Eurobonds und griechische Zustände

Hellseher wie so mancher meiner Kollegen einer zu sein vorgibt bin ich keiner, also weiß ich auch nicht, wie es in Griechenland weitergehen wird, aber eines scheint mir doch klar: Das wird kein gutes Ende nehmen, falls nicht zwei, für manche schmerzhafte, Entscheidungen getroffen werden. Die eine wäre, dass Europa endlich einmal als Union agiert und Eurobonds auflegt. Nur wenn Schluss ist mit griechichen, deutschen, österreichischen usw Staatsanleihen und es stattdessen nur mehr europäische gibt, besteht eine Chance für Griechenland und andere Krisenstaaten, auch mal wieder aus dem tiefen Loch, in dem sie nun stecken,  herauszukommen. Das ist sicher nicht leicht durchzusetzen, müssten sich doch Staaten wie Österreich auch mal ein bisserl von ihren Partikularinteressen verabschieden und sich ernsthaft zum europäischen Gedanken bekennen, aber machbar und sinnvoll wäre es allemal, und zwar nicht „nur“ einer romantischen Unionsidee wegen, sondern weil Europa nur so auf Dauer Bestand haben wird können als Global Player. Die zweite Sache, die angegangen werden müsste, wäre eine Totalreform der griechischen Strukturen. Derzeit ist das Land von Korruption auf allen Ebenen und in allen Formen durchseucht, komplett ineffizient verwaltet und im Würgegriff einer grotesk aufgeblasenen Bürokratie sowie einer regelrechten Mafia bestehend aus Reichen und Superreichen, die keine Steuern zahlen und deren bestochenen Politikern, welche sich wiederum ganze Heerscharen an Klienten halten, deren Gunst sie mit Posten im Staatsbereich gekauft haben. Dermaßen verkrustet kann ein Staat sich gar nicht wirtschaftlich erholen, da helfen dann auch Eurobonds nur kosmetisch – und es wäre auch den besser organisierten und besser wirtschaftenden Staaten nicht auf Dauer zumutbar, solcherlei Irrsinn zu subventionieren. Leider sehe ich für all das momentan eher schwarz. Die Reise in Griechenland dürfte wohl eher in Richtung Chaos und, schlimmer noch, Militärdiktatur gehen. Ich kenne die derzeit Wahlerfolge einheimsenden griechischen Linksaußenparteien ein wenig, und traue mich zu sagen, dass das großteils Träumer und Spinner sind, bei denen Ideologie und Wunschvorstellungen dominieren. Mit denen an der Macht wird es noch viel schwerer werden, Eurobonds zu argumentieren, als es jetzt schon ist. Und trotzdem wird auf mittlere Sicht kein Weg an europäischen Anleihen vorbeiführen, soll die Union nicht schon bald Geschichte sein.

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Ein Gedanke zu “Eurobonds und griechische Zustände

  1. Das schöne an Eurobonds wäre auch die Möglichkeit für Deutschland Wachstum oder Soziale Wohltaten auf Pump zu finanzieren.
    Wenn wir schon für die Schulden der anderen mithaften, wären wir ja blöd wenn wir selber sparen würden…

    Und wenn dann die Kreditgeber nicht mehr mitspielen und keinen Kredit mehr geben wollen kann man sie immer noch beschimpfen und die bösen Märkte dafür verantwortlich machen…

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