Wohnen und sterben in Berlin und Wien: Ein kleiner Vergleich

In Berlin ist eine 67-jährige behinderte Frau verstorben, nachdem man sie delogiert hatte. Die Frau war mit der Miete im Rückstand und Vermieter und Nachbarn behaupten auch, sie sei ein „Messie“ gewesen und habe ihre Wohnung so verkommen lassen, dass es im Haus gestunken hätte. Gegen die angekündigte Delogierung formierte sich Widerstand von Demonstranten, weswegen 150 Polizisten ausrückten, um die Räumung der Wohnung zu ermöglichen. Nach der Delogierung fand sich die Frau in einer „Kältenotstelle“ wieder, wo sie dann starb. Berlin und seine über drei Millionen Einwohner waren war nicht willens oder in der Lage, einen humanen Ausweg zu finden.

In Wien gab es vor ein paar Jahren einen ähnlichen Fall: Ältere Dame ist mit der Miete im Rückstand, hält sich in ihrer winzigen Wohnung einen kleinen Privatzoo mit etlichen Katzen und Hunden und Meerschweinchen, stapelt so lange den Müll in der Wohnung, bis sich die Nachbarn über den Gestank beschweren. Auch hier reagierten die Behörden. Aber ganz anders. Man schickte nicht die Polizei, sondern ein Team von psychologisch geschulten Sozialarbeitern. Die brachten die Frau vorübergehend in eine andere Unterkunft, reinigten die Wohnung, ließen die Tiere medizinisch versorgen und bezahlten den kleinen Mietrückstand. Als das erledigt war, brachte man die alte Dame wieder in ihre gewohnte Umgebung, wo sie seither einmal pro Woche Besuch von einem Betreuer erhält, der ihr beim Wohnungsputz und bei der Versorgung ihrer Vieher hilft. SO geht das, DAS ist sozial und menschenwürdig!

Zwei vergleichbare Fälle, zwei unterschiedliche Herangehensweisen. Dienst nach Vorschrift versus Menschlichkeit, sture Paragraphenreiterei gegen Eingehen auf individuelle Bedürfnisse. Auch in Wien gibt es immer wieder furchtbare menschliche Schicksale, gibt es Menschen, die ihre Wohnungen verlieren, aber im Vergleich zu anderen großen Städten hat die Donaumetropole einen hervorragend ausgebauten Mieterschutz und ein soziales Unterstützungssystem, das auf die Menschen eingeht, statt bloß Amtshandlungen zu setzen. Anderswo hätte die Frau wohl ihre Wohnung verloren und wäre entmündigt in der Psychiatrie oder sogar auf der Straße gelandet. In Wien entschied man sich für Humanität. Das ist kein Zufall, sondern liegt daran, dass die Stadt seit Jahrzehnten sozialdemokratisch regiert wird. Und auch daran, dass diese Wiener Sozialdemokratie nie ganz vergessen hat, wofür Sozialdemokratie zu stehen hat, nämlich das Leben für möglichst viele Menschen lebenswert zu gestalten, wozu eben auch zählt, nach Möglichkeit allen Menschen einen würdigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Überraschenderweise und trotz aller seit 100 Jahren andauernden Unkenrufen von Konservativen und Rechten nagen Wiener Immobilienbesitzer trotzdem nicht am Hungertuch.

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3 Gedanken zu “Wohnen und sterben in Berlin und Wien: Ein kleiner Vergleich

  1. Wenn man das Gefühl hat, ein älterer Nachbar ist mit seinem Haushalt überfordert, einfach mal Hilfe anbieten und nicht erst warten bis das ganze Haus stinkt und dann die Behörden informieren. Wir alle tragen Verantwortung für einander! Jeder Einzelne kann einen Unterschied machen!
    Den Fall aus Deutschland finde ich wirklich traurig und beängstigend! Das könnte jedem von uns früher oder später passieren.

  2. Bin überrascht dass der Fall in Wien so human gehandhabt wurde! Vor 2 Jahren glaub ich gabs in Wien einen sehr ähnlichen Fall, nur wars ein älterer Herr statt einer Dame. Der Rest lief ziemlich ähnlich ab bis auf den Unterschied dass der Mann delogiert wurde.. Wien ist also auch nicht immer so sozial wie es sein sollte.

  3. Was ist denn das für ein Quatsch? Berlin wird genauso seit Ewigkeiten Sozialdemokratisch regiert und deren Bilaz spricht ebenso Bände.

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