Wenn Sparpolitik vor dem Erschießungskommando endet

In Spanien verprügelt die Polizei Menschen, die gegen den brutalen Sparkurs der Regierung protestieren. In Griechenland legen Streiks der verzweifelten Menschen das Land lahm. In Italien ist der Konsum auf das niedrigste Niveau seit 1946 zurückgegangen. Überall in Europa werden immer mehr Sozialleistungen gekürzt, Löhne und Renten werden zusammengestrichen, die Gesundheitsversorgung wird zurückgefahren. Zunehmend mehr Menschen wissen nicht mehr, wie sie sich und ihre Familien durch den Monat bringen sollen.

Ich möchte die Politikerinnen und Politiker, die an diesen Zuständen mit ihrem dummen Austerität-über-alles-Kurs Schuld haben, gerne an ein historisches Beispiel erinnern:

1982 beschloss der rumänische Diktator  Nicolae Ceauşescu, dessen Staat mit elf Milliarden Dollar bei der Weltbank und anderen Geldgebern in der Kreide stand, sämtliche Staatsschulden des Landes zu begleichen. Ein ehrgeiziger Plan, zu dessen Umsetzung unter anderem alle Mittel zur Lebensmittelproduktion in den Schuldendienst umgeleitet wurden, Löhne und Gehälter eingefroren und die verbliebene Industrie gnadenlos auf Export geprügelt wurde. Das Ergebnis war Hunger und Elend. Fleisch gab es nicht mehr zu kaufen, Mehl, Obst, Gemüse waren Mangelware. Der Bevölkerung wurde verboten, im Winter ihre Behausungen über zwölf Grad Celsius zu beheizen. Täglich wurden Strom und Gas stundenlang gesperrt. Verhütungsmittel wurden verboten, da sich das Regime durch eine Zunahme der Bevölkerung einen wirtschaftlichen Aufschwung erträumte. Ende der 80er Jahre hatte Ceauşescu die Auslandsschulden dann auf nur mehr fünf Milliarden gesenkt. Und während des Volk in einer zuvor nie gekannten Armut schmachtete, sonnte sich Ceauşescu im Wohlwollen des Westens, der ihn als vernünftigen Staatsmann und guten Schuldner lobte – und ließ einen protzigen Regierungssitz bauen, den größten der Welt. 1987, nach dem vierten Hungerwinter in Folge, kam es zur ersten Rebellion der Menschen, die für die Austeritätspolitik ihrer Regierung mit einem Dritt-Welt-Lebensstandard bezahlten: In Brașov gingen 20.000 Menschen mit der Parole „Wir wollen Brot“ auf die Straße und plünderten Lebensmittellager. Polizei und Armee schlugen den Aufstand schließlich mit Tränengas und Wasserwerfern nieder. Zwei Jahre später erhoben sich Hunderttausende und der Diktator und seine Gattin wurden live im Fernsehen erschossen.

 

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7 Gedanken zu “Wenn Sparpolitik vor dem Erschießungskommando endet

  1. wenn man schulden hat, wird man irgendwo sparen müssen, oder?
    aber wo?
    das ständige mantra vom sparen bei pensionen, gesundheitsversorgung und löhnen klingt auf’s erste eh logisch, aber schon alleine die tatsache, wer uns das dauernd vorsagt, sollte stutzig machen.
    also wo kann sinnvoll gespart werden?
    lohnnebenkosten, förderungen, steuererleichterungen … ?

    am „einfachsten“ und doch unmöglich wäre vielleicht eine grosse, zentralisierende reform des landes – wenn es um österreich geht.

    und ist man schon auf „dummen austerität-über-alles-kurs“, wenn man vermutet, dass manche teile der welt in einem überfluss leben, der womöglich nicht ewig haltbar sein wird?

    und was passiert mit jenem politiker, der es wagt zu behaupten, dass ein geförderter firmen-audi und ein fetter volkswagen pro familie unter umständen luxus sind, wenn im selben land menschen von dreistelligen beträgen im monat leben?

  2. Natürlich war die Idee die Schulden zurück zu zahlen der Grund für die schlimmen Zustände in Rumänien, oder ?
    Nicht der real-existierenden Sozialismus, nicht die brutale Diktatur.

    Hätte Ceauşescu die ineffizienten Staatsbetriebe reformiert und den Bürgern mehr Freiheiten gelassen, hätte es dann bei einer verbesserten Versorgungslage keine Aufstände gegeben ?

    Ach ja, die Katalonier wollen über ihre Unabhängigkeit abstimmen – sie sind es leid, für Spanien zu zahlen. Gut möglich das Spanien diese Unabhängigkeitsbestrebung mit Militär niederschlägt.
    Schließlich gefährdet es ja den Frieden in Europa, wenn man nicht für andere zahlen will, da ist ein Militäreinsatz zur Friedenssicherung schon zu vertreten.

  3. ja, „alreech“, stimmt schon irgendwie.
    ich bin es auch leid für solche wie dich mitzuzahlen.
    aber das ist offenbar der „real-existierende sozialismus“ …

  4. “ und der Diktator und seine Gattin wurden live im Fernsehen erschossen.“
    Auch wenn ich Kommunisten nicht leiden kann, der Mord hat nur bewiesen, dass sie schlimmer als die Diktatur sind.

  5. Ich Zitiere mich mal selbst:

    „Eine Grenze für Reichtum. Was ist in diesem Fall Reichtum? 1 Mio.? 5 Mio.? oder 10 Mio.? Diese Frage kann sich nur dann beantworten wenn es Weltweit nur eine einzige Währung gibt. Unser Geldsystem steht in den nächsten Jahren auf dem Prüfstand denn, so wie es jetzt läuft ist unser Geldsystem auf dem Weg zu seinem Ende.

    Gibt es auf der Welt nur eine Währung kann bestimmt werden was Reich ist. In Österreich bist du mit 10 Mio. Dollar ärmer als mit 10 Mio. Dollar in den USA. <– EIN BEISPIEL! Und genau hier ist das Problem: Reichtum kann SO nicht rational definiert werden.

    Bei aller Gutmütigkeit, aller Hoffnung und glauben aber der Mensch hat es die letzten Millionen Jahre ohne Reich – Mittel – Arm nicht geschafft und wird es die nächsten Millionen Jahre auch nicht schaffen.

    Hier gibt es aber trotzdem interessante Vorteile: Definieren wir diesen Reichtum doch selbst. Keiner kann Reicher als 5 Mio. (Beispiel) sein aber niemand ärmer als 1.000,- (Beispiel) Euro.

    Was passiert mit dem Geld das zu viel Verlangt wird?

    Dieses Geld dient zum Ausgleich. Wenn die ARMEN über Jahrtausende Menschen davor bewahren konnten nicht ARM zu werden, sich zu bereichern, dann drehen wir den Spieß eben um.

    Es ändert sich nur etwas für die Armen denn die Reichen bleiben REICH!"

    * Es ist doch so das Reichtum unbegrenzt ist, Armut dagegen ist begrenzt, nämlich mit dem Hungertod. Reichtum dagegen ist unendlich. Sollten wir vielleicht eine Grenze stellen?

    Ein Beispiel: 5Mio sind die Grenze für Reichtum, 1.000,- die Grenze für Armut. Was würde passieren wenn niemand reicher werden kann als 5.000.000? Würde sich viel ändern? Nein, nicht für die Reichen denn die würden den 4.999.000,- Abstand immer halten wollen aber es würde keine Armut mehr auf der Welt geben.

    Diese Theorie habe ich selbst mal vor Jahren in einem Sc-Fi Buch gelesen, keine Ahnung wo aber es klingt zumindest für mich Plausibel. Die Hoffnung das sich das jemals ändern wird habe ich aber nicht. Wieso sollten die Reichen das wollen? Was spricht dafür das die Kluft nicht von Tag zu Tag größer werden sollte? Entscheiden tun das sowieso die Reichen selbst, das Volk kann sich nur erheben und das wird es.

    Ich fühle einen Europäischen Frühling denn das macht mir Angst. Angst davor das wir in Deutschland, Österreich und Ungarn sehr viele Rechte haben die die Finanzkrise schon jetzt für Ihre eigene Sache nutzen und Benzin ins Feuer gießen.

    Lg

  6. Das Veheerende* daran ist, dass trotz der Austeritätspolitik die Geldmengen in Europa durch die EZB ständig und unverhältnismäßig erhöht wird – beinahe parallel zu den USA durch die FED. Alles Unheil ist neben der unglückseligen Euro-Einführung eine Folge davon, dass die Staaten sich das Geld ausleihen müssen, anstatt es selbst und hoheitlich zu verwalten. Das System der Zentralbanken ist ein Kartell – anders kann man es nicht mehr sagen.

    Einfach lächerlich, dass eine so kleine Volkswirtschaft wie Griechenland ganz Europa bzw. eine Währung wie den (ursprünglich so starken) Euro zum Kippen bringen sollte. Wenn, ja wenn das Bankenkosortium es zulassen würde, dass die europ. Gemeinschaft einfach die griech. Schulden weggepeckt hätte – wäre doch ein leichtes gewesen. Nein, es muß so sein, dass nur Tranchen geschickt werden. Denn den Gläubigern geht es gar nicht so sehr darum, das geliehene Kapital zurückzubekommen sondern mehr darum, die Völker am Schuldentropf zu halten, da der Zins und Zinseszins, – das dem Volk abgepreßte Geld – das einzig echte und wahre Kapital verkörpert. Denn Luftgeld läßt sich zu jedem Zeitpunkt generieren.

    Wenn man sich das Geschehen des langsamen Haircuts – (diesmal der der kleinen Leute) jetzt anschaut, kann man nur zu der Erkenntnis kommen, dass es im Eiltempo in Richtung Sklaverei oder Krieg geht – wahrscheinlich beides.

    Und am Kriege läßt sich doch herrlich verdienen – und nach dem Krieg erst recht.

    * Auch eines der vielen kriegerischen Worte, die unsere Sprache parat hat.

  7. Was ist Reichtum und Wohlstand ?

    Die wenigsten Reichen haben einen Geldspeicher auf der grünen Wiese in dem das Geld in Form von Bargeld rumliegt und sich auf magische Weise vermehrt.
    Momentan sind die Reichsten Deutschen die Albrecht Brüder – und denen ihr Reichtum steckt in den Aldi Märkten.
    Sicher beziehen sie aus diesem Kapital Renditen die sie selber für ihren Konsum verbrauchen. Auch wenn sie anders als Würth und Plattner keine auffällig teuren Hobbys wie Jachten, Flugzeuge, Kunstsammlungen, Fußballvereine und Startup-Unternehmen ( Würth-Solar ? ) haben.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_reichsten_Deutschen

    Wie man als Unternehmer an die Rendite kommt ist unterschiedlich:
    Hat man einen Funktion im Unternehmen und bekommt ein Gehalt zahlt man darauf Steuern – meist mit den höchsten Steuersatz.
    Nutzt man Firmenwagen und -Flieger muss man das als Geldwerten Vorteil versteuern.
    Auf Kapitalerträge wird eine Steuer von 25% fällig, egal ob man reich oder arm ist. Das ist natürlich genauso ungerecht wie die Tatsache das ein reicher Menschen der sich eine Yacht oder einen Ferrari kauft genauso viel Mehrwertsteuer zahlt wie ein armen Mensch, der sich eine Yacht oder einen Ferrari kauft.

    15,4 Milliarden Kapital hört sich nach ziemlich viel Geld an… und ist im Vergleich zu den 50 Milliarden die allein die Allianzversicherung jährlich an Beiträgen von ihren Versicherungskunden einsammelt ziemlich wenig.
    Wenn man den Reichtum sucht, dann muss man auf Organisationen schauen, nicht auf Personen.

    Also muß die Frage nicht lauten ob ein Mensch 5 Millionen Euro braucht, sondern ob eine Versicherung oder eine große Supermarktkette oder eine Softwarefirma oder ein Technologie-Konzern wirklich 5 Millionen Euro braucht, oder ob es der Menschheit besser geht wenn man alles was darüber liegt verteilt.
    Was hat noch mal die Angestellte bei Aldi davon, das ihr Arbeitgeber weniger Kapital hat ?
    Was hat sie davon, das ihre Versicherung ihr nicht mehr im Fall einer Berufsunfähigkeit eine Rente zahlen kann ?

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