Europa zeigt die Rote Karte

Das Schönste an den französischen Präsidentschaftswahlen und den griechischen Parlamentswahlen ist ja die Erkenntnis, dass nicht in ganz Europa Deutsche wohnen, die sich widerstandslos, nein, begeistert zustimmend noch das letzte Gramm Butter vom Brot klauen lassen würden, solange es nur ihrem Chef gut geht. Aber ich tue jetzt wohl den Deutschen Unrecht, denn auch die wählen ja seit zwei Jahren fast jede schwarz-gelbe Landesregierung ab und zeigen damit schon auch, dass sie von Merkel nicht ganz so begeistert sind, wie es manch neoliberaler Lautsprecher gerne hätte.  Der neue französische Präsident Francois Hollande hat übrigens völlig recht wenn er sagt, dass „ganz Europa“ einen Politikwechsel ersehne – solange man unter „ganz Europa“ die überwältigende Mehrheit jener Menschen, die weniger als 200.000 Euro auf der Bank liegen haben, versteht. Denen geht nämlich nicht Austerität über alles, die fürchten sich auch nicht davor, dass ihr nicht vorhandenes Vermögen durch eine etwas höhere Inflation schrumpfen könnte, nein, die hätten gerne Arbeit und Einkommen und medizinische Versorgung und soziale Sicherheit. Nix Luxuriöses also angesichts dieses unglaublich reichen Kontinents, aber halt doch lauter Sachen, die Merkel & Co den Leuten gerne wegnehmen würden. Damit ein paar Leute noch reicher werden. Und genau dieser Politik, die brutal die Interessen weniger Superreicher und einer Hand voll Konzernen durchzusetzen versucht, wurde am Sonntag die Rote Karte gezeigt. Europa will so nicht mehr weitermachen. Nehmt das zur Kenntnis oder bereitet euch darauf vor, abgewählt zu werden!

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8 Gedanken zu “Europa zeigt die Rote Karte

  1. „Mehrheit jener Menschen, die weniger als 200.000 Euro auf der Bank liegen haben, versteht. Denen geht nämlich nicht Austerität über alles, die fürchten sich auch nicht davor, dass ihr nicht vorhandenes Vermögen durch eine etwas höhere Inflation schrumpfen könnte“
    Naja, gerade die dürften sich bedanken, wenn ihr Realverdienst dank Inflation immer weiter schrumpft. Du hast das Talent, Dinge schön polemisch zuzuspitzen, aber triffst nicht immer ins Schwarze.

  2. Das in Deutschland schwarz-gelbe Landesregierungen abgewählt werden, liegt nicht umbedingt an Merkel, sondern an der Schwäche der FDP.
    Und die tritt nicht gerade als Sparmeister auf, einer der Gründe warum sich die Wähler von ihr abwenden.
    Denn die große Steuerreform mit der die FDP in den Wahlkampf gezogen ist blieb aus. Das einzige was umgesetzt wurde war das Absenken des Mehrwertsteuersatzes im Gastgewerbe, einer Forderung der Gewerkschaft NGG und der Hotelbesitzer die sich über die subventionierten Übernachtungs-Preise im Ausland beschwert haben ( Österreich hatte nur 10% statt 19% Mwst ) .

    Mich würde auch interessieren welche großen Konzerne und Superreichen den Wunsch haben das es den Menschen noch schlechter geht, damit sie reicher werden.
    Los, Namen nennen !

    Was ist z.B. mit dem großen Deutschen Konzern Daimler Benz ? Die machen mehr Gewinn, wenn sich weniger Menschen einen Mercedes leisten können ?

    Oder wie wäre es mit Bill Gates ? Billy macht mehr Gewinn, wenn sich weniger Menschen einen PC oder eine X-Box 720 kaufen können ?

    Die großen Pharmaunternehmen in Deutschland die Medikamente herstellen oder wie Siemens Röntgengeräte und Computertomographen, machen die mehr Gewinn wenn das Gesundheitssystem ruiniert wird ?

    Sorry Lindwurm, aber so eine verkürzte Kapitalismuskritik welche die Schuld am Elend der Welt an Personen oder bösen Konzernen festmachen will findet man sonst nur noch bei Nazis (und vermutlich im Standard – lies nicht zu viel in dem Schundblatt, das färbt ab 😉 ).

  3. Kurzfristig kann man über die roten Karten jubeln

    wenn noch mehr Wähler diesem Beispiel folgen, wird es jedoch mittelfristig keine EU mehr geben.

    stattdessen werden langfristig wohl eine Reihe von mehr oder weniger braunen Staaten stehen, die für sich selbst kämpfen.

  4. In diesem Moment muß aber die Linke die Chance ergreifen, die Einstellung der meisten Menschen in Europa gegen die deutsche Großmachtpolitik, den Euro und den Sozialabbau zu bündeln und in die richtigen Bahnen zu lenken.
    Für Frankreich hieße das Wiedereinführung sozialstaatlicher Mindeststandards, Austritt aus dem Euro und Wiedereinführung einer eigenen Währung (Der Freiheitswährung Franc auf dessen Münzen „Liberte, Egalite, Fraternite eingraviert waren) um der Umklammerung der deutsch-dominierten EZB-Politik zu entkommen sowie weitreichende Demokratisierung des Landes und Mitbestimmung der Bevölkerung. Eine so mögliche souveräne und unabhängige Außenpolitik wäre fähig, sich von der deutschen Bevormundung zu befreien, und ein freies, demokratisches und unabhängiges Frankreich nach außen zu vertreten. Wie sagte neulich ein britischer Kollege zu mir: We are internationalists and believe in global trade and global values – so Europe is too small for us!

  5. @Daniel

    They (internationalists) also believe in Santa Clause and Easter Bunny…

  6. Oh, in Frankreich gibt es keine sozialstaatlichen Mindeststandards ?
    Sogar in Deutschland gibt es Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe… vielleicht sollten die Franzosen mal Deutsche Mindeststandards einführen ?

    Die Wiedereinführung des Franc hätte für die Franzosen natürlich Vorteile:
    Wer im Grenzgebiet lebt und eventuell im Ausland arbeitet oder einkauft muß eben immer Geld umtauschen.

    Und die Französischen Autos werden billiger, momentan können Peugeot und Renault ja preislich mit Porsche, BMW und Daimler nicht konkurrieren…

    Auch die französischen Unternehmer haben Vorteile: wer Zulieferer aus Deutschland hat oder Zulieferer eines Deutschen Unternehmens ist darf sich dann mit dem Währungsrisiko herumplagen…

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