Ein kleines Burschendrama

Vor nicht allzu langer Zeit, in einer „Bude“…

Burschi: „Des traust di nie, Hazeh“

Strache: „Ich trau mi olles“

Burschi: „Na dann bring die Zeichnung da auf deiner Facebookseite.“

Strache: „Welche Zeichnung?“

Burschi: „Na die da. Die Zeichnung da, wo der Staat den fetten Judn füttert, während das Volk hungert. Siehst, die is ursprünglich von so einer komischen, haha, linken amerikanischen Zeitung aus den 60er Jahren, aber Kameraden aus dem Altreich haben die Karikatur noch ein bisserl eindeutiger gemacht, so mit Davidsternen auf dem Gwand vom Bänker, und a Judennasen haben´s eam auch verpasst. Aber des traust di ned posten, gell?“

Strache (vor Erregung mit Meidlinger L sprechend): „I soll mi des ned traun? Hör zu, Bub, I bin schon mit der VAPO durch den heiligen Kärntner Tann gerobbt wia du noch ned amoi gwusst hast, wie ma Hiddler schreibt. I hab öffentlich den Kühnen-Gruß gezeigt! I bin bei einem Treffen der Wiking-Jugend von den Bütteln des BRD-Besatzungsregimes verhaftet wordn. I woa mit der Elite vom nationalen Widerstand unterwegs, vom Andi über den Jürgen bis zum Gottfried. Herrgott nochmal, der Norbert Burger selbst hat mich eingeschult! I hab die Bewegung aus den Klauen von dem unzuverlässigen Homofürsten und seinen warmen Brüdern entrissen und wieder auf den echten rechten Weg gebracht. I hab sogar in Yad Vashem a Burschenschafter-Tonne aufn Kopf getragn. I trau mi alles“.

Burschi: „Na dann bring die Karikatur!“

Strache: „Her mit dem Link! So, und jetzt schau!“ (öffnet Facebook auf dem PC der „Bude“ und tippt die Email-Adresse Herr_Wolf_18@altermedia.de und das Passwort „Bumstinewjew“ ein, veröffentlich die antisemitische Karikatur und schreibt dazu: „So sieht die Umverteilung von Rot-Schwarz mit ihren grünen Helferleins in Wahrheit aus! Sie verteilen unser hart erarbeitetes und erwirtschaftetes österr. Steuergeld in Richtung der EU-Bankspekulanten mittels ESM-Diktat und Österreich-Verrat! Gleichzeitig kürzen sie das Pflegegeld und die Familienbeihilfe in Österreich und haben damit die Ärmsten der Armen getroffen (Kreisky dreht sich im Grab um)“.

Burschi: „Respekt, Alter…Herr. Des sitzt! Die Roten und die Schwarzen und die Grünen schenken unser Geld den Juden und nehmen es den Ärmsten der Armen weg. Supa! Und dann noch den alten Saujud Kreisky ins Spiel bringen quasi als Kronzeuge unserer Sache… genial. Ich nehm alles zurück, du hast echt Eier, Hazeh“.

Strache: „Na sicher. Ich bin im Stahlgewitter der Zahntechnikerausbildung, äh, gestählt worden und ich kenn doch die Pappenheimer von den anderen Parteien und von den Medien. Die ÖVP hofft auf mich als Koalitionspartner, die halten also brav die Pappn, den Roten ist Antisemitimus auch a lässliche Sünd und die Medien, ja mei, da werden ein, zwei empörte Kommentare kommen, aber mia sind in Österreich, des schlaft wieder ein – nachdem die Botschaft hängen geblieben is und ein weiterer Zwischensieg bei der Enttabuisierung unseres nationalen Gedankenguts errungen worden ist.“

Burschi (schenkt sich und Strache ein Bier ein): „Ja, genial, aber hast keine Angst, dass deine neuen Freunde in Israel des eventuell missverstehen könnten? Und was ist mit dem Lasar , dem Hausju… dem Verbindungsmann zur rechtszionistischen Szene?“

Strache: „Hahaha, der Lasar, der Naivling! Und die rechten Juden in Israel! Hättest sehen sollen, wie ich die um den kleinen rechten Finger gewickelt hab mit  ein bisserl Billigrhetorik gegen den Islam. Die san so verzweifelt auf der Suche nach Freunden und so an´gfressen von de europäischen Linken, dass die echt glauben, wir waratn auf ihrer Seite. Simma ja auch irgendwie. Die wollen, dass alle Juden nach Israel einwandern, und wir wollen, dass alle Juden von hier auswandern. Des passt doch super zusammen. Profitiern ja beide davon.“

Burschi: „Aber eigentlich san wir ja traditionell eher mit den Arabern und dem Iran verbandelt, oder? Wir ham ja ned umsonst diverse österreichisch-syrische, österreichisch-libysche und so weiter Gesellschaften? Und der Ahmedinedjad, auf den hat ja der Mölzer, der ja unser Ideologe ist und, ned beleidigt sein, Hazeh, ein echter Burschenschafter, wahre Hohelieder geschrieben in seinem Blattl. Weist eh noch: Sogar ein T-Shirt mit der Aufschrift „A world without Zionism“ hamma damals kaufn können beim Mölzer, vor ein paar Jahren, so um 2008 rum. Ist der Iran jetzt plötzlich der Feind?“

Strache: „Aber nein, grundsätzlich hat der schon recht, der Kravattenverweigerer aus Teheran. Aber hier bei uns gibt´s halt viel mehr Musels als Juden, deswegen hamma eine Feindbild-Analyse gemacht und dabei festgestellt, dass der durschnittliche Wiener Prolo die Islamers noch mehr hasst als wie die Juden. Da muss man sich halt anpassen. Aber des ändert nix an unseren Überzeugungen, und ich hab das ja gerade bewiesen mit dem Posten der schönen Karikatur“.

Burschi: „Wow, Hazeh, du hast echt was am Kasten, strategisch und so.“

Strache: „Ja, deswegen bin I ja auch Parteichef und du nur Aktenträger beim Graf. Haha, nix für Ungut, und jetzt PROST“ (beide stoßen an, knallen die Biergläser auf den Tisch und sagen im Duett: „Keine Juden am Tisch“)

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3 Gedanken zu “Ein kleines Burschendrama

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