Zeit für den Aufstand

Europas „Soziale Marktwirtschaft“ a la Merkel zeigt seine asoziale Fratze. In Griechenland können sich immer mehr Menschen ihre Kinder nicht mehr leisten und geben diese daher an Waisenhäuser ab. Italiens eingesetzter Ministerpräsident Monti verplappert sich im Fernsehen und versucht zynisch, all den Arbeitslosen und prekär Beschäftigten ihre Lage als „spannend“ zu verkaufen. Und in Österreich kündigt ein sichtlich stolzer Vizekanzler an, er habe „richtige Hämmer“ gegen die Armen, Alten und Kranken in Anschlag gebracht. ÖVP-Chef Spindelegger: „Entscheidend war, dass die SPÖ zugestanden hat, dass die Frühpension von heute de facto Geschichte ist. Das ist der große Struktur-Effekt, mit dem wir das Sparpaket abschließen können. Alle Schlupflöcher werden geschlossen: Keine Invaliditätspension mehr vor 50; Anheben bei der Korridorpension und der Hacklerregelung von 62 auf 63 Jahre. Diese und andere Maßnahmen bewirken, dass das Antrittsalter steigt. Ich erwarte, dass bis 2016 das Antrittsalter 1,5 Jahre steigt und bis 2020 noch einmal um 2,5 Jahre. (…) Ich bin zuversichtlich, dass der überwiegende Teil bei den Ausgaben liegt. Der Löwenanteil bei den Milliarden liegt bei den Pensionen. Da sparen wir bis 2016 schon 7,8 Milliarden – und dann greift es erst so richtig. (…) Mein Nein zur Erbschaftssteuer steht. Ich sehe nicht ein dass wir Eigentum dermaßen besteuern. Das ist eine Grundsatzfrage. Klar ist: Alle müssen einen Beitrag leisten, auch die Spitzenverdiener.“

Von der SPÖ kamen nach diesen ungeheuerlichen Ansagen nur laue Kalmierungsversuche. Kanzler Werner Faymann  ließ verlauten, dass Pensionen unter 1.000 Euro nicht gekürzt würden (alle anderen also doch?) und… ja, sonst hatte der Sozialdemokrat nicht viel zu sagen, außer, dass der Regierungspartner während den Verhandlungen gefälligst nach außen hin die Pappen halten solle. Der wahre „Hammer“, nämlich die Abschaffung der Invaliditätspension für Menschen unter 50, wird genau so kommen, da hat die SPÖ gar nichts dagegen. Wie auch, wurde diese grandiose Idee doch von den „Sozialpartnern“, also von Gewerkschaft, Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung gemeinsam ausgebrütet.

Nicht nur Jesus kann Wunder wirken, auch die österreichischen Politiker und „Interessensvertretungen“, die können nämlich per Regierungsbeschluss unter-50-jährige Invalide wundersam gesunden lassen. Wer sich jetzt fragt, weshalb die Gewerkschaften solcherlei nicht etwa mit Protesten und Streiks bekämpfen, sondern sich das sogar selber ausdenken, der weiß nichts von der Tellerrandmentalität dieser Leute, und auch nichts davon, wie sehr Gewerkschaften, Kammern, Pensionsversicherungen und Arbeitsmarktservice (und daran angehängte „Schulungseinrichtungen) personell kommunizierende Gefäße sind. Wenn man also Leuten die Invaliditätsrente aberkennt und sie stattdessen zum Arbeitsamt schickt, welches sie dann jahrelang in nutzlose Kurse steckt, gewinnt diese Kaste an Sozialverwaltern an Einfluss und sichert sich selbst ihre Jobs. Und: Invalide haben keine Lobby, da Gewerkschaften und Arbeiterkammer sich für Menschen, die nicht arbeiten können, nicht die Bohne interessieren. Kranke zahlen keinen Gewerkschaftsbeitrag und keine Kammerumlage, also sind sie in den Augen dieser Organisationen unwichtig.

Dass ÖVP, FPÖ und BZÖ gegen die Ivaliditätspension sind, ist nur folgerichtig, denn diese Parteien sehen in Menschen bloß wandelnde Kosten-Nutzen-Rechnungen, und Kranke rentieren sich nun einmal nicht. Die Rechten wissen auch, dass sich das Volk mit geschickt geschürtem Neid leicht aufhetzen lässt gegen Schwächere, die es sich angeblich in der Invaliditätspension gemütlich machen, während alle anderen arbeiten gehen müssen. Und so wird diese unfassbare Schande, dieses skrupellose Losgehen auf die Schwächsten unserer Gesellschaft auf wenig Widerstand stoßen. Die Menschenverachtung, die der Idee, Kranke dem Arbeitsmarkt auszusetzen, innewohnt, ist ein Symptom der zunehmenden Verrohung unserer Gesellschaft, in der längst überwunden geglaubte Ideen wie jene, dass „unnütze Esser“ eigentlich „weg“ gehörten, wieder um sich greifen. Tatsächlich muss der psychische Druck, den seelisch Kranke, die die derzeitigen politischen Diskussionen mitverfolgen empfinden, immens sein. Sollte man diesen Menschen das bisschen Sicherheit, dass ihnen die Invaliditätsrente gewährte, nehmen, ist mit steigenden Selbstmordraten und anderen Verzweiflungstaten ebenso zu rechnen wie mit neuen Heerscharen an Obdachlosen und Bettlern.

Unterdessen sollen nach den Vorstellungen von SPÖ, ÖVP, FPÖ und BZÖ die Vermögenden, die Großgrundbesitzer, die Erben und Stiftungsbegünstigten alle ungeschoren bleiben. Auch ist nicht daran gedacht, dieses Monster von Verwaltung, das sich das kleine Österreich leistet, zu verkleinern. Im Gegenteil, wie oben ausgeführt, soll zB die Sozialverwaltung noch weiter aufgebläht werden. Wir sehen: Die Armen und Kranken, die Bezieher niedriger und mittlerer Einkommen, sie alle stehen derzeit ohne politische Vertretung da, so dass man sie ausrauben kann auf dass nur ja kein Aktionär der lieben Banken zur Kasse gebeten werden muss.

Gibt es mit dieser herrschenden Klasse noch etwas zu bereden? Ich denke nicht. Es wird Zeit für einen Aufstand!

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7 Gedanken zu “Zeit für den Aufstand

  1. was Monti betrifft.

    der in Italien völlig überschießende Kündigungsschutz hilft den „Präker Beschäftigten“ kein bisschen.

    im Gegenteil. Er bringt die Arbeitgeber dazu, Leute möglichst nicht normal, sondern eben „präker“ einzustellellen.

    einen ähnlichen Effekt erzielt unser Behinderteneinstellungsgesetz, welches viele Arbeitgeber davon abhält, Behinderte neu einzustellen.

    für den schon Angestellten ist ein Kündigungsschutz, der unserer Beamten-Pragmatisierung gleichkommt, zwar toll, für die Gesamtheit der Bevölkerung stellt er jedoch einen Nachteil dar:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2011/11/08/die-al-italia-klasse/

  2. Schön, dass Du den sozialistischen Apparat so treffend beschreibst. Überhaupt gelungener Beitrag.

    NUR: Zu einem Aufstand zu rufen ist aus zwei Gründen verlorene Liebesmüh`:

    Erstens: Wir sind Österreicher…….;-)
    Zweitens: Wenn das Geld erstmal alle ist, werden sich alle wünschen, der „Aufstand“ möge vorübergehen…..

    und darum sollte man die Kuh, welche die Milch gibt, auch nicht schlachten.
    Denn schlachten kann man sie nur einmal. So long

  3. Grundeinkommen für alle und diesen aufgeblähten, überflüssigen, sich bloß selbst verwaltenden apparat ams ersatzlos streichen. kommt me billiger als das jetzige system.

  4. Sparpaket .. alle höher gestellten nur noch 3000 Euro Pension……
    keine DoppelPensionen von Reichen ——
    Wieso fängt man da nicht an …………….
    Lieber Vertreter der Pensionisten legen sie diesen Vorschlag mal auf den Tisch…… auch wenn es sie selber betrifft zeigen sie Größe….

    Wir das Volk schreien nach Gerechtigkeit……….

  5. Der Boden-und Geldadel, die Mächtigen und Reichen, konnten noch nie durch einen Aufstand zu normalen arbeitstätigen Bürgern bekehrt werden. Selbst dann nicht, wenn sie solchen Aufständen sogar selbst finanzielle Hilfen gaben.
    Denken wir nur an LENIN z. B.
    Wenn es darauf ankommt, finanzieren sie jeden Aufstand mit falschen
    Wirtschaftskonzepten, die als einzig wahre angepriesen und sogar ausgezeichnet werden.

    Das könnte erklären, warum die Freiwirtschaftslehre mit ihren Reformen Freiland und Freigeld von den genannten noch niemals gefördert worden ist.
    Obwohl die Freiwirtschaft ein friedliches Umsetzungskonzept hat:
    Rückführung durch Rückkauf sämtlichen Grundeigentums, gleich welcher Art, in den meistbietungspachtrechtlichen Besitz und allmähliche Auszahlung sämtlicher Pachtzinsflüsse an die Mütter nach Zahl ihrer Kinder.
    Und zwar Rückkauf mit auf – Freigeld – lautenden Schuldverschreibungen, einem Schwundsatz behafteten Geld, mit welchem der Großhandelszins auf 0% gesteuert und gehalten werden kann.
    Tilgung und Verzinsung der Freilandschuldverschreibungen mit den Pachtzinsen.
    Infolge des mit dem Freigeld verbundenen Abbaues des Zinsfußes ganz allgemein für das Geld- und Industriekapital auf 0% erfolgt die Tilgung der Schuldverschreibungen in weniger ird als 20 Jahren.
    Alsdann können die Pachtzinsen vollständig den Kindern und ihren Müttern zugeleitet werden.
    Mit den genannten Reformen wird jegliches arbeitslose Einkommen allmählich und konsequent endgültig abgebaut und ebenso der Staat, der zur Einziehung arbeitsloser Einkommen im hauptsächlichen und wesentlichen angestellt ist.
    Das in aller Kürze.
    In der Hoffnung, dass diese Reformen noch rechtzeitig umgesetzt werden
    Silke Petratsch

    Mit

  6. Im Prinzip kann ein Aufstand nur dann zum Erfolg führen, wenn er ohne jede Sachgüterzerstörungen stattfindet.
    Denn mit Sachgutzerstörung wird letztlich wieder die Geldleihe für den Wiederaufbau mit Zinseszins bedient, nämlich das “ arbeitslose Einkommen „.
    Schon vor 3000 Jahren wusste man, dass die Voraussetzung für die Verzinsung von Geld die Verarmung war. Wie heißt es doch nachweislich: “ Verarmt dein Mitmensch, so sollst du ihm Geld nicht gegen Zins ausleihen.“
    Mit Sachgüterzerstörungen wird die Verarmung stets regeneriert und damit der Zins. Was die Bombardierung ganze Städte erklären kann.
    Aber auch mit Steuern wird Verarmung bezweckt, indem man immer mehr schwachsinnige Arbeitsstellen für Politiker und Staatsangestellte schafft auf Kosten der produktiven Arbeiter.
    So erklärt sich, dass Steuererleichterungen erhält, wer sich verschuldet und dem Kapitalertragswirtschaftswesen darüber hinaus den notwendigen Steuer-, Zoll- und Zinssklaven – Nachwuchs liefert.
    Je weniger der einzelne im Volke sich verschuldet, um so mehr macht es der Staat für ihn, wofür er ihm dann umso mehr Steuern abnehmen muss.
    Elend und Hunger erklären sich mit absichtlichen Verarmungsmaßnahmen, zu welchen insbesondere und grundsätzlich auch Rüstung und Bürger- und Völkerkriegemit Sachgüterzerstörungen zählen.
    Von wegen zum Wohle des Volkes.
    Gruß Gabriele Witzek

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