Martinz-Urteil: Wo steht Kärnten?

Heute wurde am Klagenfurter Landesgericht ein vernichtendes Urteil über das „System Haider“ gefällt. Josef Martinz, der Haider nicht nur den Steigbügelhalter, sondern auch den Komplizen gemacht hatte, wurde zu fünfeinhalb Jahren unbedingter Haft verurteilt. Erstinstanzlich und noch nicht rechtskräftig, klar. Richter Manfred Herrnhofer hat mehrmals deutlich gemacht, dass Jörg Haider in schwer kriminelle Machenschaften verwickelt war. Ob das jenen Dumpfbacken, die noch heute täglich an der Stelle, an der sich Haider besoffen zu Tode gefahren und damit aus der irdischen Verantwortung gestohlen hatte, Kerzlein anzünden, ein Licht aufgehen lässt? Wünschenswert wäre es, aber man sollte die Hoffnungen nicht zu hoch schrauben, sind diese Kerzerlanzünder doch zum einen Teil Profiteure vom System Haider, zum anderen Schwachköpfe und Nazis, die sich seit dem Tag, an denen ihnen Haider die Hand geschüttelt hat, eben diese nicht mehr gewaschen haben vor lauter Ehrfurcht. Die einen, die Komplizen und Kofferträger, haben viel zu verlieren, sollte die juristische Aufarbeitung der unseligen Haiderzeit weitergehen. Die anderen, die Dummen und Braunen, würden Haider selbst dann noch für einen großen Mann halten, wenn Videos auftauchten, die ihn beim Vergewaltigen von Kindern zeigten. Bleibt zu hoffen, dass diese zwei Gruppen nicht annähernd die Mehrheit in Kärnten repräsentieren, dass die vielen Opportunisten und Miniprofiteure, die sich immer nach der Macht ausrichten wie Sonnenblumen nach der Sonne, aufwachen und Haider und seine Diadochen als das sehen,was sie waren und sind: Eine Bande von Selbstbereicherern und Steuergelddieben und Münchhausens. Die nächsten Wahlen werden zeigen, wo Kärnten steht: Auf der Seite von Gangstern oder auf jener des Rechtsstaates.

Eines hat der Birnbacher-Prozess nachgewiesen: Es GIBT in Kärnten engagierte Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft und Journalisten, die nicht locker lassen, die sich nicht dieser Lähmung ergeben haben, mit der das Haidersystem das Land überzogen hat, eine Lähmung, die dazu führte, dass die meisten Leute angesichts der seit langem bekannten kriminellen und unmoralischen Machenschaften der blauen und schwarzen (und teilweise auch roten) Seilschaften nur mehr mit den Schultern zu zucken in der Lage waren. Oder gleich auswanderten aus diesem Land, das verflucht und von Idioten bewohnt und beherrscht zu sein schien. An dieser Stelle daher ein herzliches Dankeschön an die Grünen und an jene Privatpersonen, die mit Anzeigen und Sachverhaltsdarstellungen der Justiz keine andere Wahl mehr ließen, als zu handeln. Und natürlich ein großes Lob an Manfred Herrnhofer, der den aktuellen Prozess souverän führte und sich nicht einschüchtern ließ.

Und etwas Persönliches muss ich hier auch noch loswerden: Ich habe die SPÖ, und das war vor mehr als zehn Jahren, eindringlich davor gewarnt, mit Haider auf welche Art auch immer zusammen zu arbeiten. Das hat dem rechten Flügel, den Mocks, den Seifrieds, den Köfers und ähnlichem Gelichter, gar nicht gefallen. Aber nein, der Haider sei doch ein Guter eigentlich, hieß es, und man müsse doch „Realpolitik“ mit ihm machen, das verlangten auch die Wähler. Und diese Leute haben sich in der SPÖ Kärnten jahrelang durchgesetzt . DESWEGEN mussten die Grünen ran, um all die Skandale und Verbrechen der Haider-Gang aufzudecken. Die SPÖ wollte lange keine Oppositionsarbeit machen, sie wollte lieber im kuscheligen Volksgemeinschaftsbett mit den Blauen und Schwarzen liegen, so nach dem Motto: „Mia san olle nua Kantna, nit?“ Das hat sich glücklicherweise geändert, aber wertvolle Jahre gingen verloren, und wertvolle Millionen an Steuergeld verschwanden in dunklen Kanälen. Und einige Menschen, darunter der Lindwurm, sind fast zugrunde gegangen an dieser widerlichen Konsenspolitik um jeden Preis.

Was werden nun die Konsequenzen sein aus diesem auch für die ÖVP vernichtendem Urteil? Wird es sich bis in die Parteizentrale der Österreichischen Volkspartei herumsprechen, dass mit „Freiheitlichen“ kein Staat zu machen ist? Dass das Schweinigeln mit Parteien, die vom Korruptions-Tripper befallen sind, nicht bloß ein wenig pfui gack ist, sondern in eine Gefängniszelle führen kann? Die Kärntner Schwarzen scheinen zumindest vorerst kuriert zu sein von der Wahnidee, dass alles besser sei als Rot oder Grün. Scheinen, wohlgemerkt, denn auch der neue Kärntner ÖVP-Chef schließt eine Koalition mit Haiders Erben nicht aus. So wie die Bundes-ÖVP es nicht ausschließt, vielleicht doch mit dieser Bande, die bis über beide Ohren im Kriminal steckt und deren Chef antisemitische Zeichnungen im Nazi-Stil verbreitet, zu koalieren nach den nächsten Wahlen. Aber wer weiß, vielleicht schafft ja die Justiz, dass in diesem Staat aufgeräumt wird und keiner mehr da ist zum Koalieren, weil alle in Frage kommenden im Häfen sitzen?

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3 Gedanken zu “Martinz-Urteil: Wo steht Kärnten?

  1. Die Bundes-ÖVP HAT nicht angekündigt mit der FPÖ zusammenarbeiten zu wollen, einzelne Meinungen spiegeln nicht die ÖVP wieder.

  2. Herr Torsch, Sie glauben immer noch an das gute im Großteil der Kantna? Na ois guate beim scheitan!

    Nein im Ernst, ich kann Ihnen nur zustimmen, dieses Land muss sich wirklich gefasst machen und hoffentlich haben die Haider-Freindln hier keine Mehrheit bei den nächsten Wahlen. So langsam glaube ich aber, da bin ich nicht der einzige, dass die FPK gerade in der Opfer-rolle immer mehr Unterstützer bekommt.

    Liegt wohl am Mutterinstinkt mancher Großmütter die die Uwes, Kurtls und Gerhards hier immer wieder unterstützen.

    Lg,
    Safet

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