Wenn ich einmal Faymann wäre

Ich will aus verschiedenen sehr guten Gründen nicht Werner Faymann sein, aber wäre ich er, dann würde ich jetzt meinen Beraterstab einberufen und ihn zusammenscheißen, dass man es noch in Bregenz hören könnte. „Was habt ihr euch dabei gedacht“, würde ich donnern, „mir zu raten, nur ja nicht vor dem Untersuchungsaussschuss aufzutreten? Es war doch abzusehen, dass erst diese Verweigerung dazu führen würde, dass ich jetzt in den Augen der Leute in einer Reihe mit Karl-Heinz Grasser, Ernst Strasser, Mensdorff-Pouilly und all den anderen blau-schwarzen Unschuldsvermutungskreaturen stehe. Warum nur habe ich auf euch gehört? Und wo habt ihr bitte PR gelernt? Bei Richard Nixon? Ich hätte da hingehen sollen, bestens vorbereitet, und die Bühne dafür nützen können um zu zeigen, dass ich nicht so bin wie die Mitglieder der Haider-Schüssel-Bande, dass es schon ein grundlegender Unterschied ist, ob man auf Kosten des Staates bei Privatisierungen privat mitschneidet, sich also kaufen lässt, und dem Steuerzahler Schäden in Multimillionenhöhe verursacht, oder ob man als Minister ein paar Inserate schaltet mit dem Geld, das ohnehin genau für diesen Zweck  zur Verfügung steht. Was übrigens alle anderen Ministerien auch machen. Und dass es ein gewaltiger Unterschied ist, ob ich ein paar Mal aus der „Krone“ lache im Zuge dieser Inserate oder ob ich ein Bundesland ausraube und dessen Bewohnern eine 19-Milliarden-Euro-Haftung aufhalse durch einen Bankendeal, an dem sich eine Clique Superreicher auf Kosten der Allgemeinheit bereichert hat, so wie das in Kärnten der Haider tat. Ich hätte da hingehen sollen um darüber zu reden, dass man, wenn man die Massen erreichen will, eben nicht im Gumpoldskirchner Gemeindeblatt inserieren muss, sondern in den auflagenstärksten Tageszeitungen. Ich hätte darlegen können, dass ich mir im Gegensatz zu den schwarz-blauen Gangstern und ihren Günstlingen nicht persönlich Geld unter den Nagel gerissen habe, sondern Öffentlichkeitsarbeit betrieb. Und ich hätte dann ein paar Spitzen machen können in Richtung jener „Qualitätsmedien“, die mich jetzt, nur weil sie bei den Inseraten halt durch die Finger geschaut haben, auf das Niveau von Leuten schreiben, die wirkliche Verbrecher sind. Das alles hätte ich tun können, hättet ihr mich nicht mit all eurer geballten Inkompetenz davon abgehalten. Ja ja, Laura, ich hab es noch im Ohr: Ein Kanzler geht nicht zum U-Ausschuss, damit würde er sich auf eine Stufe mit dem Gesindel, dessen Malversationen dort durchleuchtet werden, stellen. Hat ja ganz kurz einleuchtend geklungen, aber schon nach den ersten Reaktionen der ÖVP-nahen Medien und den ersten Kommentaren Grün wählender Bobo-Journalisten hätte es doch euch, und mir, klar sein müssen, wie der Relativierungshase läuft, und dass die schwarze Reichshälfte unter Zutun der Grünen nun alles daran setzen wird, die Inseratengeschichte zum Hauptthema zu machen um dadurch bei den simpler gestrickten Gemütern den Eindruck zu erwecken, es sei eh alles dasselbe, es sei eh alles gleich schlimm und wir Politiker seien eh alle käufliche Gauner. Der ÖVP und der FPÖ, die ja tatsächlich bis über die Ohren in Megaskandale und Strafprozesse verwickelt sind, kommt das natürlich gelegen wenn alle nur mehr von ein paar Inseraten reden und kaum noch jemand von Buwog, Eurofightern, Telekom, Hypo-Alpe-Adria und so weiter. Aber beim seligen Kreisky: Ihr seid doch Experten, ihr hättet das doch vorhersehen können, nein, müssen, aber in Wahrheit seid ihr eine Bande von Schönwetterjubelpersern, die von Public Relations so viel versteht wie der Grasser von Moral. Dank euch kommen Typen wie der Stronach, der übrigens genau jene Stimmen kriegen wird, die sich jetzt die Grünen erhoffen, aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus. Ihr seid gefeuert! Und Morgen hole ich mir Berater, deren Qualifikation sich nicht darin erschöpft, Netzwerke zum eigenen Fortkommen geknüpft zu haben. Baba und foids ned.“

Ja, das hätte ich gesagt, wenn ich Faymann wäre. Bin ich aber nicht. Zum Glück. Für mich.

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4 Gedanken zu “Wenn ich einmal Faymann wäre

  1. und wenn er hingeht und lindwurms flammende rede hält?
    dann haben ebendiese schwarzgrünen schreiberlinge tränen in den augen, pilz und vylimsky schluchzen und die sagenumwobenen „berater“ tanzen?

    oder zeigen pilz und vilymski den kanzler -wie geplant- wegen falschaussage an und lassen -die schwarzen weisungen kommen ja wie bestellt- gegen ihn ermitteln?

    wenn’s nur so einfach wäre …

  2. dann haben die nicht-faymann-fans eben in dieser episode den besseren „spin“ erwischt. ist doch kein anlass zur selbstentleibung.
    wieso fällt es „linken“ so schwer solche phasen ruhig zu durchtauchen?

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