Leckt´s mich am Tripple-A!

Ich verstehe die Aufregung wegen der Herabstufung Österreichs und weiterer acht Euroländer durch die Ratingagentur „Standard And Poor´s“ nicht ganz. Dass fast alle außer Deutschland ihr drittes „A“ verloren haben, spiegelt doch die europäische Realität ganz gut wider: Deutschland geht es immer besser, fast allen anderen europäischen Staaten immer schlechter. Und Österreich hat sich in Osteuropa tatsächlich schwer verzockt. Wer einst davor gewarnt hatte, dass es ein nicht kalkulierbares Risiko wäre, wenn österreichische Banken in Ländern mit ungewisser Wachstumsaussicht und semikriminellen Strukturen mit Krediten nur so um sich werfen, wurde als konservativer Miesepeter ausgelacht, der nicht wahrhaben wollte, dass die smarten Banker einen Goldesel gefunden hätten. Obwohl jeder, der es wissen wollte, wissen konnte, wie diese tollen Hechte der österreichischen Finanzwirtschaft in (Süd)Osteuropa überwiegend höchst spekulativ Geld verliehen und nach dem Motto „legal, illegal, scheißegal“ auch an Kriminelle aller Art ganze Wagenladungen Kohle verteilten. Das reichte vom Kredit für Einfamilienhäuser, der allein mit dem angenommenen Wert der hoffentlich entstehenden Immobilie „besichert“ wurde, bis hin zur direkten Finanzierung von Verbrechern, die bloß zu den Ösis sagen brauchten: „Ich möchte einen Yachthafen bauen, das wird ein total tolles Geschäft“, um daraufhin mit einem Geldkoffer in der Hand aus der Bank zu spazieren. Wer wäre da so altmodisch gewesen und hätte nach echten Sicherheiten gefragt? Österreichs Banker und Österreichs großartige Politiker gingen einfach davon aus, dass sich Werte wundersam und dauerhaft vermehren würden und Geschäfte stets für alle Beteiligten ein Gewinn sein müssten. Was eine Blase ist, konnten diese großen Wirtschaftsexperten nicht wissen. Blasen, so dachten sie, bekommt man an den Füßen.

Und jetzt haben sie Milliardenaushaftungen, die sie wohl abschreiben werden müssen, diese Möchtegerns, und dafür gerade stehen müssen natürlich die österreichischen Bürger. Kein einziger dieser Geld-beim-Fenster-Hinauswerfer muss sich vor Gericht verantworten, nein, das wird nicht einmal gefordert. Ist eh ganz legal und normal, trotz aller Warnungen und Warnsignale Milliarden zu versenken und sich dann von den Steuerzahlerinnen retten zu lassen. Muss halt das Volk ein bisserl „sparen“, müssen wir halt den Armen und Kranken auf die Zehen treten, müssen wir halt alle ein bisserl ärmer werden, behaupten wir Bankmenschen halt einfach, die Leute hätten über ihre Verhältnisse gelebt statt zuzugeben, dass wir Mist gebaut haben.

Währenddessen zeigen die hoch geschätzten Banken anhand des Versuchsobjekts Griechenland, was auf den Rest Europas zukommen wird. Der internationale Bankenverband strebt dort nämlich nicht weniger an, als die de facto Abschaffung der griechischen Souveränität. Ja leckt´s mich doch am Tripple-A! Wenn es so weiter geht, wird Europa bald wieder brennen.

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2 Gedanken zu “Leckt´s mich am Tripple-A!

  1. Wer einst davor gewarnt hatte, dass es ein nicht kalkulierbares Risiko wäre, wenn österreichische Banken in Ländern mit ungewisser Wachstumsaussicht und semikriminellen Strukturen mit Krediten nur so um sich werfen, wurde als konservativer Miesepeter ausgelacht….
    Wer hat davor gewarnt? Ernstgemeinte Frage.

    Paul Krugman äußerte sich dazu im April 2009:
    http://krugman.blogs.nytimes.com/2009/04/15/austria/
    Da waren die Kredite aber schon vergeben.

    Laut S&P besteht das Problem für die Bonität Österreichs ja nicht unmittelbar in den potentiellen Abschreibungen österreichischer Banken, sondern darin, dass die Republik Österreich diese Verluste erwartungsgemäß sozialisieren wird.

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