Israelisches PR-Desaster

Jetzt wird es lächerlich. Das „Gedicht“ von Günter Grass habe ich in diesem Blog aus gutem Grund antisemitisch genannt. Das dürfte Grass zwar egal sein, doch dass ihm für sein Machwerk seitens der intellektuellen und politischen Klasse eine fast einhellige Ablehnung entgegenschlug und er fast ausschließlich von Nazis und anderen Antisemiten dafür gelobt wurde, sollte Strafe genug sein. Das Einreiseverbot, das Israel gegen ihn verhängt hat, ist ebenso idiotisch wie die Forderung des israelischen Innenministers, man möge Grass den Literaturnobelpreis aberkennen. Das sind absurde Überreaktionen, die dem publicitysüchtigen Dichter einen Stellenwert einräumen, den dieser einfach nicht hat. Grass hat eine Meinung veröffentlicht, die man mit guten Argumenten als falsch, ja als an antisemitisch bezeichnen kann, doch er hat nichts anderes gesagt als das, was diversen Umfragen zufolge rund 60 Prozent der Europäer denken und immer wieder auch öffentlich kundtun. Soll man denen auch allen ein Einreiseverbot erteilen, damit sie auch ja nie in die Verlegenheit kommen könnten, mal vor Ort ihre Vorurteile auf deren Realitätsgehalt zu checken? Jedenfalls werden sich nun jene, die „israelkritisch“ bis zum offenen Hass sind, bestätigt fühlen und bei jeder sich bietenden Gelegenheit sagen: „Ja, so sind sie, die Israelis, so reagieren die auf Kritik“. Verstünde die israelische Regierung etwas von PR, dann hätten sie den Grass eingeladen, mal eine Woche in Sderot zu verbringen, um am eigenen Leib zu spüren, warum man die Drohungen, die die Feinde Israels ausstoßen, ernst nehmen muss und weshalb Israel eine starke Armee und ein echtes Abschreckungspotential braucht. Stattdessen aber erleben wir ein weiteres israelisches PR-Desaster.

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4 Gedanken zu “Israelisches PR-Desaster

  1. Ja, sicherlich, aber wieso sollte man im israelischen Innenministerium cleverer sein als zB in unserem?

  2. Leute mit einem deutlichen Standpunkt bekommen es eben manchmal mit Leuten zu tun, die auch einen deutlichen Standpunkt vehement vertreten – und bisweilen ohne einen Millimeter beweglich zu sein. Das führt zwar in der Debatte zu keiner Lösung, doch in diesem Fall gibt es sowieso keine Lösung. Da andere ihren Standpunkt haben, kann auch die israelische Regierung ihren Standpunkt jedem deutlich machen. Das gilt zwar schnell als radikal, doch da die Debatte um den Nahostkonflikt sowieso ganz speziell ist, ist es vielleicht sogar die richtige Antwort.

  3. Einserseits ist das Einreiseverbot ist natürlich idiotisch. Denn selbst wenn er kommen würde, würde man ihn nicht willlkommen heißen. So fühlt er sich in seiner Sichtweise als das Opfer auch noch bestätigt.
    Andererseits hat Israel das Recht jemanden nicht willkommen zu heißen.
    Grass hat bei seinen früheren Einreisen eh gelogen, indem er seine Waffen-SS-Vergangenheit verschwieg, daher würde es allein schon deswegen zu Problemen kommen (er ist ja vor 1928 geboren), denn ich bin sicher, dass man ihn vor der Affäre auch kein Visum gegegen hätte.

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