Berge und Seen? Nein danke!

30 Grad im Schatten hat es heute – damit beginnt wieder jene Zeit des Jahres, in der die nach Wien ausgewanderten Kärntner die in Kärnten gebliebenen Kärntner bei jeder Gelegenheit und gerne auch lautstark und öffentlich um die Badeseen und die Berge beneiden. Ich finde das lächerlich. Einmal davon abgesehen, dass man selbstverständlich auch in Wien mehr als ausreichend Orte findet, wo man, ob zur Abkühlung oder aus Suizidgründen, ins Wasser gehen kann, frage ich mich, was denn so toll sein soll an den Kärntner Badegewässern. Und am „Baden“ allgemein. Unter Baden ist hier nicht ein Vollbad in der Wanne zu verstehen, sondern die seltsame Sitte, bewaffnet mit Decken und Sonnenmilch und Proviant ein Seeufer aufzusuchen und dort allen Warnungen der Onkologen zum Trotz stundenlang in der Sonne zu liegen. Das ist nicht nur die langweiligste Beschäftigung des Universums, es ist mir auch völlig unverständlich, wie man sich dort, beschallt von Kindergeschrei und Radiogedusel und Plantschgeräuschen, entspannen können soll. Außerdem sind die Strandbäder die Kathedralen des Körperkults. Was sollte ich dort wollen, eingeklemmt zwischen Waschbrettbäuchen und Silikonbrüsten, zwischen Piercings und Tätowierungen? Wenn ich daran erinnert werden möchte, dass alles nur Oberfläche und Schein ist, reicht es, den Fernseher einzuschalten. Wenn ich wissen will, welche Frauen ich nie haben werde, reicht ein Spaziergang durch die Innenstadt. Dazu braucht es nun wirklich nicht auch noch den Strand, wo ich mir vorkomme wie ein Löwe im Gazellengehege, dem man die Zähne und Klauen gezogen hat. Ich verstehe ja noch, dass Menschen ans Meer wollen. Das Meer hat die Weite und süßes Fernweh verusachende Schiffe, die am Horizont vorbeiziehen, und eine ständige Brise, die von weit draußen zum Strand her weht. Aber ein Kärntner See? Eine Badewiese? Dort kann man doch nichts anders tun als erneut festzustellen, dass man alt und schiach geworden ist. Und lasst mich bloß in Frieden mit den Bergen! Auf die rauf zu kommen ist anstrengend und zeitraubend und für mich insgesamt witzlos. Ich stromere jederzeit lieber durch die Wiener City, schlürfe dort einen Eiskaffee oder ein kühles Bier in einem Gastgarten und lasse den herrlich heißen Abend auf mich hereinbrechen, als im Gebirge herumzukraxeln. Seen und Berge? Nein danke, gebt mir Straßenschluchten und Parks und Museen!

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11 Gedanken zu “Berge und Seen? Nein danke!

  1. Was die fehlende Kurzweil auf dem Badesteg und auf der Liegewiese betrifft, stimme ich mit Dir überein. Die Wälder und die Berge möchte ich jedoch nicht missen, gerade weil ich lange Jahre in Großstädten verbracht habe. Nachdem ich aus Berlin zurückkam, bin ich tagelang nur mehr im Wald gewesen. Berlin hat auch den Grunewald, doch ich möchte im Wald höchstens einem Reh (oder Bären 🙂 ) begegnen und keinen Menschen. Die stören mich in meiner Kontemplation.
    Du verdammst Sonnenbäder im Hinblick auf die krebsfördernde Wirkung….Dem möchte ich entgegenhalten, dass die Vitamin-D-bildende Funktion der Sonneneinstrahlung, welche ERWIESEN ist, als eine der effizientesten Vorsorge-Möglichkeiten gegen ALLE Arten von Krebserkrankungen anzusehen ist.
    Und – weil’s soooo schön ist:

  2. Guter Kommentar. Ich liebe die Großstadt ebenso wie die Alpen…ist immer ein gutes Kontrastprogramm. Grade weil bei uns im Norden Deutschlands die höchsten Erhebungen nicht über 400 Meter hinauskommen.
    Aber 30 Grad im Schatten? Wir hatten heut 21 und es geht jetz bei Regen abends wieder auf 18 runter…da weiß man nicht, ob man als Nordlicht euch beneiden oder eher bedauern soll!? 🙂

  3. bitte „edwige“!
    ist ja schön, dass du auch eine meinung hast,
    aber erspare deiner umwelt dein pseudomedizinisches phantasieren.

  4. liebe wiltrud, allgemeinplätze wie „ist mittlerweile auch wissenschaftlich belegt“ oder „sollte jedem vernünftigen menschen einleuchten“ richte bitte an edwige. danke; und hier ist noch eine gute seite mit vielen gesundheits-news für euch:
    http://www.krone.at/Gesund-Fit

  5. @Vitamin D:

    „Internationale Empfehlungen gehen davon aus, dass dreimal pro Woche zehn bis 15 Minuten Sonnenbestrahlung eine günstige Dosis ist. „Besser ist jedoch, jeden Tag und dafür etwas kürzer in die Sonne zu gehen“, empfiehlt Rolfdieter Krause. Selbstverständlich muss man dabei den Hauttyp berücksichtigen, damit die Haut nicht geschädigt wird. „Und wer bereits gebräunt ist, sollte etwas länger in der Sonne bleiben. Denn die Bräune schützt die Haut vor der UV-Strahlung. Dringt weniger in die Haut ein, bildet sie auch entsprechend weniger Vitamin D.“ Dabei reicht es, wenn Gesicht, Hände und Unterarme der Sonne ausgesetzt sind. Das sind etwa drei bis fünf Prozent der Körperoberfläche. Übrigens darf man vor diesem „medizinischen“ Sonnenbad kein Sonnenschutzpräparat auftragen und erst danach die Haut entsprechend pflegen. Der Lichtexperte: „Selbstverständlich sollten Sie nicht zwischen 12 und 15 Uhr in die pralle Sonne gehen. Und wenn der Himmel bedeckt ist – auch durch die Wolken gelangen UV-Strahlen, allerdings nicht in hoher Menge. Ein längerer Spaziergang füllt dann ebenfalls die Vitamin-D-Speicher wieder auf.““

    Vitamin D: Wie viel Sonne ist nötig? – weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/osteoporose/news/vitamin-d_aid_97508.html

    So hammers auch in der Uni gelernt. Zweimal am Tag zum Zigarettenautomaten reicht also.

    Außerdem: Grumpy old man.

  6. Mit dem ‚grumpy old man‘ kann ich mich zwischendurch immer wieder mal anfreunden, doch der kleiner Kläffer namens tom strapaziert wohl nicht nur meine Geduld mit seiner pubertierenden Überheblichkeit……….

  7. @ DR. tom93: sie verzichten demnach auf sonnenlicht? andere meinungen als pseudomedizinisches wissen auf kronenzeitung niveau abzutun ohne dies zu untermauern ist mir zuwenig. bitte um ihre fachlich fundierte meinung!

  8. hehe lieber lindwurm – schade das dir der see hier nicht gefällt – für mich gibts nichts schöneres als in einem reifen hinter der nichtschwimmerabsperrung zu treiben und ein kühles bier zu genießen, wärend ich mit einem kumpel, der das gleiche macht, über gott und die welt brabbel – einfach herrlich. in wien – bäh – da habe ich 2 sommer verbracht – das auf eine stufe mit klafu im sommer zu stellen ist für mich nicht nachvollziehbar – und ich kenne auch keinen! kärntner, der sich jemals in die donau gewagt hätte – da grausts einem ja 😉

  9. markus
    In der Lobau war’s recht nett – zumindest damals (80iger). Zum Baden muss natürlich Krntr.Ansprüche zurückschrauben.

    Und hier noch etwas für den hitzegeplagten Lindwurm. Aber vielleicht bist Du zu jung dafür…? Habe ich kürzlich wiederentdeckt und mich wieder gefühlt wie 14.

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