Slowenen SIND „richtige Kärntner“, Herr Finanzlandesrat Dobernig

Dem Kärntner Finanzlandesrat Harald Dobernig liegen, wie den meisten Freiheitlichen, die Nerven blank, droht ihnen doch das System Haider, in dem sie alle groß und mächtig und wohlhabend geworden sind, im Zuge diverser zu erwartender Gerichtsverfahren und vielleicht auch bei den nächsten Landtagswahlen um die Ohren zu fliegen. Um zumindest letzteres, also ein Wahldebakel, zu vermeiden, tun die Blauen jetzt zunächst mal das, was im Poesiebuch für den kleinen Politiker so beschrieben wird: „Lässt das Glück dich mal im Stich / schare der Wähler Kern um dich“. Dobernigs Auftritt beim Kärntner Abwehrkämpferbund, welcher trotz Mangels an abzuwehrenden Gefahren immer noch existiert, hält sich genau an diese Anleitung. Indem er dort nationalistischen und faktisch völlig falschen Stuss („Kärnten ist nicht zweisprachig“) von sich gab und die slowenische Volksgruppe auf das Gröbste beschimpfte („Man hat bereits den Eindruck, dass in Kärnten mehr Slowenen als richtige Kärntner leben“), hoffen er und seine Parteikameraden, zumindest bei den „Tausendprozentigen“ gut Wetter für sich zu machen, also bei denen, die wirklich durch und durch „deutschnational“ denken. Und von den „Tausendprozentigen“, die ohnehin die FPK/FPÖ wählen, weil es die NASDAP halt nicht mehr gibt, erwarten  sich Dobernig & Co einen Ausstrahleffekt auf jene Kärntnerinnen und Kärntner, die zwar keine Nazis sind, sich aber immer wieder gerne Feindbilder aufschwatzen lassen, um sich selbst nicht gar so armselig zu fühlen.

Dobernigs Aussagen sind jedoch nicht nur ein durchschaubares politisches Manöver, sind sind auch wahnwitzig und hochgradig paranoid. In welchem Paralleluniversum lebt der Mann, wo „die Slowenen“ oder „das Slownische“ die „richtigen“, also deutschprachigen Kärntner an die Wand drücken würde? In dem Universum, in dem ich lebe, habe ich nämlich in den 40 Jahren, die ich mit Unterbrechungen in Kärnten verbracht habe, immer nur das genaue Gegenteil von dem erlebt, was Dobernig fantasiert. Ich habe in der Volksschule erstmals von der Existenz von Slowenen erfahren, aber nicht als einem Teil der Kärntner Bevölkerung, sondern als Fünfte Kolonne grausamer Tito-Kommunisten, die, so zeichnete es der Lehrer mit farbigen Kreiden an die Schultafel, in Gestalt eines riesigen Skeletts, das, ein Messer zwischen den Zahnstumpen geklemmt, über die Karawanken kletterte, „unser“ Land stehlen wollten. Danach habe ich bis zur Matura im Unterricht nie wieder von Slowenen gehört. Es gab keinen Slowenischunterricht in meinen Mittelkärntner Schulen, nicht einmal als Freifach, und die Geschichte der slowenischen Volksgruppe wurde nicht thematisiert. Hätte ich nicht Zeitungen und Bücher gelesen, würde ich „die Slowenen“ für einen exotischen Volksstamm irgendwo weit weg gehalten haben können statt für das, was sie waren und sind, nämlich die Kärntner Urbevölkerung, die sehr lange auch die Mehrheitsbevölkerung war, wovon ja Orts- Flur- und Familiennamen bis hinauf ins oberste Mölltal bis heute Zeugnis ablegen. Aber auch später, als ich ein leidlich informierter und gebildeter Mensch war, konnte ich nirgendwo eine Dominanz der Slowenen orten. Immer und überall nur das Gegenteil. Kärntner Slowenen, das waren bis weit in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein Mitglieder einer Minderheit, die man in Kärnten wo immer es auch ging diskriminierte, deren Sprache weitgehend totgeschwiegen wurde, auch weil die Minderheit selber aus Angst oft schwieg oder lieber Deutsch sprach, und der besoffene Mobs unter den Augen der Polizei und mit augenzwinkernder Unterstützung durch Politiker aller Parteien mit Ausnahme der Kommunisten ihre verfassungsmäßig garantierten Rechte vorenthalten konnten. Nie waren diejenigen, die Dobernig als „richtige Kärntner“ klassifiziert, auf irgendeine Weise gegenüber der Minderheit im Nachteil. Die Minderheit aber erfuhr immer wieder und in vielen Lebensbereichen die kleinen und großen Demütigungen, die Mehrheiten in weniger zivilisierten Gegenden für Minderheiten nun mal parat haben, vom Mobbing des einzigen slowenischen  Rekruten in der Bundesheerkompanie bis zur Verweigerung slowenischsprachiger Dokumente in den Ämtern, vom An-den-Rand-Drängen slowenischsprachiger Menschen in Firmen und Parteien bis zum seelischen Ausnahmezustand in Familien, in denen Eltern den Kindern die eigene Sprache zu benutzen verboten, da sie um deren Fortkommen fürchteten. Und über all dem noch der bis heute andauernde Skandal, den militärischen Widerstand gegen die Nazis, an dem fast ausschließlich Slowenen beteiligt waren und der die größte patriotische Tat war, die Kärntner je vollbracht hatten, zu kriminalisieren und zu desavouieren zu versuchen, während sich jene Vaterlandsverräter, die das österreichische Kärnten an Deutschland auslieferten und in Kärnten und am gesamten Balkan die unsäglichsten Verbrechen begingen, sich bis heute als Unschuldslämmer und gar als Beschützer Kärntens aufspielen. Das ist genau dieselbe Realitätsverzerrung, in der auch ein Dobernig und ein Heimatdienst und ein Kameradschaftsbund zu existieren scheinen.

Nein, Herr Dobernig, Kärnten ist sehr wohl zweisprachig. War es immer und wird es hoffentlich immer bleiben. Und wenn wir uns auf ihr widerliches völkisches Niveau begeben wollen, dann sind die Kärntner Slowenen historisch betrachtet die „richtigen Kärntner“. Richtiger jedenfalls als jener Oberösterreicher, der in Kärnten seine schäbige Karriere gemacht hat und dem sie und so viele andere hier hinterher gelaufen sind. Aber wissen sie was, Dobernig? „Richtige Kärntner“ sind de jure alle, die hier leben und die Staatsbürgerschaft haben, und für uns vielen Kärntnerinnen und Kärntner, die im Gegensatz zu ihnen offene Menschen sind, ist jeder ein Kärntner, der einer sein will, und der mit unserer eher entspannten slawisch-italienisch-deutsch geprägten Kultur und Mentalität zurecht kommt. Von mir aus könnt ihr auch euren Oberösterreicher auf ewig als Kärntner bezeichnen, mir doch egal. Es sind ja auch Vollidioten und Nazis und Rassisten „richtige Kärntner“, wenn auch nicht von allen Kärntnern geliebt und geachtet, wie ihr euch das vielleicht einbilden mögt. Kommen sie endlich im 21. Jahrhundert an, Dobernig, wir warten auf sie. Es ist eine gar nicht so schlechte Zeit, in der niemand mehr nach den Zufällen der Geburt beurteilt wird, nicht nach der Muttersprache und auch nicht nach seiner oder ihrer sexuellen Orientierung. Aber wenn sie und ihresgleichen lieber in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts bleiben wollen, sei ihnen auch das freigestellt, freilich mit der Warnung versehen, dass wir anderen es uns nicht gefallen lassen werden, dass sie dieses Verharren im ewigen Gestern als „richtig kärntnerisch“ verkaufen wollen und damit all jene von uns, die eben genau nicht so sind wie sie, beleidigen und vor der Welt zum Gespött machen.

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9 Gedanken zu “Slowenen SIND „richtige Kärntner“, Herr Finanzlandesrat Dobernig

  1. Volle Zustimmung, einfach auf den Punkt gebracht!

    Dobernig ist zwar selbst slawischer Abstammung aber gegen die eigenen Wurzeln ankämpfen war schon immer eine Stärke der braunen!

  2. Wo sind eigentlich die Deutschen abgeblieben, die in Slowenien bzw. Jugoslawien gelebt haben? Marburg und Laibach hießen ja nicht zufällig so.
    Da könnte man auch mal einen Artikel drüber schreiben, aber Wahrheit ist nicht die Sache der radikalen Linken.

  3. ad @olaf

    sich um deutsch(e)/sprachige zu kümmern, ist nicht opportun. deutsche waren und sind einfach immer nur die pöhsen schlechthin. so schauts aus.

  4. @Amnesty
    So siehts aus, in der linken Märchenwelt.
    Blogplus hat auch noch nie was von Vertreibungen, Internierungen und dem Marburger Blutsonntag gehört, als guter Linker.

  5. Zum tausendsten Mal erklärt, doch die Deutschnationalen werden diese Geschichte wie die 999 Male davor ignorieren und verdrehen und sich als Opfer stilisieren. Der Slowene als Sündenbock funktioniert immer noch, es ist absurd. (zB hier (die Anrufer): http://kaernten.orf.at/studio/stories/2501027/)

    @ Olaf, ja wo sind sie denn, die Deutschen? zB hier sind sie geblieben: „Im sogenannten Rann-Dreieck im Gebiet von Gurkfeld (Krško) und Rann (Brežice) an der Save wurden in Bauernhöfen verschleppter Slowenen etwa 11.000 Gottscheer (…) angesiedelt.“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Sloweniendeutsche#Zweiter_Weltkrieg

    (Daß es deutschsprachigen im SHS-Staat und später im sozialistischen Jugoslawien nicht sehr gut ging, will ich damit gar nicht bestreiten. Ich unterstelle aber, daß Sie, Olaf, und andere Relativierer, die Geschichte überhaupt nicht kennen, oder nur aus einer sehr zweifelhaften Opferposition.)

  6. „nicht sehr gut ging“
    Ach nee, hatten sie kein Kabelfernsehen in den Internierungslagern?
    Die Deutschen wurden ermordet oder vertrieben, ihr linken Märchenonkel, hört auf zu lügen.

  7. So, jetzt platzt mir langsam der Kragen, ihr rechten Geschichtsrelativierer. Kein „Deutscher“ wäre vertrieben oder ermordet worden, hätten nicht zuvor allzu viele Deutsche in diesen Gebieten sich jubelnd den Nazis angeschlossen und hätten die Nazis nicht Völkermord an jenen betrieben, deren Überlebende danach Rache an eben diesen „Deutschen“ verübten. Gegen das, was die Nazi-Wehrmacht im Osten und am Balkan verbrochen hatte, war das, was danach als REAKTION kam, ein Lercherlschaaß.

  8. Der Marburger Blutsonntag, 1919, auf was war dieses Verbrechen denn die Reaktion oder Rache?
    Seit 1919 wurden die Deutschen in den Nachfolgestaaten der K.u.K. Monarchie unterdrückt, Jugoslawien, Tschechoslowakei, Polen etc..
    Die Pläne zu deren Vertreibung und Ermordung lagen schon in den Schubladen und wurden dann 1945 ausgeführt unter dem Vorwand der Reaktion auf die NS Zeit.
    Fakt ist, dass die Slowenen in Kärnten besser behandelt wurden und werden als die Deutschen in Slowenien.

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