Mit Merkel in den Untergang?

Die Kritik an der Politik von Angela Merkel und jenen europäischen Konservativen, die dem wahnwitzigen Austeritätskurs der deutschen Kanzlerin willig folgen, wird lauter. Und immer öfter auch so pointiert, wie es der  Ernst der Lage erfordert. Österreichs Nationalbankchef Ewald Nowotny hat den derzeit von Deutschland forcierten Sparwahn mit der Situation in den 30er Jahren verglichen. Damals hätte „eine einseitige Konzentration auf Sparpolitik zu Massenarbeitslosigkeit, dem Zusammenbruch demokratischer Systeme und am Ende zur Katastrophe des Nationalsozialismus geführt“. Und das britische Magazin „The New Statesman“ hat die Kanzlerin zur „gefährlichsten deutschen Politikerin seit Hitler“ erklärt, denn deren wachstumsfeindliche „Obsession mit Ausgabenkürzungen“ und ihr „Defizit-Fetischismus“ würden sechs Jahrzehnte Einheit und Stabilität in Europa gefährden und den Aufstieg rechtsextremer Kräfte vorantreiben. Mit ihrer Politik des „Austerity über alles“ (sic) zerstöre Merkel das europäische Projekt, treibe Deutschlands Nachbarländer in die Armut und provoziere eine neue Weltwirtschaftskrise. „She must be stopped“, schließt der Kommentar. Merkel muss aufgehalten werden.

Nun sind weder der bedächtige Finanzmann Nowotny, noch der New Statesman für unbegründete hysterische Ausbrüche bekannt, und sie sind beileibe nicht die einzigen, die die deutsche Politik für brandgefährlich halten. Wirtschaftsnobelpreisträger, die linker Umtriebe eher unverdächtigen Ratingagenturen, ja sogar der US-Präsident – sie alle weisen gut begründet darauf hin, dass es nicht gut gehen kann, wenn in einer krisenhaften Wirtschaftslage ganz Europa zum „Sparen“ verdonnert wird, was ja der Kern von Merkels Fiskalunion ist. Das wird in gerader Linie in die Depression führen, und wenn Europa dort landet, wird es die ganze Welt mit sich reißen. Wir reden hier nicht mehr über Griechenland, obwohl man angesichts der skandalösen Auswirkungen der Sparpolitik auf die dort lebenden Menschen natürlich auch davon reden muss, wir sprechen vom Abwürgen jeglichen Wachstums in der größten Wirtschaftszone der Erde. Das ist längst keine Sache divergierender (wirtschafts)politischer Ansichten mehr, kein akademischer Diskurs, hier geht es um die Wurst. Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob griechische Renten und Löhne gesenkt werden, sondern ob wir eine globale Katastrophe noch abwenden wollen oder doch stur mit Angela Merkel in den Untergang marschieren.

Eine Sache, die Merkel und ihre Einflüsterer nicht kapieren: Europa ist weder die USA, noch China. Europa ist ein Minenfeld voller historischer und mentalitätsgeschichtlicher Explosivkörper, die hochgehen werden, wenn man die Menschen ins Elend stößt. Kein anderer Kontinent wurde dermaßen in Blut getränkt, nirgendwo sonst haben die Gewalt und das gegenseitige Abschlachten eine so prägende Tradition wie hier. In Europa war das Massenmorden seit dem Fall es weströmischen Reiches immer gegenwärtig, zunächst für König und Kaiser, dann für die jeweilig für einzig wahr befundene Variante des Christentums, dann für Rohstoffe und Märkte und schließlich für Nation und „Rasse“ (und gerne auch für alle Motive zusammen).  In Europa hat man ja sogar für die Umsetzung so hehrer Ideale wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit Terrorregime installiert.  Hier wurden die blutigsten Ideologien ausgebrütet, die jemals über die Welt kamen, hier hat man sich über Jahrhunderte fast ohne Unterbrechung gegenseitig hingemetzelt und das Metzeln dann auch noch im Zuge der Kolonisierungen in alle Welt exportiert. Die schlimmsten Massenmörder aller Zeiten waren Europäer oder waren von europäischen Ideologien inspiriert. Toleranz, friedliche Koexistenz, Handel zu aller Nutzen, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie – das alles gibt es in Europa erst seit einem historischen Wimpernschlag und in der östlichen Hälfte sowie in einigen südeuropäischen Staaten sogar noch kürzer.

Wie wird dieser Kontinent mit dieser Geschichte wohl reagieren auf Massenarbeitslosigkeit, Elend, Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung, Hunger? Werden die Europäer, wie sich das Merkel & Co vermutlich ausmalen, brav stillhalten und sich im Hinterzimmer marktverträglich erhängen, sobald sie keinen Ausweg mehr sehen? I don´t think so. Man muss nicht einmal besonders sensibel sein zum zu spüren und zu beobachten, wie allerorten die Aggressionsbereitschaft der Leute steigt, wie der Zorn langsam zu brodeln beginnt bei denen, die immer weniger haben während gleichzeitig eine kleine Minderheit in immer groteskerem Luxus lebt. Schon kehren Chauvinismus und Nationalismus wieder, schon steigt die Zahl jener, die das System für unreformierbar halten und daher auf einen radikalen Umsturz mittels extremistischer Methoden und Ideologien setzen. Die Präsidentschafts- und Abgeordentenwahlen in Frankreich waren vielleicht das letzte friedliche Signal der Europäer, dass sie den derzeitigen politischen Kurs der Union unter deutsch konservativer Führung nicht mehr mittragen wollen. Dass sie einen Wandel wollen, weg von einer Wirtschaftspolitik, die nur mehr die Interessen der deutschen Konzerne und der großen Kapitaleigner vertritt. Sollten Merkel und ihresgleichen das nicht verstehen, dann werden sie tatsächlich als die Totengräber der Europäischen Union in die Geschichte eingehen, und vielleicht sogar als jene, die einer dritten kriegerische Weltkatastrophe sehenden Auges den Weg bereitet haben werden.

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4 Gedanken zu “Mit Merkel in den Untergang?

  1. Ziemlich verschwurbelter Unsinn.
    „Schulden machen“ bedeutet: Heute ausgeben, morgen erwirtschaften und bezahlen.
    Quasi eine vorweggenommene Wirtschaftsleistung.
    Dass geht aber nur solange, wie man die Kredittilgungsrate und die Zinsen zahlen kann. Dann geht es eben nicht mehr.
    Das bedeutet:
    Man hat in den vergangenen Jahren auf Kosten der zukünftigen Jahren gelebt und damit natürlich auch die Wirtschaft gepusht.

    Unter den Experten, darunter auch ziemlich namhafte und seriöse, gibt es verschiedenste Meinungen. Welchen soll man glauben, wenn es zu jeder echten Expertenmeinungen genau gegenläufige Expertenmeinungen gibt ?
    Mit mehr Schulden die Wirtschaft ankurbeln versuchen die Amis seit 2008. Leider ohne besondere Erfolge.

    Achja die 30er. Ein beliebtes Argument, weil kaum jemand Details kennt.
    Tatsache ist, dass prospertierende Unternehmen durch extrem starke Gewerkschaften ins Aus getrieben wurde. Heute weiß das kaum einer, aber die Firmengeschichten und alte Zeitungsmeldungen zeigen das in aller Deutlichkeit.

  2. So so, die Gewerkschaften waren Schuld an der Weltwirtschaftskrise? Rasch, berufen sie einen Historikerkongress ein, die Geschichte muss umgeschrieben werden! Lol

  3. Das ist natürlich nur ein Aspekt gewesen.
    Für die Wirtschaftshistoriker ist das natürlich nichts neues.
    Ein Beispiel aus meiner Umgebung. Eine Braunkohlegrube wurde eröffnet und eine Weile mit Erfolg betrieben. Schließlich sollten auch Briketts gemacht werden. Aber die Arbeiter wollten das zum Anlass nehmen um ihre Löhne zu erhöhen. Die geforderte Lohnerhöhung war jedoch ähnlich anmaßend wie die der Piloten vor einigen Jahren in Frankfurt. Die Geschäftsleitung wollte und konnte nicht derart hoch aufstocken, da die Produkte dann viel zu teuer würden. Die Menschen hätten das damals einfach nicht bezahlen können. Aber die Arbeiter waren in den damals sehr starken Gewerkschaften organisiert und blieben gegen jede Vernunft stur. Das Ende vom Lied war – die Firma wurde dicht gemacht.
    Heute achten die Arbeiter und Gewerkschaften auch darauf, ob die Forderungen überhaupt durchsetzbar sind und nicht zur Schließung führen und zudem sind Gewerkschaften und Arbeitgeber etwa gleichstark.

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