Homo-Ehe: Erbärmliche Koalitionen

Es ist sicher was dran an dem Verdacht, dass Politikerinnen vor allem aus dem im weiteren Sinne linken Lager unfähig oder nicht willens sind, auf die sich im Zuge der Globalisierung verschärfenden Klassengegensätze mit schlüssigen Konzepten und Strategien zu reagieren und sich daher mehr auf jene Bereiche konzentrieren, die sich noch gestalten lassen, ohne dass Ratingagenturen oder IWF tadelnd den Zeigefinger erheben, zum Beispiel gesellschaftspolitische Fragen im Allgemeinen und die Homosexuellen-Ehe im besonderen. Und sicher ist auch richtig, dass die Mehrheit der Schwulen und Lesben auf diesem Planeten ganz andere Sorgen hat als das Recht, endlich auch wie die Heterosexuellen standesamtlich abgesegnet zusammen unglücklich zu werden. Etwa die Sorge, verhaftet, eingesperrt oder ermordet zu werden. Das macht aber den Kampf vor allem westlicher Homosexueller und fortschrittlicher Kräfte für die „Ehe für alle“, wie die Franzosen sie so schön nennen, nicht falsch. Homosexuelle Paare von der Ehe auszuschließen ist ebenso eine Diskriminierung, wie Frauen das Wahlrecht vorzuenthalten. Und wie das Frauenwahlrecht muss auch die Ehe für alle gegen den Widerstand reaktionärer Kräfte erkämpft werden. In Frankreich ist die Front der Gegner besonders schön kenntlich geworden, als Politiker der konservativen UMP Seite an Seite mit Faschistinnen des FN, Neonazis, erzreaktionären Katholiken, Monarchisten und Muslimen teils gewaltsam gegen die Reform der Ehegesetze protestierten. Leider hatte sich auch der französiche Oberrabbiner Gilles Bernheim, der inzwischen wegen einer Plagiatsaffäre zurückgetreten ist, dieser Allianz der Ewiggestrigen angeschlossen. Die Ablehnung von Menschenrechten für Schwule und Lesben ist bei vielen Menschen dermaßen stark, dass islamophobe Faschisten gemeinsam mit Muslimen und Rabbiner gemeinsam mit einer Antisemitenkoalition dagegen aufmarschieren. Dabei hat niemand verlangt oder beschlossen, dass rechte Katholiken, Konservative, Faschisten, Islamisten und orthodoxe Juden nicht mehr heiraten dürfen. Die können in ihren Kirchen und Moscheen und Synagogen und Druidenkreisen (oder wo auch immer Nazis heiraten) tun und lassen, was sie wollen, aber sie haben kein Durchgriffsrecht auf das Standesamt mehr, und das fuchst diese Herrschaften so sehr, dass sie zu Mitteln der außerparlamentarischen Opposition greifen und Radau schlagen. Auch das dürfen sie, solange dabei niemand zu Schaden kommt, aber viel erbärmlicher, als zu Zehntausenden kollektiv durchzudrehen, nur weil ein paar Menschen das Recht auf Eheschließung bekommen, geht es kaum noch.

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4 Gedanken zu “Homo-Ehe: Erbärmliche Koalitionen

  1. Es ist schlicht falsch, daß Homosexuelle kein Recht auf Ehe hätten. Das Recht ist ganz im Gegenteil für alle gleich. Jeder hat das Recht jeweils einen Menschen des jeweils anderen Geschlechts zu heiraten (vorausgesetzt der ist einverstanden). Noch gleicher kann ein Recht überhaupt nicht sein.

  2. lieber verfasser, in frankreich geht es primär um das recht nach der eheschließung auch kinder adoptieren zu dürfen. KINDER HABEN AUCH EIN RECHT DARAUF IN EINER NORMALEN BEZIEHUNG AUFZUWACHSEN und sich nicht die ganze kindheit und jugenzeit zwischen abnormen beziehungskonstrukten und gesellschaftlicher ausgrenzung wiederzufinden. jeder mensch hat ein recht auf seine eigene sexuelle orientierung, ein kind jedoch soll davor geschützt werden in solch einer abnormen beziehung gefangen zu sein. aber schimpen ist für linksextremisten leichter als denken

  3. Lieber Anonym, es geht wohl eher drum, dass sie das auch gemeinsam tun dürfen und nicht einer der beiden Partner als offiziell alleinstehend (und dabei naürlich unverheiratet) ein Kind adoptiert – aber solche Kleinigkeiten zu berücksichtigen fällt Rechten halt schwer, stimmt´s?

  4. Anonym

    wer bestimmt was abnorm ist oder nicht ?? sie ? der klerus ? paar durchgeknallte gestrige ?

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