Arschlochweihnachten

Weihnachten ist schon ein lustiges Fest. Da sitzen antisemitische Xenophobiker ergriffen vor den Abbildern einer jüdischen Flüchtlings-Patchworkfamilie und singen sentimentale Lieder. Gleich danach hetzen sie am Stammtisch oder im Internet wieder gegen Flüchtlinge, Juden und alles, was ihnen sonst noch fremd vorkommt. Diese Leute sind dermaßen dem Denken entwöhnt, dass ihnen die himmelschreienden Widersprüche nicht einmal auffallen. Den Soundtrack zu dieser allgemeinem Dumpfheit lieferte heute eine Sprecherin der ORF-Wohltätigkeitsveranstaltung „Licht Ins Dunkel“, die den erneuten Spendenrekord mit folgendem Satz bejubelte: „Die Spender wissen bei uns halt, dass ihr Geld nur Österreichern zugute kommt“. Ich gratuliere, besser hätte auch ich die Niedertracht in diesem Land nicht zusammenfassen können.

Wie sehr der Geist der Nächstenliebe gerade in diesen feierlichen Tagen durch die Herzen der Österreicher weht, lässt sich bei der Lektüre der Leserforen in den Zeitungen gut ersehen. Asylbewerber, die derzeit in der Wien  gegen ihre Lebensbedingungen protestieren, kriegen die geballte Menschenfreundlichkeit der weihnachtlich gestimmten Arschgeigen zu fühlen.

Krone:

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Die Presse:

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Der Standard:

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Kleine Zeitung:

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9 Gedanken zu “Arschlochweihnachten

  1. Ich verstehe Ihren Zorn. Den Titel finde ich zwar nicht gelungen, weil er religiöse Menschen verletzt, auch solche, die durchaus nicht der Meinung der zitierten Leserbriefschreiberinnen und -schreiber sind und sich aktiv für Asylsuchende einsetzen. Hier sind ja auch kirchliche Einrichtungen am Werk. Erschreckend: Der „öffentlich-rechtliche ORF“, aber auch die Kommentare im Standard und in der Presse. Von der Krone hat man ja nichts besseres erwartet. Ihren Blog habe ich mit meinem (pohoryles.at) verlinkt.

  2. Ich glaub da haben Neonazis das Standard Forum am heiligen Abend überrollt. So eine Fremdenhass hab ich da noch nie wargenommen wie ihn die Stricherln zeigen.

  3. Glaubt Herr Pohoryles etwa, dass sich Krone-, Standard-, Presse- und sonstige Leser voneinander unterscheiden?
    Weder die „Journalisten“ in den Redaktionen, noch die Leser oder Poster lassen sich in gut/schlecht, brav/schlimm oder links/rechts einteilen.

  4. Ja, lieber tom93, Herr Pohoryles glaubt das; natürlich gibt es auch ¨Böse¨in Presse und Standard und ¨Gute¨in der KRONE. Nota bene, für mich teilt sich die Welt keineswegs in gut und böse. Aber es ist beispielsweise unbestreitbar, dass die Leserinnen und Leser von Presse und Standard ein anderes Profil haben und die Blattlinien der Zeitungen sich durchaus unterscheiden. Die Presse hat beispielsweise vor fünf Jahren als erste österreichische Tageszeitung eine wöchentlich erscheinende Beilage von, für und über Migrantinnen Beilage M-Media herausgebracht. Die Redaktion war breit gefächert, Migrantinnen und Migranten unterschiedlichster Herkunft und unterschiedlichster (zB politischer oder religiöser) Überzeugung. Gibt es vergleichbares etwa in der KRONE?

  5. Danke für Ihre Antwort, Herr Pohoryles.
    Vermutlich wären Sie überrascht wie „durchseucht“ Schreiber und Leser aller österreichischen Medien von Antisemitismus und Xenophobie sind.
    Dass selbsternannte „Qualitätsmedien“ andere Ansprüche zu erfüllen versuchen -auch derStandard hat ein daStandard für Migrationsthemen-, stimmt schon, aber es schreiben und lesen doch die selben Menschen.

  6. Lieber tom93,
    nicht unbedingt dieselben; aber die Geisteshaltung zu vieler Leserinnen und Leser der genannten Medien scheinen sich zu gleichen; es bedarf noch vieler Anstrengungen, um dem entgegenzuwirken. Wir wissen uns hier einig.

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