I like Democracy

57 Prozent der Befragten gaben bei einer Umfrage des Linzer Market-Instituts an, sie hielten das politische System für unreformierbar und befürworteten einen Umsturz. Am selben Tag darf der Historiker Mark Lilla im „Standard“ darüber schwadronieren, dass die Demokratie halt nicht immer die beste Regierungsform sei und ein netter, wohlwollender Diktator oder König doch auch so schlecht nicht wäre. Beide Meldungen passen auf eine unheimliche Art zusammen. Die derzeitige politischer Klasse disqualifiziert sich in den Augen von immer mehr Menschen, weil sie aus für wenig Interessierte inhaltlich kaum zu unterscheidenden Parteien besteht, welche alle  dasselbe Mantra herunterbeten, dass nämlich Verbesserungen für die Menschen nicht machbar seien und man im Gegenteil „den Gürtel enger schnallen“ müsse (also den Gürtel der Mittel- und Unterschicht). Wenn man dann als Alternativen nur Spinnerparteien vom rechten oder linken Rand hat ist es gar nicht mehr so unverständlich, dass immer mehr Leute sich aus dem demokratischen Entscheidungsprozess ausklinken, da man ihnen ja andauernd eintrichtert, dass sie eh nix ändern könnten, dass ja eh alles „alternativlose Sachzwänge“ seien. Und genau für diese Menschen, also für die steigende Anzahl der mit dem System unzufriedenen, schickt man dann Figuren wie den Lilla vor, der wenigstens offen ausspricht, was die Eliten, aber auch immer mehr Frustrierte denken, dass nämlich so ein kleiner Führer mal wieder hergehörte oder zumindest auch nicht schlechter wäre als das derzeitige System. Oberflächlich betrachtet hat Lilla übrigens gar nicht völlig unrecht. Es ist ja theoretisch möglich, dass ein Diktator besser regiert als ein demokratisch legitimiertes Parlament. Die Praxis zeigt freilich, dass in fast allen Fällen eine Demokratie nach westlichem Muster, die natürlich auch einen funktionierenden Rechtsstaat beinhaltet, Diktaturen in allen Belangen überlegen ist. Auch ökonomisch, was ich extra erwähne, weil ja mittlerweile alles nur mehr unter dem Aspekt der Wirtschaft gesehen werden soll. Ich sag´s mal so: Ein Investor und/oder Unternehmer tut sich meistens leichter, wenn er es mit berechenbaren politischen Partnern zu tun hat und nicht mit Willkürherrschern. Er investiert, sobald es sich rechnet, lieber dort, wo man ihn nicht schon am nächsten Tag enteignen kann und wo er nicht 300 Mitglieder der herrschenden Partei oder des herrschenden Königshauses bestechen muss (dass auch bei uns bestochen wird, ist mir schon klar, aber noch ist die Korruption in westlichen Demokratien nicht so selbstverständlich wie in autoritären Regimes). Und es wird schon einen guten Grund dafür geben, warum chinesische und russische Milliardäre und Millionäre sich zu tausenden Wohnsitze in (West)Europa besorgen. Die Lebensqualität ist halt dort, wo demokratische und rechtsstaatliche Zustände herrschen, auch ein bisserl höher als in der Heimat, in der man von der Gnade der Partei oder des Putin-Clans abhängig ist und schon mal im Arbeitslager oder Leichenschauhaus landet, wenn man ein Wort zuviel gesagt hat.

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3 Gedanken zu “I like Democracy

  1. Nein!
    Es wird auch bei der 1000sten Wiederholung nicht wahrer!
    „die Politika“ und „die Politik“ sind am „Bedeutungswandel“ nicht (allein) „schuld“.

  2. Kann ich nur unterschreiben. Demokratie IST allen anderen bekannten Regierungsformen haushoch überlegen, da können die Diktatorenfans plappern, wie sie wollen. Traurig nur, dass so viele Europäer die Demokratie als etwas so selbstverständliches ansehen, dass ihnen gar nicht bewusst ist, was sie für ein Glück haben.

  3. @saraht82
    Und Sie glauben tatsächlich, dass diese „repräsentative Demokratie“ etwas wahrhaft Demokratisches an sich hätte? Solche naiven Bürger wie Sie sind letztendlich schuld daran, dass die oligarchischen Systeme, die mittlerweile Platz gegriffen haben und moralisch völlig „am Sand“ sind, weiterhin in Ruhe ihr Unwesen treiben können. Tun Sie uns und Ihnen selbst den Gefallen und machen Sie sich auf Suche in unserem demokratischen Österreich. Vielleicht finden Sie dann ja wirklich noch verkümmerte Restbestände von Demokratie.

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