Abzocke bei den ÖBB

Carmen T. fährt jeden Monat zwei Mal von Klagenfurt nach Udine und retour. Frau T. bucht ihr Ticket immer online und druckt es aus. Diesmal jedoch war ihr Drucker kaputt. Sie ging davon aus, dass sie mit Buchungsnummer und Personalausweis am Bahnhof ihren Fahrschein bekommen würde. Bekam sie dann auch, aber für eine Gebühr von fünf Euro. Ob man denn da nicht mal eine Ausnahme machen könne, da sie ja immerhin schon seit vielen Jahren Stammkundin sei und so ein Ausdruck doch sicher keine fünf Euro kosten täte? Nix da, beschied man ihr. „Vurschrift ist Vurschrift“, wie es der „Reiseberater“ Herr Hartl (oder Hartel) ausdrückte. Frau T. kann sich zwar diese fünf Euro Abzockgebühr leisten, aber erfreut war sie nicht, schon gar nicht über die kaltschnäuzige, um nicht zu sagen herablassende Art, wie man am Klagenfurter Bahnhof mit ihr Umsprang. Als sie nach fruchtloser Beschwerde die Strafe dafür, dass ihr Drucker heute nicht drucken hatte wollen, bezahlt hatte, wünschten ihnen die zwei ÖBB-Mitarbeiter, die gerade ein für die ÖBB gutes Geschäft auf Frau T.s Kosten getätigt hatten, ihr mit einem durchaus als süffisant zu bezeichnenden Tonfall „noch einen schönen Tag“. Der Lindwurm war Ohren- und Augenzeuge dieses Prachtbeispiels für Kundenverarschung und Kundenverachtung. Als ich mich einmischte und die ÖBBler fragte, was denn das solle, reagierten die äußerst gereizt. Nein, man könne da gar nichts machen, und dann kam der ÖBB-Standardsatz: „Vurschrift ist Vurschrift“. Dass Frau T. seit zehn Jahren genau diese Strecke immer wieder befährt, immer online gebucht hat und diese Daten ja wohl gespeichert sind – egal. „Das ist nicht unser Problem“. Kein Entgegenkommen, keine Kulanz, stattdessen genüssliches Beharren auf Vorschriften. Ob die herablassende Behandlung von Frau T. wohl daran lag, dass sie zwar Österreicherin ist, aber einen fremdländischen Akzent hat? Ich hätte hier gerne eine Stellungnahme der Österreichischen Bundesbahnen veröffentlicht, aber die Pressestelle der ÖBB fand es nicht der Mühe wert, mich zurückzurufen.

 

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6 Gedanken zu “Abzocke bei den ÖBB

  1. Die Mitarbeiter am Bahnhof wissen nicht, ob Frau T. zum ersten oder zum hunderstens Mal mit dem Zug fährt, auf diese Daten haben sie keinen Zugriff. Eine Stammkundin erkennen die Mitarbeiter am Bahnhof also nur dann, wenn sie ihre Fahrkarten auch dort an der Kasse kauft.
    Die 5€-Gebühr für das Ausdrucken von Onlinetickets musste vor ein paar Jahren eingeführt werden, weil die Anzahl der Leute, die sich ihre online gekauften Fahrkarten am Schalter ausdrucken ließen, immer mehr wurden. Außerdem gibt es bestimmte rabattierte Fahrkarten („Sparschiene Österreich“), die NUR online erhältlich sind, und bei denen eine Bedienung durch Personal nicht im Preis einkalkuliert ist.
    Die 5 € sind selbstverständlich auch im Nebengebührentarif veröffentlicht: http://www.oebb.at/static/tarife/pt_oebb/index.html#2198203915 (Preistafel 14, Ziffer 12.
    Mit dem demnächst kommenden neuen Online-Buchungssystem (derzeit läuft bereits ein halböffentlicher Beta-Test) ändert sich das allerdings sowieso: Man kann online bestellte Fahrkarten bald auch ohne Aufpreis am Automaten abholen.

  2. Verstehe. Die herablassende Art, das höhnische „einen schönen Tag noch“, das war also völlig korrekt. Weil eh nach „Vurschrift“. Alles klar dann.

  3. Die Mitarbeiter in Klagenfurt sind öfter unfreundlich. Ist halt so! Als Österreicher sollte man daran gewohnt sein das Post und Bahn Schaltermitarbeiter eben nicht nett sind. Ist halt so.
    Natürlich gibt es Ausnahmen, hab ich auch schon selbst mehrmals erlebt. War in Wien und hatte meine Bankomatkarte verloren, für den Zug nach Klagenfurt hätte ich noch einen Euro gebraucht, hatte ich aber nicht. Die Mitarbeiterin am Schalter sagte „I gib Ihnen den Euro und wenn’s irgendwonn wieder mol im schenen Wien sind’S geben’S mir den anfoch zruck!“
    Nett oder? 😉

  4. Torsch:
    Vielleicht solltest du dich nicht in Sachen einmischen die dich einen Scheissdreck angehen, du kleiner penetranter, hässlicher Wichser!

  5. ZITAT:
    Ob die herablassende Behandlung von Frau T. wohl daran lag, dass sie zwar Österreicherin ist, aber einen fremdländischen Akzent hat?
    ZITATENDE:
    Glaube ich nicht. Arroganz und eine herablassende Art liegt den meisten Beamt(innen) im Blut. Das kann beim Kund(innen)verkehr in diversen Ämtern in Wien täglich unter Beweis gestellt werden. Und da ist es egal, ob die betreffende Person In- oderAusländer ist.

  6. Der ÖBB-Kundenservice ist ein Desaster. Auf Mails wird nicht mal reagiert.
    Daß da am Schalter Wappler und Ungustln sitzen ist die eine Sache, aber daß der offizielle Kundenservice sich 0 um die Kunden kümmert ist ne andere.

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