Where is Licorice McKechnie?

Am achten März vor 20 Jahren bekam Frau Frances McKechnie in Edinburgh einen Brief aus Sacramento, USA. Der Brief stammte von ihrer jüngeren Schwester, Christina „Licorice“ McKechnie, und gilt als das letzte gesicherte Lebenszeichen der ehemaligen Sängerin, Percussionistin und Gitarristin der legendären britischen Folk- und Weltmusikgruppe „The Incredible String Band“. Licorice würde heuer 67 Jahre alt werden – falls sie noch lebt.

Anfang der 60er Jahre vibriert Großbritannien von der Energie der Beat-Kultur und des langsam beginnnenden Hippie-Zeitalters. Auch im schottischen Edinburgh spielen Abend für Abend Musiker in den Cafes und Poeten tragen ihre neuesten lyrischen Ergüsse vor. Die blutjunge Licorice tritt in den Bars und Clubs mit ihren Gedichten auf und trifft dabei den Singer-Songwriter Robin Williamson und reist mit ihm nach Marokko. Eine Reise mit weitreichenden Folgen für die Musikgeschichte, denn Williamson bringt eine ganze Reihe orientalischer Instrumente von dort mit und sollte diese nur wenig später, als er zusammen mit dem begnadeten Songschreiber Mike Heron die „Incredible String Band“ gründet, sehr effektvoll einzusetzen wissen, womit die Band zu den Gründervätern der Weltmusik wurde.

Ab dem zweiten Album, dem wegweisenden „The 5.000 Spirits of the Layers of the Onions“, gehört Licorice zur Band. Sie wertet den morgenländisch angehauchten LSD-Folk mit ihrer elfenhaften Stimme und bezaubernd semiprofessionellem Percussionspiel auf. Das folgende Jahr wird zum kreativ und kommerziell erfolgreichsten der Band, die mittlerweile auch Herons Freundin Rose Simpson als fixes Mitglied aufgenommen hat. Die beiden Hippiepärchen nehmen mit „The Hangman´s Beautifull Daughter“ eine LP auf, die mit einer zutiefst mystischen musikalischen Stimmung und mit rätselhaften spirituellen Texten einen bis heute nachhallenden Einfluss auf die Musik- und Esoterikszene ausübt – und auf jeden Hippie, der diese Bezeichnung verdient. Robert Plant sollte später sagen, dass Led Zeppelin ohne „Hangman´s“ nicht denkbar gewesen wären, und der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, wird 40 Jahre später von der Musik der Incredible String Band völlig ironiefrei behaupten, diese sei „heilig“.

Während einer US-Tour im Jahr 1968 wird die Band mit den Lehren von Scientology bekannt gemacht und schon bald ist die gesamte ISB Mitglied bei der umstrittenen Sekte und macht offen Werbung für Ron L. Hubbards Thesen, auch noch nach der Trennung der Gruppe im Jahr 1974. McKechnie bringt es angeblich bis zur höchsten Stufe der „Erleuchtung“, dem „Operating Thetan Level 8“. Von Williamson inzwischen getrennt, tritt die zarte Musikerin in den 70er Jahren immer wieder bei Scientology-Benefizkonzerten auf. In den frühen 80ern jedoch verschwindet Licorie von der Bildfläche. Gerüchte machen die Runde, dass sie von Scientology desillusioniert sei und sich „seltsam“ verhalte. 1989 behauptet ein Freund der Band, sie habe sich alleine auf eine Wanderung durch die Mojave-Wüste gemacht und sei niemals zurückgekehrt. Dagegen spricht freilich der Brief, den sie 1990 an ihre Schwester schreibt. Eine Nachfrage bei der Polizei von Los Angeles bringt die knappe Antwort, dass sie nicht auf der Liste der vermissten Personen stehe. Manche verbreiten unbewiesenermaßen, dass sie in einer Art Umerziehungskolonie von Scientology lebe. Mehrmals hat sich in jüngerer Zeit in Internetforen ein angeblicher Freund von McKechnie zu Wort gemeldet und behauptet, sie wohne zufrieden, aber weltabgewandt in Kalifornien. Heron und Williamson sagen bloß, dass sie nichts über den Verbleib ihrer früheren Kollegin wüssten – und dass Licories mittlerweile wieder recht volles Tantiemenkonto seit Jahren nicht angerührt worden sei. Auch ein von ihrer schottischen Familie angeheuerter Privatdetektiv konnte nichts über ihren Aufenthaltsort herausfinden. Falls Licorie McKechnie noch lebt, will sie nicht gefunden werden – oder jemand anderers will dies nicht.

In der Mitte: Licorice

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