Was man Eurogegener fragen sollte

Demjenigen, der in Österreich oder Deutschland wohnt und in der derzeitigen Situation für eine Abschaffung des Euro eintritt, sollte man folgende Fragen stellen: Ist er ein Narr, der nicht weiß, dass dies die Exportwirtschaft in seinem Land zusammenbrechen lassen würde? Ist er ein Schwein, das sich darüber freuen würde, wenn in Südeuropa Hunger herrschte und die Menschen, wie in der Dritten Welt, an behandelbaren Krankheiten stürben, weil die Behandlung dieser Krankheiten natürlich in „Nord-Euro“, D-Mark oder Dollar verrechnet werden würde statt in Drachme oder Lira? Oder ist er einer, der zu den wenigen wirklich Reichen gehört, einer, der seinen steuerlichen Lebensmittelpunkt in der Schweiz hat, in aller Welt über Immobilien und Beteiligungen und Ackerland und Gold verfügt und für den eine extreme Wirtschaftskrise, wie sie die Abschaffung des Euro nach sich zöge, vor allem eines bedeutete: Günstige Einkaufmöglichkeiten überall und ein durch die Decke schießender Goldkurs, der das bereits angehäufte Vermögen nominell noch fetter aussehen lassen würde? Oder halt einer, der von dieser letzten Gruppe dafür gut bezahlt wird, so zu tun, als sei er dumm, um die Dummen noch weiter zu verdummen? Oder ist er ein Nazi, ein Faschist, oder, scheinbar dem entgegengesetzt, ein „Kommunist“? Wer vom totalitären Staat träumt, dem würde der totale ökonomische Zusammenbruch  Europas natürlich ganz recht sein. Schon jetzt erstarken sie ja überall, die Faschos und die faschistoiden politisierenden Milliardäre und in manchen Staaten eben auch die Linksextremisten. Und die Nationalisten aller Couleurs. Und mit deren Comeback wird auch der Krieg zurückkehren nach Europa. Das bestreiten all die oben angeführten Typen natürlich, aber in Wahrheit denken die anders, Menschenleben sind denen völlig egal, so lange nur der Profit stimmt oder die Chancen zur Umsetzung der eigenen ideologischen Ideen merkbar  besser werden.

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23 Gedanken zu “Was man Eurogegener fragen sollte

  1. In meinen Augen ist jeder Eurogegner ein Idiot. Man kann es schön reden, versuchen Verständnis zu zeigen aber im Prinzip ist jeder Eurogegner ein Idiot. So sehe ich das.

    LG,
    Safet

  2. Gute Fragen, aber stellen wir sie einfach mal umgekehrt.
    Demjenigen, der in Deutschland oder Österreich lebt und den Erhalt des Euro – koste es was es wolle – fordert sollte man folgende Fragen stellen:
    Ist er ein Idiot, weil er die Aufrechterhaltung eines Rezessionmechanismus fordert, der Südeuropa in Elend, Arbeitslosigkeit, Deflation und Massenarmut stürzt und in Nordeuropa die Kaufkraft drückt und Steuererhöhungen nach sich zieht? Ist er ein Schwein und charakterloser Hasardeur, weil er sich darüber freut, wie Südeuropa am Euro kaputtgeht und wie dort Massenarbeitslosigkeit, Deflation, Abwanderung, Hunger und Subsistenzwirtschaft die Bevölkerung verarmen? Ist er ein Lügner, weil er verschweigt, daß MIT dem Euro grade jetzt sich viele Griechen keine medizinische Versorgung mehr leisten können und für die Armen die Medikamente immer knapper werden? Ist er ein gewissenloser Ideologe, weil ihm der Euro soviel bedeutet, daß für seinen Erhalt die Menschen Südeuropas gut und gerne an Hunger sterben können oder ihre Wirtschaften immer mehr kaputtgehen, ihre Tourismusindustrie durch den teuren Euro zerdrückt wird und sie nichts mehr selber exportieren können und so Importkolonien der deutschen und französischen Großindustrie werden? Ist er so vom Euro überzeugt, daß ihn diese Ideologie über das Leben und den Wohlstand von Millionen Bürgern in Süd- wie Nordeuropa geht? Sind ihm die durch den Euro immer mehr verarmenden Griechen egal?
    Und die letzte und wichtigste Frage: Wieso verhindert er eine politische Krisenlösung durch geordnete Rückabwicklung des Euro und die Rückkehr zu Gulden, Lira, Franc, Drachme, Mark und Schilling innerhalb eines Wechselkurssystems wie es in Europa unter dem Ecu und dem EWS von 1979 bis 1998 schon existiert hat und zudem gut funktionierte? Der Euro hat die größte Wirtschaftskrise in Europa seit 1929 ausgelöst und nur seine geordnete Abschaffung wird wieder stabile wirtschaftliche Verhältnisse herstellen. Der Euro ist kein Mittel zur Lösung der Krise in Europa, der Euro ist der Auslöser der Wirtschaftskrise in Europa. Erst wenn er beseitigt ist, wird es wieder bergauf gehen.
    Nicht zu vergessen ist auch, daß der Euro erst den Boden für Nationalismus in Europa wieder bereitet hat, was man an dem Haß zwischen Deutschen und Griechen aktuell sieht. Vor dem Euro verstand man sich besser, es waren alte Vorurteile längst abgebaut, die jetzt wieder auftauchen.
    Kurz gesagt: Wenn hier schon auf Charakterfragen angespielt wird, muß sich jeder Eurobefürworter den Vorwurf gefallenlassen, ob nicht die Leute „Schweine“ sind, die die Aufrechterhaltung des Euro koste es was es wolle fordern und denen dabei Leben und Wohlstand der Menschen in Europa völlig egal sind. Wer wie Merkel oder Barroso einen griechischen Bauern für den Erhalt des Euro in Hunger und Armut zu treiben bereit ist, ist für mich ein Schwein.

  3. In meinen Augen ist – um die Diktion aufzugreifen – jeder Euro-Befürworter ein Idiot.
    Die, die dafür sind, bezahlen bestimmt auch die Strafmandate ihrer Nachbarn, wenn diese wieder einmal zu schnell gefahren sind.

  4. @Daniel_ Der Euro hat gar nichts ausgelöst, der hat im Gegenteil bislang verhindert, dass die Krise die Ausmaße von 1929 ff angenommen hat. Aber was noch nicht ist kann mit Merkels Austeritätspolitik ja noch werden. Dafür kann aber der Euro nichts. Und noch einmal bezüglich der griechischen „Bauern“, wie sie sie nennen: Denen geht es jetzt schon schlecht, ohne Euro würden die schwachen Länder aber binnen Wochen eine weit schlimmere Katastrophe erleben. Und natürlich dann nach kurzer Verzögerung auch die „reichen“ Länder. Schon jetzt sorgt ja die Sparen-über-alles-Politik für einen Einbruch von Handel und Produktion in ganz Europa. Ohne Euro können VW und Daimler und tausende andere Unternehmen gleich zusperren. Es wird keine „geordnete“ Rückabwicklung des Euro geben, da die Industrien und Volkswirtschaften nicht mehr die von 1975 sind, sondern die eines verwobenen und voneinander abhängigen Europa 2012.

  5. @ Daniel: Gute Einwände. Sind diese möglich, weil der Euro noch viel zu sehr als E-Mark gehandhabt wird, als das Mittel deutscher Großmachtpolitik, das Mitterand verhindern wollte?
    Nicht auszudenken, wie sich Deutschland (vielliecht im Verein mit dem immer wieder mitmarschierenden Österreich) erst aufführen würde, wenn es die D-Mark in Stellung bringen könnte.

  6. @lindwurm

    Ohne den Euro wären die Südländer gar nicht in der Misere, in der sie sich jetzt befinden. Einem Land wie Griechenland wäre es wahrscheinlich gar nicht erst gelungen sich dermaßen zu überschulden, wenn es durch den Euro nicht von der Bonität der Nordländer hätte profitieren können.

    Und falls doch, dann hätte Griechenland einfach die Bedienung seiner Schulden einstellen können – wie schon so oft in seiner Geschichte. Und nach ein bis zwei Jahren wirtschaftlicher Krise wäre es mit einer abgewerteten Währung wieder bergauf gegangen.

    Dank dem Euro ist den Griechen dieser Weg abgeschnitten.

    Die Gemeinschaftswährung hat aus der nationalen Schuldenkrise einer relativ unbedeutenden Volkswirtschaft eine gesamteuropäische Dauerkrise gemacht.

    Ich frage mich schön langsam, wie lange das noch so weitergehen und wie tief Europa in der Scheiße versinken muss, bis sich die Einsicht durchsetzt, dass der Euro vielleicht doch nicht so eine tolle Idee war.

  7. Lindwurm, merkst du den Widerspruch?
    Der Euro hat gar nichts ausgelöst, der hat im Gegenteil bislang verhindert, dass die Krise die Ausmaße von 1929 ff angenommen hat.

    und

    Es wird keine “geordnete” Rückabwicklung des Euro geben, da die Industrien und Volkswirtschaften nicht mehr die von 1975 sind, sondern die eines verwobenen und voneinander abhängigen Europa 2012.

    Einerseits willst du Parallelen mit einer Zeit, die mehr als 80 Jahre zurückliegt, herstellen und andererseits ist dir ein Vergleich mit 1975 schon zu weit hergeholt. Immer so, wie man es gerade braucht. Den Euro jedenfalls hat außer gewissen Bankenkonsortien niemand gebraucht.

    Ach ja, das ewige Geldwechseln ist so umständlich und vor allem TEUER…..

    (Und laßt doch bitte die Schweine in Ruhe. Was können die für die Blödheit der Menschen?)

  8. Vielleicht war und ist der Euro keine gute Idee aber er ist zumindest in Deutschland, Österreich, Frankreich und in anderen Ländern eine tragende Säule dieser schwachen EU Wirtschaft. Ohne den Euro hätte Österreich einige Prozent mehr Arbeitslose und von einer stagnierenden Wirtschaft darf man ja erst nicht nachdenken.

    Man hat mit dem Euro vieles falsch gemacht aber der Euro selbst ist das beste was uns je passieren konnte. Richtig wäre es in meinen Augen die Griechen, die eh nicht mehr zu retten sind, bei einer Pleite zu unterstützen und beim Neuaufbau, mit dem Euro, erneut zu helfen.

    Die EU, unsere Wirtschaft hat viele Fehler und Fehler gemacht aber ein abschaffen vom Euro würde uns in eine Krise stürzen die es noch nie in Europa gegeben hat. Jedes Land würde versuchen Ihre eigene Währung zu stärken, zur führenden Währung in Europa zu machen, wo spielt Österreich mit? Nirgendwo weil wir selbst weniger als wenig an Wirtschaftskraft haben.

    Zu der Situation in Klagenfurt: http://www.blogplus.at/2012/08/schafft-den-euro-ab-und-karnten-gleich-mit/

    Und es ist aber längst nicht nur hier so das wir nur dank dem Euro bzw. der Union nicht schon längst Pleite sind. Wir haben nichts außer den Handel.

  9. Der Euro ist schon ein wichtiger Grund für die Krise, denn kaum ein Land in Europa ist so tief in der Krise wie die Mittelmeerländer, die den Euro haben. Da geht es der Türkei, die momentan einen Wirtschaftsboom hat (nicht wegen, sondern trotz der antidemokratischen Erdogan-Regierung) deutlich besser. Auch Ländern wie Schweden, der Schweiz oder Dänemark geht es besser als Ländern wie Frankreich oder Holland, also ist ein Leben ohne Euro doch problemlos möglich. Wenn die Schweiz, Schweden oder Norwegen den höchsten Lebensstandard in Europa mit eigener Währung haben, dann können das Deutschland, Österreich oder Niederlande ebenso und auch Griechenland, Italien usw. würden mit jeweils eigener Währung wieder gut auf die Beine kommen. Ich rede von eigener Währung, eine Nord- und Südeuro-Konzeption lehne ich ab, denn dann würde Europa in eine deutsche und eine französische Einflußzone aufgeteilt. Jedes Land braucht seine Währung wieder.
    Merkels Austeritätspolitik hat natürlich auch Schuld an der Krise, aber Merkel kann ihre Sparpolitik doch nur auf Länder innerhalb der Eurozone wie Spanien oder Griechenland (direkt von der Troika beherrscht) ausdehnen, weil Deutschland in der EU das Sagen hat. Auf Länder außerhalb der Eurozone wie Schweden, Dänemark, Polen oder sogar außerhalb der EU wie die Schweiz oder Norwegen hat Merkel keinerlei Einfluß!
    Und beim Euro liegt auch die Schuld an der Krise Griechenland und ebenso bei Deutschland: Durch den Euro konnte Deutschland Italien, Griechenland usw. mit billigen Exporten überschwemmen. Zudem bekamen diese Länder zu niedrige Zinsen. Daher verschuldeten sie sich andererseits massiv und zweitens gab es keine Abwertungsmöglichkeit, sodaß man die eigenen Produkte nicht mehr gegenüber den deutschen Waren Konkurrenzfähiger machen konnte, was zu einer Deindustrialisierung und einer Schwächung der Landwirtschaft und der Exportwirtschaft führte. Die hohen Preise ruinierten zudem den Tourismus.
    Ohne Euro wäre Griechenland wohl auch in gewissen Schwierigkeiten, diese wären aber nicht annährend so schlimm wie heute, denn ohne Euro wäre die massive Verschuldung gar nicht möglich gewesen.
    Griechenland und Spanien geht es mit Euro sehr, sehr schlecht, beide Länder haben langsam die 25% Arbeitslosigkeit überschritten. Ich stehe auf der Seite der Griechen, daher will ich, daß sie sich von einer deutsch-dominierten Euro-Diktatur befreien und wieder ein freies, demokratisches Land mit einem eigenen Wirtschaftsmodell werden. Das geht nur ohne Euro. Im Euro sind sie der deutschen und französischen Konkurrenz schutzlos ausgeliefert und müssen sich auch den politischen Diktaten der großen Staaten der Eurozone beugen.

    Das mit den Bauern hast du falsch verstanden. Ich habe die Griechen nicht pauschal als Bauern diffamiert, wie du vllt. implizierst, denn ich Achte das griechische Volk sehr mit seinen großen Demokratie-Traditionen, die jetzt von der EU zerstört werden. Und in dem Konflikt muß man auch grade auf Seiten der ärmsten Menschen in Griechenland sein und ihnen helfen sich vom Euro zu befreien.
    Ich wollte die Sektoren und Wirtschaftsbereiche in griechenland aufzählen, die unterm Euro leiden
    1) Die Bauern und die Landwirtschaft: Der Euro verteuert die Exporte und schädigt so die Einkommen der griechischen Landwirte. Die Landwirtschaft Griechenlands liegt momentan am Boden
    2) Der Tourismus: Die Preise in Griechenland sind wegen des für das Land zu teuren Euro zu hoch, Touristen fahren lieber in die Türkei usw. Daher leidet auch der Tourismus, der das Standbein Griechenlands ist und das Land aus der Krise ziehen könnte. Remember: In Island schaffte eine Kronen-Abwertung einen Touristen-Boom, was zur Krisenlösung beitrug und nun wächst das Land wieder.
    3) Die wirtschaftliche Unabhängigkeit: Nur mit eigener Währung kann Griechenland eigene Wechselkurse und Zinsen bestimmen, die seiner Wirtschaft helfen können, aus der Krise zu kommen. Innerhalb des Euro sind sie den EZB-Diktaten ausgesetzt.

  10. Noch kurz was zum Thema Export und Handelsverflechtung. Sorry, daß der Beitrag etwas lang geworden ist.
    Deutschland und Österreich könnten auch ohne Euro weiter ihre Güter in alle Welt exportieren. Die Briten, die Japaner, die Amerikaner, die Kanadier, die Südkoreaner – sie alle haben erfolgreiche Exportindustrien und handeln mit aller Welt und sie alle haben ihre jeweils eigene Währung. In einem globalen Welthandel macht eine europäische Einheitswährung wenig Sinn, was man schon daran sieht, daß die Deutschen Exporte sich seit dem Euro in den Euroraum kaum gesteigert haben, sondern man sich mehr nach Asien orientiert, wo es keinen Euro gibt.
    Eine neue DM würde zwar aufwerten, aber 1) könnte die Bundesbank dann Grenzen setzen und 2) war die DM Anfang der 1970er extrem aufgewertet und es gab dennoch Exportrekorde.
    Einen 3. Punkt möchte ich noch aktuell anmerken, weil dies auch für Österreich gelten könnte: Die Schweiz hat momentan einen extrem aufgewerteten Franken, aber dennoch keine markanten Exporteinbrüche. Einige Exportsektoren wuchsen sogar wie z B der Uhrenexport nach Asien, der 2011 14 Milliarden Franken ausmachte. Alles wegen der hohen Qualität der schweizer Produkte und der hohen Nachfrage aus Asien. Die Güter einer High-Tech-Nation wie der Schweiz oder Österreichs werden also nicht wegen des Preises gekauft, sondern wegen der Qualität.
    http://www.20min.ch/finance/news/story/14932197
    Auch andere Branchen haben kaum Exporteinbrüche und was ist mit der Arbeitslosigkeit? Euro-Befürworter meinen bei einer neuen aufgewerteten DM bzw. eines Schilling würde die Arbeitslosigkeit steigen. Die Schweiz mit ihrem aufgewerteten Franken beweist: Das ist Unsinn! Die Schweiz hat momentan 2,8% Arbeitslosigkeit, eine Rate, von der Österreich und besonders Deutschland (fast 7% Arbeitslosigkeit) nur träumen können.

  11. Schweden, Schweiz und Norwegen kommen auch immer wieder. Das ist mir aber zu sehr verkürzt. Es gibt Länder mit Euro und Länder ohne Euro, denen es recht gut geht und es gibt Länder mit oder ohne Euro, denen es nicht besonders rosig geht. (Kleiner Anhaltspunkt nebenbei: http://www.stepmap.de/karte/mitgliedsstaaten-der-eu-mit-ohne-euro-124857)

    Außerdem: Ob wir nun eine gemeinsame Währung haben oder nicht: Europa ist schon seit Jahrhunderten recht eng miteinander verflochten, wirkliche „Inseln“ gibt es auf diesem Kontinent doch gar nicht.

    Ansonsten ist es wohl ziemlich bedauerlich, dass die größte Wirtschaftsmacht der Welt nicht dazu fähig ist Griechenland (immerhin eine europäische Erfolgsgeschichte von der Diktatur bis zur heutigen Integration) rauszuhauen. Mal abgesehen davon, dass das ein geopolitisch wichtiger Standort ist, um den sich Europa kümmern sollte, wenn es nicht will, dass sich andere darum balgen.

    Ob so oder so: Deutschland hat dem Rest Europas eine Art Wirtschaftskrieg erklärt und sollte gebremst werden. Ich denke, dass das innerhalb der EU und des Euro eher möglich ist und bin auch seit den französischen Wahlen vorsichtig zuversichtlich.

  12. Es gibt natürlich auch Länder, denen es ohne Euro nicht besonders gutgeht, aber insgesamt hat der Euro eher geschadet als genützt, denn den meisten Ländern ohne Euro geht es besser als Ländern mit Euro. Die Euro-Länder Griechenland und Spanien haben die weltweit höchste Arbeitslosigkeit, während Norwegen und die Schweiz wirklich zwei der reichsten Länder der Erde sind. Wieso soll der Euro dann also nötig sein?

    Und der Wirtschaftskrieg Deutschlands gegen Südeuropa wurde durch den Euro doch grade erst ermöglicht! Mit den billigen Exporten konnte Deutschland im Euro Griechenland und Spanien viel eher ruinieren, weil sie nicht mehr abwerten konnten. Und durch den Euro konnte Deutschland auch seine Machtstellung in Europa so ausbauen, daß es Griechenland Sparpakete aufdrücken kann und zusammen mit den „Eu-Partnern“ unter Troika-Herrschaft stellen kann.
    Nicht-Euro-Länder wie Dänemark, Großbritannien, Schweden usw. sind vom deutschen Diktat nicht betroffen.

  13. Wirtschaftskrieg Deutschlands gegen Südeuropa (???)
    Bitte nicht zu vergessen, unter welchen Opfern die deutsche Bevölkerung diesen „Wirtschaftskrieg“ führt. Hartz4, sog.Aufstocker, Ein-Euro-Jobs, kein Mindestlohn. Es ging der rot-grünen Regierung unter Schröder damals wohl darum, den sich abzeichnenden Wirtschaftsrückgang einzubremsen. Ist das nicht auch irgendwie legitim? Und diese Rezession ist auch auf den Euro zurückzuführen, da die meisten anderen Euro-Länder bis dato billiger produzieren konnten als Deutschland. Um die Abwanderung weiterer Betriebe zu verhindern, sind diese drastischen Eingriffe ins Sozial-/Lohnschema gemacht worden. Merkel kann sich vielleicht wichtig fühlen, doch von deutschem Großmachtgetue würde ich da nicht sprechen, denn das war eine Frage des wirtschaftlichen Überlebens. Nur haben sich die anderen Länder genau in die Gegenrichtung entwickelt. Lohnsteigerungen bis zu 60% seit Euro-Einführung. Aus dem Grunde finde ich es ungerecht, stets auf Deutschland hinzudreschen. Ganz abgesehen davon, dass die österr. Wirtschaft stark von der deutschen abhängt oder in ihrem Windschatten segelt.

    Es tauchen auch immer wieder Gerüchte auf, dass Deutschland die Wiedervereinigung nur durchführen durfte, wenn es auf die (starke) DM verzichtet. Und dass dabei natürlich Frankreich mit seinem schwachen Franc die treibende Kraft war, sagt ja auch einiges aus.

    Fakt ist jedenfalls, dass Europa die Lehmann-Krise weggesteckt hat, doch den Euro wird es nicht überleben. Oder umgekehrt: der Euro wird kein geeintes, friedliches Europa erleben.

  14. Auf Deutschland drischt niemand ein, es geht um die deutsche Regierung, nicht die deutsche Bevölkerung. Und die deutsche Regierung sieht eben den Euro, das deutsche Exportmodell sowie niedrige Löhne für Arbeiter als Wirtschaftsmodell zur Beherrschung Europas, ebenso wie China durch Weichwährung, Billiglöhne und Exporte Asien dominiert. Deshalb sagen auch einige Deutschland sei das China Europas.
    Doch der Euro begann durch Frankreich und Deutschland, die Briten waren immer dagegen, weil sie wußten, daß eine europäische Einheitswährung die deutsche Macht eher ausweitet als eindämmt.

    Und noch zur Verflechtung und zum Handel: Für moderne Wirtschaftskooperation ist keine Einheitswährung nötig, da genügt eine Freihandelszone wie die EFTA, in der unabhängige Staaten miteiannder handeln und kooperieren und in der zollfreier Verkehr von Waren herrscht sowie der Abbau aller Handelsschranken. Das klappt in der EFTA gut und die EFTA Staaten Norwegen, Schweiz, Island und Liechtenstein gehören nicht nur zu den reichsten der Welt (Pro-Kopf-Einkommen der EFTA-Staaten ist mehr als doppelt so hoch wie das der EU), sondern sie Handeln auch mehr untereinander als die Mitglieder der Eurozone

  15. @Daniel

    Ich glaube, dass Deutschland diese Beherrschung Europas nicht durchziehen wird können. Was bleibt übrig außer zerstörte Sozialsysteme? Denn Deutschland zahlt den Löwenanteil an den ESM und ähnliche „Mechanismen“.
    Die Schulden, die ganz Europa mittlerweile hat, kann es auf „normalem“ Wege niemals mehr los werden.

    Was ich nicht verstehe ist dies, dass so viele Leute diese beiden Offenkundigkeiten nicht sehen (wollen):

    ° Europas Politiker sind durch die Bank Schwerverbrecher
    ° Was momentan stattfindet, ist der größte, gut organisierte Raubzug seit Menschengedenken. Es gab in der Geschichte sicher schon etliche große Raubzüge, doch keiner war so gut geplant und so flächendeckend.

  16. In der deutsche Exportindustrie – Maschinenbau, Chemie, Automobilbau – werden nicht gerade Billiglöhne gezahlt.
    Die IG Metall macht sogar Werbung damit, das die Tariflichen Lohnerhöhungen in den letzten Jahren knapp unter dem Produktivitätszuwachs gelegen haben.

    Das einfachste wäre es übrigens wenn Deutschland einfach an Spanien, Portugal und Griechenland Hilfen zahlt und die Klappe hält.
    Falls im nächsten Jahr in Deutschland eine Rot-Rot-Grüne Regierung gewählt wird ist genau damit zu rechnen.
    Die wird dann auch die niedrigen Zinsen für Deutsche Staatsanleihen nutzen um auf Pump soziale Wohltaten und Infrastrukturprogrammen zu finanzieren.
    Und wenn dann in ein paar Jahren bei den Kreditoren Zweifel daran aufkommen, ob Deutschland weiter die Zinsen zahlen kann und es zur Staatsschuldenkrise Teil II kommt kann man ja wieder auf die bösen Ratingagenturen und Finanzkapitalisten schimpfen…

  17. @Lindwurm
    Stimme deinem Artikel (Link) vollinhaltlich zu. Umso weniger kann ich verstehen, wieso du dich so für den Euro stark machst. Denn dieser ist in meinen Augen ein Instrument der globalen Räuber.

    @Alreech
    Klar haben die Finanzhaie keinen Staatschef oder Finanzminister mit vorgehaltener Pistole zum Schuldenmachen gezwungen. Es ist nur so, dass das Geldsystem mit Zins und Zinseszins eine „Lebensdauer° (Zyklus) von ca. 80 Jahren hat, bevor die Schulden (und vice versa natürlich auch die Guthaben) automatisch exponentiell zu wachsen beginnen. Nur durch Hinzunahme neuer Finanzprodukte (viele davon hochgiftig) konnte ein Weltwährungscrash bisher vermieden werden. Seit etwa 20 Jahren treibt diese Verschleppung immer unmenschlichere „Blüten“. Bisher hat ein Krieg, Hyperinflation oder beides den Zyklus quasi wieder auf Null gestellt. Nicht gerade ein erstrebenswertes Modell. Und es ist leider auch nicht zu leugnen, dass durch dieses leidige System immer mehr Geld bei immer kleiner werdenden Gruppen (Konsortien) akkumuliert wird. Das System zwingt in seiner Logik die Konzerne zu immer weiteren Fusionierungen. Ist der Sinn der Globalisierung der, dass letztendlich nur mehr ein einziger Konzern existiert?

    Ich glaube, es gibt niemanden auf der ganzen Welt, der einen praktikablen und vor allem friedlichen Ausstieg aus diesem Dilemma in petto hätte.
    Auf jeden Fall muß die Rolle der FED und anderer Zentralbanken (EZB !!) gründlich überdacht werden.

    Und wenn es einen Nachteil in der Demokratie gibt, dann ist es u.a. der, dass sich Politiker die Stimmen kaufen (können/wollen/müssen…… je nachdem),

  18. @Olaf
    Naja, ein wenig verwoben dürfte die Wirtschaft schon sein, allein über die Banken. Herr Menasse hat vor einigen Tagen in einer ZIB gesagt, dass die Wirtschaft aller europäischen Länder absichtlich so aufgeteilt worden ist, dass kein Land mehr für sich allein existieren kann. .(sinngemäß)

  19. @Olaf:
    Deutschland steht in vielfacher Konkurrenz mit Griechenland.
    Deutsche Autos sind z.B. durch die niedrigen Löhne in Deutschland viel billiger als griechische Autos, nur deswegen verkaufen sich Porsche, Daimler, BMW, Audi und VW so gut.

    Durch die deutsche Niedriglohnpolitik ist auch ein Urlaub an der deutschen Mittelmeerküste deutlich günstiger als ein Urlaub in Griechenland.
    Gerade deswegen verbringen viele ihren Mittelmeerurlaub an der deutschen Mittelmeerküste und nicht in Griechenland.

    Und wegen den vielen afrikanischen Arbeitsemigranten die für Hungerlöhne in den deutschen Olivenhainen arbeiten ist deutsches Olivenöl billiger als griechisches.

    Wie man sieht, ist nur Deutschland und seine Niedriglohnpolitik schuld an der griechischen Misere. Wer was anderes behauptet ist ein böser Neoliberaler der Europa hasst und wieder all die Kriege zurück will die es vor der Einführung des Euros 2000 – 2002 gab. 😉

    @magellan
    äh schön, aber:
    seit der Abschaffung der Golddeckung wird die Währungsmenge von den Zentralbanken anhand des Wirtschaftswachstums gesteuert.
    Zins uns Zinseszins werden durch Erhöhung der Geldmenge ausgeglichen.
    Zudem wirft nicht jede Investition Zinsen ab…

    Eine Logik zu größeren Konzernen kann ich darin nicht erkennen. Schaut man sich einige Beispiele in letzter Zeit an, ist es sogar eher so das große Konzerne ihre Geschäftsfelder bereinigen in dem sie Firmen abstoßen die nicht mehr zum Kerngeschäft zählen.

  20. Ebend, Griechenland zahlt Industrielöhne und Renten, hat aber gar keine Industrie, dafür viele Beamte.
    Das Geld für diese monetären Wohltaten wurde von den Banken geliehen, in Zukunft wird es von den Industrieländern des Nordens geschenkt.
    Gerecht ist das nicht.

  21. @Alreech

    Nette Antwort (die an @Olaf). Ihre Ansichten gefallen mir fast immer sehr gut. Bin auch dagegen, dass der Staat sich immer und überall einmischt, also liberal eingestellt. Doch Fakt ist leider, dass dieses Geldsystem kaum Chancen hat, auf friedliche Art zu „überleben“. Gibt es deshalb die Bestrebungen, das Bargeld aus dem Kreislauf zu entfernen? Dies bringt aber auch keine Besserung, wenn die Unsummen an Buchgeld (be)stehen bleiben, da diese genauso auf der Suche nach Veranlagung sind. Und Renditen in der Realwirtschaft lassen sich nur mehr über gigantische Produktionsmassen erreichen (Luxusgüter mal ausgenommen), daher auch das Ausweichen auf den reinen Finanzmarkt.
    Zu den Konzernen: Es soll, wenn man die Beteiligungen entflechtet, weltweit nur 147 davon geben – incl. Banken und Rating Agenturen ;.)

    Und es gab Zeiten, da durften Aktiengesellschaften nur für einen bestimmten Zweck (Großprojekte) gegründet werden und wurden bei Fertigstellung wieder aufgelöst.

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