Psychiatrisierung

Die Grazer Universitätsklinik für medizinische Psychologie und Psychotherapie soll aufgelöst werden. Das passt sehr gut in unsere neue Zeit, die doch wieder ganz die alte ist, weil sie auf sentimentalen Luxus wie eine unantastbare und unter allen Umständen gegebene Menschenwürde pfeift und alles Menschenleben nur unter dem Aspekt der wirtschaftlichen Verwertbarkeit sieht. Deswegen wird auch die dem einfachen Geist der Groschenzähler und Rentabilitätsrechner unbegreifliche Psychologie und Psychoanalyse zugunsten einer Psychiatrie, die immer öfter nur mehr eine Reparaturmedizin ist, zurückgedrängt. Oben füllt man Tabletten rein, unten soll der „gesunde“, sprich an die wirtschaftlichen Anforderungen angepasste Mensch herauskommen. Zwischen „krank“ und „gesund“ soll nichts mehr sein. Wer „krank“ ist, muss „geheilt“ werden, und wer das Pech hat, trotz aller Medikamente nicht fit genug zu werden, um Geld zu verdienen, der wird so lange „therapiert“, bis er völlig hinüber ist, am besten gegen seinen Willen und in geschlossenen Psychiatrien. Willst du nicht gesund werden, so brauch ich Gewalt…

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