Rücktritt auf Kärntnerisch

Kärntens ÖVP-Chef Josef Martinz legt seine Regierungsämter zurück. „Vorrübergehend“. Bis zum von ihm erhofften Persilschein durch die Justiz. ÖVP-Obmann bleibt er, denn: „Wen interessiert die Partei eigentlich?  Den Bürger interessiert, dass saubere Politiker ordentlich handeln.“

Martinz hat nichts verstanden. Es geht nicht darum, ob er gerichtlich verurteilt wird oder nicht, es geht darum, dass er seinem persönlichen Freund und Steuerberater sechs Millionen Euro für ein paar Blätter bekritzeltes Papier zugeschanzt hat (ursprünglich hätten es sogar zwölf Milllionen sein sollen).  Es ist völlig egal, ob das ein Gericht für strafwürdig hält oder nicht, wer solches tut, hat in der Politik nichts mehr verloren und müsste sich sofort ins Privatleben zurückziehen. Dasselbe gilt auch für Politiker, die am Telefon Staatsbürgerschaften gegen Bargeld in Aussicht stellen. So wäre das in einer Demokratie, die ihren Namen verdient, so würden Politiker handeln, die tatsächlich „sauber und ordentlich“ sind. Die würden nicht „auf Zeit“ zurücktreten, sie würden gehen, endgültig. Und nicht erst nach Jahren und etlichen Strafanzeigen, sondern sobald die Sache ruchbar wird.

Doch die politische Kultur rottet vor sich hin, von Palermo bis Berlin und mit Kärnten mittendrin.

Ach ja, Herr Martinz, zu ihrer Frage, wen denn eigentlich die Partei interessiere: Die ÖVP-Mitglieder und -Wähler vielleicht? Und möglicherweise auch Menschen, die zwar nie die ÖVP wählen würden, die aber deren Stellenwert in der österreichischen Demokratie respektieren? Generell Leute, die eine Mehrparteienlandschaft schätzen? Okay, ich weiß schon, dass sie, Herr Martinz, durch das Kungeln mit den Moralexperten der Freiheitlichen völlig verdorben sind und es ihnen nichts ausmachte, würde die ÖVP mangels Wählerinteresse aufgelöst werden, solange sie persönlich gut versorgt sind. Es soll aber noch Kärntner geben, die Politik nicht als Netzwerk ideologiefreier Karrieristen verstehen, sondern als Wettbewerb der Konzepte und Weltanschauungen.

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Ein Gedanke zu “Rücktritt auf Kärntnerisch

  1. Politiker, die sauber und ordentlich sind, würden keine Staatsbürgerschaften am Telefon verschachern und Freunden keine Millionen für bekritzeltes Papier zukommen lassen, also kämen sie auch nicht in die Verlegenheit, zurücktreten zu müssen.

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