten Gott gibt. Es ist so ein trauriger, kalter, dunkler Herbst…

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