Ciao, Proletariat

Dass wer den Schaden hat für Sport nicht zu sorgen braucht, ist eines der wesentlichen Kennzeichen des Entertainment-Kapitalismus, wo man nach jeder weiteren täglichen  Zitterpartie auf dem Basar, auf dem wir alle unsere Haut zu Markte tragen müssen, nicht viele andere Freuden und Hoffnungen mehr hat als zu sehen, wie der Biggest Loser im Big Brother Haus durch Frauentausch ein Dancing Star bei Deutschland sucht den Superstar wird. Mitleid ist was für Schwache, und die Schwachen sind die, denen man die Wohnung wegnimmt, die man im Jobcenter schikaniert, die irgendwann auf der Straße verrecken. Schwach will aus gutem Grund niemand sein, und wer sich von den Schwachen abgrenzen will, der verspottet sie und schließt sich der Meute der Starken an, die die Schwachen verprügelt. Nur in so einem Umfeld können sich Figuren wie der britische Arbeitsminister Iain Duncan Smith, der die Armen verhöhnt, indem er, angetan in feinsten Zwirn und mit teurem Uhrwerk behängt, verkündet, er könne jederzeit mit 63 Euro pro Woche überleben, noch auf die Straße trauen. Der Mann wird dafür sogar  beklatscht.

Der Zerstörung des europäische Sozialstaates wird in jüngerer Zeit gerne von dem grotesken Argument begleitet, Arbeit müsse sich wieder lohnen, und das tue sie nur dann, wenn diejenigen, die keine Arbeit haben, noch weniger bekämen. Darauf muss man erst mal kommen. Obwohl sich Arbeit selbstverständlich nur dann „wieder lohnen“ würde, wenn die Löhne stiegen, behaupten die Herrschenden rotzfrech, Arbeit auch zu Dumpingpreisen lohne sich dann, wenn der Arbeitslose noch schwerer bestraft wird. Wodurch die Löhne natürlich weiter sinken. Es sagt viel, wenn nicht alles über den Zustand von Gewerkschaften und „Arbeiterparteien“ in Europa, wenn eine dermaßen unverschämte Lohnsenkungspropaganda ohne nennenswerten Widerstand verbreitet werden kann. Und natürlich sagt das auch alles über die geistige Verfassung des Proletariats, das tatsächlich der Meinung zu sein  scheint, es ginge ihm besser, würde man die Armut verschärfen. Willig lässt sich die Arbeiterschaft in eine Parodie des Klassenkampfes hetzen und tritt begeistert nach unten. So einem Proletariat muss man nicht mal mehr Ketten anlegen, die schmiedet es nämlich fleißig selber und trägt sie auch noch stolz.

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2 Gedanken zu “Ciao, Proletariat

  1. Als ob es den Linken um das Proletariat oder die Arbeiter gehen würde.
    Ich hab mich als Arbeiter lange genug in der linken Szene herumgetrieben um zu erkennen das die meisten Linken Bonzenkinder mit privilegierter Herkunft sind.
    Spätestens nach dem dritten Bier wurden da die schlimmsten Vorurteile über dumme, bildzeitungslesende Proleten von sich gegeben und mit nicken akzeptiert.

    Die wenigsten die linke Parolen schwingen träumen davon nach der Revolution an der Werkbank oder auf dem Acker zu stehen um die Güter zu produzieren die gerecht verteilt werden sollen.
    Die meisten dieser Salonsozialisten beanspruchen ihr Recht auch nach der Revolution in privilegierter Position als Beamter, Journalist oder Funktionär eine leitende Funktion zu haben.

    So wie sie ihr Recht beanspruchen auf Kosten des Steuerzahlers eine hochwertige Bildung an den Hochschulen zu erhalten, während der Arbeiter seine Bildung schön brav selber bezahlen darf.
    Sollte die Arbeiterklasse jemals eine echte Revolution machen, würden sich viele dieser Linken ganz schnell in der Produktion zur Resozialisierung wiederfinden…

  2. aber genau so ist es, alreech!
    und deshalb lebst und arbeitest du ja auch in nordkorea und bettest dich nicht in die rosa wolken, die dir die gemässigte, österreichische sozialdemokratie geschaffen hat!

    diese ständigen kompromisse, die menschen in breiten bewegungen eingehen, sind dir zu recht zuwider.
    bonzenkinder, nadelstreif- und salonsozis und diese verschworene intelligenzija, mit ihrer hochwertigen bildung, sind deine wahren, politischen feinde.

    ganz schnell würden sich die in produktionslagern wiederfinden, zur resozialisierung …

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