Ficken und Autofahren

Sex ist auch so eine Sache. Eines der kuriosesten Dinge in diesem Zusammenhang ist der gegenderte Blick auf die Prostitution. Männer, die in die Ukraine oder ein anderes Niedriglohnsexland fahren, um billig zu einem Fick zu kommen, nennt man mindestens Säue und die Frauen, die sich ihnen verkaufen, Nutten. Damen aber, die sich zwischen Bibiano und Kenia um wenig Geld einen Stecher anlachen, die sind in entsprechenden Reportagen keine Schweine, sondern „einsam“, meist sogar „abenteuerlustig“, und deren Nutten heißen „Lover“ oder „Loverboys“. Hier Verachtung und Hohn, dort Verständnis und augenzwinkerndes Komplizentum. Dabei ist beides nur Triebbefriedigung gegen Bargeld. Und ich verurteile weder männliche, noch weibliche Freier, solange deren Lustobjekte nicht minderjährig sind. Ein ökonomisches Gefälle hat schon immer bewirkt und wird auch immer bewirken, dass die Ärmeren ihre Sexualität zu Markte  tragen, und da keine ökonomische Vormachtstellung dauerhaft ist, wird vielleicht die EU in gar nicht so ferner Zeit das Sextourismusziel Nummer 1 für reiche Chinesen und Russen sein? Hängt allein von der wirtschaftlichen Entwicklung ab und nicht von Gesetzen oder guten Vorsätzen. Oder glaubt jemand ernsthaft, zB in Schweden würde weniger gegen Bezahlung gepimpert, bloß weil das kriminalisiert wurde? Nein, in Schweden wird mittlerweile bloß mehr erpresst und vergewaltigt. Well done, feminists!

Und dann Autofahren! Woran mag es liegen, dass Leute, die an ihren Rückspiegeln Rosenkränze baumeln haben oder einen Jesusfischaufkleber am Heck, ausnahmslos in dreckigen alten Kisten – man könnte auch freundlich von „Youngtimern“ sprechen – unterwegs sind und vom Straßenverkehr immer heillos überfordert scheinen? Liegt ersteres daran, dass die Kirchen ihre Mitarbeiter lausig entlohnen? Und zweiteres an einer schon gefährlichen Portion Gottvertrauen? Sind Christen, die das Bedürfnis haben, sich mittels öffentlich zur Schau gestellter Symbole zu bekennen, tendenziell ärmer als Taufscheinchristen, Agnostiker oder Muslime? Sind sie vielleicht auch ein bisserl langsam im Kopf und daher auch nicht sehr reaktionsstark beim Autofahren? Oder ruhen die bloß zufrieden mit Gott und der Welt in sich selbst und cruisen daher langsam und oft genug die Straßenverkehrsordnung verachtend durch die Gegend, Unfälle nicht aktiv scheuend, da Gott schon aufpassen wird und das Schlimmste, was ihnen widerfahren kann, das Paradies ist? Das alles wüsste ich gern, wenn ich mal wieder hinter einem dieser Autochristen fahre und extra viel Sicherheitsabstand einhalte, sobald ich Rosenkranz oder Fischaufkleber erspähe.

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Ein Gedanke zu “Ficken und Autofahren

  1. Als regelmäßiger Leser Ihres Blogs und bekennender Christ möchte ich mich für die zweifelhaften Fahrkünste manch anderer Christen stellvertretend entschuldigen. Selbstverständlich wird dies nichts an den dem Verkehrsverhalten mancher unbegabten Autofahrer ändern können.

    Trotzdem muss ich an dieser Stelle hervorheben, mit welcher besonderen Strenge das Fahrverhalten von Autofahrern mit Fischaufklebern beobachtet wird. Es besteht die gewisse Erwartung, dass sich Christen für bessere Menschen halten und sich auch dementsprechend besser in allen Lebensbereichen benehmen. Aus diesem Grund trage ich keinen Fischaufkleber am Auto – auch wenn ich mir meines guten Fahrverhaltens bewusst bin – ich habe es einfach satt, solche Maßstäbe aufgezwungen zu bekommen.
    Außerdem soll man mir meinen Glauben nicht an Oberflächlichkeiten wie Autoaufkleber oder Kreuzhalsbänder ansehen, sondern vielmehr an meinem Charakter und Lebensstil.

    Ich hoffe, dass Sie in Zukunft auch mal gute Erfahrungen mit „Autochristen“ machen können und dass Ihre lokalen Kirchen und Freikirchen vielleicht mal Nachhilfe-Fahrstunden für ihre Gläubigen organisieren!

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