Wahhabismus bekämpfen

Eine Empfehlung: Muhammad Sameer Murtaza schreibt auf islam.de Interessantes und Wichtiges über Wahhabismus, Terrorismus und Antisemitismus.

Auszüge:

Das Verhältnis zum Judentum begann sich erst ab dem 19. Jahrhundert zu verändern. Auf muslimischer Seite verlor man das Bewusstsein für eine Unterscheidung zwischen dem eigenen Wahrheitsanspruch und der Existenz mehrerer Heilswege als Ausdruck von Gottes Barmherzigkeit. Damit verbunden fielen die Muslime hinter die islamische Toleranzkonzeption des Mittelalters zurück, statt sie notwendigerweise weiterzuentwickeln.   Einen wesentlichen Anteil hieran hatten der schwellende Palästinakonflikt und die Begegnung der Araber mit dem europäischen Antisemitismus. Es waren arabische Christen, die als Erstes europäische antisemitische Traktate ins Arabische übersetzten. Das erste Werk dieser Art erschien 1869 in Beirut, das die angeblichen Bekenntnisse eines zum Christentum konvertierten Rabbiners über die Grausamkeiten der jüdischen Religion beinhaltete. Die erste Übersetzung der Protokolle der Weisen von Zion wurde am 15. Januar 1926 in der Zeitschrift Raqib Sahyun (Beobachter Zions)veröffentlicht, die in Jerusalem von der römisch-katholischen Gemeinde herausgegeben wurde. Eine weitere Übersetzung aus dem Französischen, erneut angefertigt von einem arabischen Christen, erschien etwa zwei Jahre später in Buchform in Kairo. Eine Übersetzung aus dem Englischen, erstmals aus muslimischer Feder, erfolgte dann 1951. Bald schon stand dem arabischen Leser eine Flut antisemitischer Lektüre zur Verfügung, die ausnahmslos christlichen, europäischen und amerikanischen Ursprungs war. In dieser ersten Phase wurden antisemitische Anklagen – allerdings unter Ausschluss des Rassengedankens – einfach wiederholt. Die Muslime wurden mit dem Bild des Juden als Freimaurer, als Großkapitalist, als Kommunist, als Umstürzler und als Verschwörer mit dem Ziel der Weltherrschaft vertraut gemacht.   Dann, in der zweiten Phase, wurden diese Vorstellungen verinnerlicht, assimiliert und islamisiert. Dieser islamisch verbrämte Antisemitismus zieht sich durch die meisten Werke des Muslimbruders Sayyid Qutb und erhält durch seine sechsbändige Exegese des Qur’an fi zilal al-Qur’an (Im Schatten des Qur’an)  eine „heilige“ Legitimation. Nach Qutb beginnt die Feindschaft zwischen Juden und Muslimen mit ihrer Auflehnung gegen den Prophet Muhammad in Medina. Seit die Juden militärisch geschlagen wurden, würden sie sich ununterbrochen bemühen aus dem Schatten heraus mit ihren Eigenschaften der List und der Verschlagenheit den Islam zu zerstören. So stände hinter den christlichen Kreuzzügen, die mit dem europäischen Kolonialismus ihre Fortsetzung fänden, und dem Kommunismus, der nach Qutb eine jüdische Erfindung ist, das Weltjudentum. Ziel der Juden sei die Weltherrschaft, an deren Ende nur das Judentum selber überleben soll. Der Kampf gegen die Juden sei daher zum Wohle der gesamten Menschheit. Dieser verbrämte islamische Antisemitismus muss von Muslimen auf das Schärfste bekämpft werden. Unverständlich ist, dass Moscheen immer noch die Hass geschwängerten Werke Qutbs in den Bücherregalen stehen haben oder diese auf Büchertischen zum Verkauf angeboten werden. (…)

Wir Muslime können uns einen islamischen Idealismus der Geschwisterlichkeit nicht mehr erlauben, sondern müssen theologisch klar und deutlich den Wahhabismus und seine Vertreter in seine Schranken verweisen, indem wir a. Wahhabismus und Al-Qaida und b. den verbrämten islamischen Antisemitismus dekonstruieren. Ich erinnere an dieser Stelle an das Schweigen der Muslime Land auf, Land ab, als der wahhabitische Prediger Pierre Vogel 2011 zu einem Totengebet für Osama bin Laden aufrief und die muslimische Community dem theologisch nichts entgegenzubringen hatte. Gerade das wahhabitische Netzwerk um Vogel und Co. führt zu einer Entzweiung der muslimischen Community und trägt seinen Teil zu einer Radikalisierung junger Muslime bei. Auch wenn sich die Wahhabiten in Deutschland von Gewalt distanzieren, so ist doch ihre spirituelle Finsternis ein Durchlauferhitzer für ein Islamverständnis, dessen Zentrum die Verachtung der menschlichen Würde und des menschlichen Lebens ist.  Wir alle tragen Verantwortung dafür, dass der Wahhabismus sich nicht weiter in unseren Gemeinden verbreitet. Wir täten gut daran, ihn wieder als das zu betrachten, was er ist, eine Sekte. 

 

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6 Gedanken zu “Wahhabismus bekämpfen

  1. Schaut euch mal folgenden Radikalen an, also ich krieg ehrlich Angst:

    Und den wollen bereits 28 % der Wähler? Ist was im Trinkwasser?

  2. Finde ich auch sehr interessant. Wenn man dem braunen Pöbel zuhört, denkt man ja nicht, dass so etwas überhaupt möglich wäre…

  3. ÖVP-Chef Michael Spindelegger hat ja gerade erst vor ein paar Monaten in Wien den Bau des wahabitischen „Zentrums für interreligiösen Dialog“ finanziert vom saudischen König, abgesegnet. Das „Dialog“ bzw. gar Toleranz in Saudi-Arabien ein Fremdwort ist, wird natürlich verschwiegen.

    http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/2853419/umstrittenes-interreligioeses-dialogzentrum-wien.story

    Selbst die Grünen üben Kritik:

    http://www.gruene.at/menschenrechte/artikel/lesen/75883/

    Völlig absurd oder nicht!?

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