Kapital, ganz kenntlich

Wissen sie, liebe Leserinnen und Leser, was eine Frechheit ist? Natürlich wissen sie das, aber dennoch möchte ich einmal mehr auf die wohl größte Frechheit der jüngeren Geschichte hinweisen. Die deutsche Industrie, finanziert von deutschen Banken und Großinvestoren, hat sich einen extremen Wettbewerbsvorteil gegenüber allen anderen europäischen Staaten ergaunert, indem sie die deutschen Arbeitnehmer seit gut 25 Jahren nicht mehr am Produktivitätsfortschritt beteiligte. So konnte die deutsche Industrie ihre Konkurrenz in West- und Südeuropa an die Wand fahren. Gleichzeitig haben deutsche Banken den Konsumenten in West- und Südeuropa unbesicherte Kredite gegeben, damit diese Konsumenten die deutschen Produkte kaufen konnten. Und jetzt, da diese unbesicherten Kredite schlagend werden, dürfen die deutschen und sonstigen Arbeitnehmer mit Bankenrettungspaketen in vierstelliger Milliardenhöhe diese Kredite bezahlen. Und damit das finanziert werden kann, müssen die Arbeitnehmer in ganz Europa auf NOCH mehr Beteiligung am erwirtschafteten Wohlstand verzichten. Konkret: Noch mehr Arbeitnehmerrechte sollen abgebaut werden, noch mehr Billiglohnjobs geschaffen werden, noch mehr Elend erzeugt werden. Aber so sagt das natürlich niemand, denn Deutsche Bank & Co haben ihren Hampelfrauen (Politikern und Medien) aufgetragen, nicht von Sozialdumping und von Kreditkrisen, sondern von „Schuldenkrisen“ und von „Griechenlandhilfe“ zu plappern. Und nun glaubt Lieschen Müller tatsächlich, ihre Opfer gingen zu Gunsten der Südeuropäer statt direkt in die Kasse von Daimler und Deutsche Bank. Ein Verbrechen, das in aller Öffentlichkeit begangen wird. Und wer es wagt, darauf hinzuweisen, dass hier ein Verbrechen begangen wird, dem schallt entgegen: „Alternativlos, Träumer, Vaterlandsverräter„. Aber das ist auch wieder gut so, denn Diktatoren und Faschisten erkennt man stets daran, dass sie ihr Handeln als alternativlos darstellen und jeden Gegner als Verräter und Saboteur zu denunzieren suchen.

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10 Gedanken zu “Kapital, ganz kenntlich

  1. Donnerwetter !
    Da werden die Deutschen Arbeitnehmer nicht nur seit 25 Jahren nicht mehr am Produktivitätsgewinn beteiligt, nein, sie müssen auch seit 22 Jahren erhöhte Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge zahlen für ihre arbeitslosen Klassenkampfgenossen im ehemals real-sozialistischen Ostdeutschland.

    Und die Idee das die Deutsche Industrie mit ihrer Billiglohnpolitik die europäische Konkurrenz platt macht ist zumindest kreativ…
    Aber das kennt ja jeder aus eigener Erfahrung:
    Träumen wir nicht alle davon einen Fiat, eine Seat, einen Skoda, eine Peugeot oder einen Renault oder eines dieser chicen griechischen Autos zu fahren, nur um dann doch lieber einen billigeren Porsche, Daimler oder BMW zu kaufen ?

    Komisch ist auch das es vor allem Spanische, Griechische und Italienische Banken sind, welche Kredite an Spanien, Griechenland und Italien vergeben haben – aber da steckt ganz bestimmt das deutsche Kapital dahinter.
    Die Amis haben es ja damals auch geschafft Saddam mit russischen und französischen Waffen aufzurüsten, ohne das die Russen und Franzosen was dafür konnten.

    Dem Kapital und dem Bösen in der Welt ist eben nichts unmöglich !

  2. Es gibt keinen Ausweg mehr aus der Inhumanität der Verhältnisse, es sei denn die „wirkliche Bewegung welche die momentanen Zustände aufhebt“ (Marx). Das ist zwar furchtbar unpraktisch, aber es lügt wenigstens nicht.
    An sich selbst wird das Kapital nicht zugrunde gehen. Wenn es seine Formen nicht mehr liberal-demokratisch durchsetzen kann, wird der Faschismus bereit stehen um die kapitale Verwertbakeit des Menschenmaterials mit direkter Gewalt durchzusetzen.
    Auf demokratischer Basis kann in Griechenland keine Regierung mehr zustande kommen, hier beginnen die kapitalistischen Formen sich gegen die Reproduktionsfähigkeit des Lebens selbst zu wenden.
    Incipit tragoedia (ganz ohne jede Ironie)

  3. „So konnte die deutsche Industrie ihre Konkurrenz in West- und Südeuropa an die Wand fahren.“

    Welche Konkurrenz denn? Die Stärke der deutschen Wirtschaft liegt in klein- und mittelständischen Betrieben, die in hochspezialisierten Nischenbereichen ihr Geld verdienen. Da gab es doch in Südeuropa gar niemanden, den die Deutschen an die Wand fahren hätten können – schon gar nicht in Griechenland, Spanien und Portugal. Außerdem ist Europa kein geschützter Sandkasten, in dem die europäischen Nationen ausschließlich untereinander in einem Wettbewerb stehen, den der eine nur auf Kosten des anderen gewinnen kann. Der echte Konkurrenzkampf findet doch mit Ländern wie China, Indien und Brasilien statt. DIE machen uns Feuer unterm Arsch. Die Deutschen zeigen nur vor, wie man sich gegen diese Konkurrenz behauptet. Würden sie das nicht tun, wäre damit den Südeuropäern auch nicht geholfen.

    „Gleichzeitig haben deutsche Banken den Konsumenten in West- und Südeuropa unbesicherte Kredite gegeben, damit diese Konsumenten die deutschen Produkte kaufen konnten.“

    Auch das ist Unfug. Französische und italienische Banken waren etwa in Griechenland viel stärker involviert als deutsche.

    Also warum wird hier dauernd gegen Deutschland gehetzt?

    Die Deutschen sind die Zahlmeister der EU, und ihre Gutmütigkeit und Bereitschaft, für andere zu finanziell zu bluten, ist das, was den ganzen Laden noch zusammenhält.

  4. @Lodovico

    ist einmal mehr derjenige, der die populistische Argumentationsschiene der Linken mit stringentester Logik ad absurdum führen kann. Kompliment dafür!
    Ja, den Vorwurf des Populismus musst Du Dir gefallen lassen, lieber Lindwurm, obwohl man diesen ja nicht zu 100% ablehnen muß…..doch beim politischen Gegner wird er Deinerseits sehr wohl und aufs heftigste kritisiert. 🙂

    Doch weil ein sonniges Wochenende ins Haus steht, auch ein Kompliment an den Lindwurm. Immerhin schaltet er gegensätzliche Meinungen frei, was ja leider nicht (mehr) selbstverständlich ist. Ich kann mich auch manchmal des Eindruckes nicht erwehren, der Lindwurm würde einfach auf Biegen und Brechen provozieren wollen – oftmals sogar wider besseres Wissen……..(???)

  5. „Also warum wird hier dauernd gegen Deutschland gehetzt?“

    Gute Frage, ich finds langsam unverschämt.

    „Die Deutschen sind die Zahlmeister der EU, und ihre Gutmütigkeit und Bereitschaft, für andere zu finanziell zu bluten, ist das, was den ganzen Laden noch zusammenhält.“

    Dem sollten die Deutschen endlich die Rote Karten zeigen. Zahlen dürfen wir gern, aber ansonsten meine viele, wir hätten die Schnauze zu halten. Sollen doch die Ösis oder wer auch immer wieder seinen Deutschenhass durchblicken lässt, den ganzen, durch eigene Schuld, verschuldenden Ländern deren Mistwirtschaft zahlen.

  6. Das kann Deutschland gerne machen. Dann aber bitte auch die Industrie auf ein Maß zurückfahren, das dem dann zusammengebrochenen Exportmarkt entspricht.

  7. „So konnte die deutsche Industrie ihre Konkurrenz in West- und Südeuropa an die Wand fahren.“

    Welche Industrien in West- und Südeuropa meinst du damit?
    Welche Unternehmen waren betroffen und wie viele Arbeitsplätze sind von dort nach Deutschland verlagert worden?
    Richtig – keine in irgendwelcher nennenswerter Anzahl

    Aber im aktuellen Spiegel konnte man lesen, dass allein in Dortmund in den letzten Jahrzehnten 80000 Arbeisplätze im Bergbau und der Stahlindustrie nach China abgewandert sind.
    Deutschland hätte allen Grund über die chinesische Konkurrenz zu jammern. Man vernkneift es sich im großen und ganzen aber.

    Weißt du was eine Frechheit ist?
    Eine Frechheit ist es, ein solches Feindbild Deutschland zu konstruieren.

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