Rage against the machine

Gerade war ich einkaufen beim „Eurospar“ in der Klagenfurter Villacher Straße. Man hat umgebaut. Statt wie bisher eine gibt es jetzt vier Automatenkassen, nur mehr zwei sind mit Menschen besetzt. Blöd an der Sache ist aber nicht nur, dass die Roboterkassierer andauernd diverse Kunden überfordern, was dazu führt, dass die verbliebenen menschlichen Angestellten denen zu Hilfe eilen müssen und sich dadurch der Bezahlablauf verkompliziert statt vereinfacht. Nein, blöd ist vor allem eines, und das verrate ich jetzt exklusiv all den „Experten“ und neoliberalen Propagandalautsprechern, die uns immer wieder einzureden versuchen, das Sozialsystem und die Renten seien nicht mehr finanzierbar: Diese Roboter zahlen keine Sozialversicherungsbeiträge. Und diese Roboter sind nicht die einzigen ihrer Art. Immer mehr Branchen automatisieren, reduzieren Arbeitsplätze, rationalisieren Menschen weg, und das bei steigenden Profitraten. Leider ist die Politik zu feige und/oder zu faul, eine „Maschinensteuer“ (Wertschöpfunsabgabe) einzuführen, und so müssen immer weniger Arbeitnehmerinnen die Lasten schultern, die doch erst dadurch so schwer werden,weil immer weniger Arbeitnehmer benötigt werden. Allein deswegen schon ist der Spruch „geht´s der Wirtschaft gut, geht´s uns allen gut“ Unsinn. Wir sehen ja, dass die Wirtschaft auch ganz prima ohne „uns alle“ auskommt. Konsumieren sollen wir schon, ja, aber unsere Arbeitskraft zu verkaufen wird uns immer schwerer gemacht. Es soll nun bitte keiner denken, ich hätte prinzipiell was gegen Rationalisierung und Automatisierung. Nein, das könnte eine feine Sache sein, falls wir einen Weg finden, die wegrationalisierten und durch Automaten ersetzten Menschen zu versorgen.

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7 Gedanken zu “Rage against the machine

  1. Danke für die Warnung, letztens war ich drinnen beim UPC und dachte mir, ich müsste auch mal in diesen futuristischen Spar rein. Bin dazu nie gekommen, wohne aber in der Nähe, und von Roboterkassen höre ich nun zum Ersten Mal (in Klagenfurt).

    Somit ist für mich dieses „Geschäft“ gestorben da ich selbst dem Beruf des Händlers nachgegangen bin und es mich doch trifft wenn ich sehe das eine Berufsgruppe die meiner Ähnelt durch Maschinen ersetzt wird!

    Zum Speibn!

    LG
    Safet

  2. Eine Maschinensteuer ist längst überfällig, der technische Fortschritt soll ja den Arbeitern zugute kommen, aber wenn der Arbeitslose nicht den Ertrag durch die Maschine erhält, die ihn ersetzt hat, ist ein Fehler im System.

  3. Zu den Kassen: soweit ich das verstehe ist die Idee, dass eine Angestellte 2 oder 4 Kassen gleichzeitig bedienen kann. Es ist nicht vorgesehen das ganz ohne Aufsicht laufen zu lassen.

    Rationalisierungen und Abbau von Arbeitsplätzen ist i.A. positiv zu bewerten. Die Arbeit, die durch Maschinen ersetzt wird ist fast immer die Art von Arbeit, die besonders schwer, ungesund oder eintönig ist. Spätestens seit der industriellen Revolution jammern Menschen, dass diese ganzen Maschinen den Menschen die Arbeit wegnehmen – aber es ist noch nie der Zustand eingetreten, an dem den Menschen die Arbeit ausgegangen wäre. Im Gegenteil, die Rationalisierungen der Vergangenheit sind heute selbstverständlich, und die Vorstellung diese Rückgängig machen zu wollen erscheinen vollkommen absurd.

    Und davon abgesehen, dass die Rationalisierungen dazu führen, dass die Arbeit der Menschen angenehmer wird, erzeugt das natürlich auch Wohlstand. Der Umstand, dass Waren und Dienstleistungen zu einem beträchtlichen Teil von Maschinen hergestellt werden ist die Voraussetzung dafür, dass sich eine breite Bevölkerungsschicht diese überhaupt leisten kann.

  4. @Michael: Was wird denn für uns besser wenn in einer wirtschaftlich toten Stadt noch mehr Menschen arbeitslos werden?

    Vielleicht sind Roboterkassen in Wien, Linz oder Graz etwas erleichterndes aber in Klagenfurt das fast ausschließlich vom Handel lebt ist es eine Plage.

    Sind Sie aus Klagenfurt?

    Lg
    Safet

  5. da gibts zwei schöne bücher zu dem thema:

    „Maschinenwinter“ von Dietmar Dath und
    „Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft“ von Jeremy Rifkin und Thomas Steiner

    Pfugge

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