Zwei Genossen

Wien, 1972, Rathaus

A: „Mahlzeit, Genosse. Alles in deutscher Hand?“

B: „Mahlzeit, je eh. Du, wenn ich dich grad da hab, ich hab da schon wieder so einen komischen Bericht gekriegt. Irgend so ein ehemaliges Heimkind vom Wilheminenberg hat was gsagt von wegen Misshandlungen und so. Ich wollt´s grad in der Rundablage entsorgen“.

A: „Dort gehörts auch rein. A Wahnsinn dass die Gschrappen so undankbar sind! Kriegen von uns ein Dach überm Kopf und a warme Mahlzeit am Tag und dann gibts echt ein paar, die sich noch beschwern, nur weils manchmal a Watschn  kriegen. Gsindl!“

B: „Haha aber echt. Unterm Adolf hamma die einfach weggräumt. A Spritzn und vorbei war´s mit dem Gfick was dem Steuerzahler auf der Taschn liegt. Vielleicht sollt ma den Genossen Heinrich Gross mal hinschicken, damit er aufräumt, hahaha“.

A: „Hahaha, ka schlechte Idee. Sind eh ein Haufen ehemaliger Kameraden dort als Erzieher und Aufpasser und Hausmeister und so. Alles Rote jetzt natürlich. Na ja. Du, wie gehts deiner Frau?“

B: „Ja eh gut. Weißt eh wie das is nach ein paar Jahren Ehe, da ist es halt nimmer das Gleich wie es amal war“.

A: „Willst eine 13-Jährige pimpern? Solltest mal! So unverbraucht und fesch und nach ein paar Watschn auch total willig. Und kost ned viel, 30 Schilling musst dem Genossen geben, der grad Dienst hat am Wilheminenberg. Der arrangiert dann alles und lasst dich drüberrutschen“.

B: „Kling ned schlecht, aber was is mit der Polizei?“

A: „Geh bitte, erstens glaubt den Gschrappen eh keiner ein Wort und zweitens waren Genossen vom Stadtkommando auch schon dort und ham pempert. Bei der Geburtstagsfeier vom Oberst Pepi hamma sogar die Haserln aus dem Heim antanzen lassen, damit´s uns alle bedienen“.

B: „Und du hast echt ka Angst dass das mal rauskommen könnt?“

A: „Na echt ned. Leut von der Zeitung ham sich auch schon mal ein paar Mäderln und Buben zuführen lassn. Und selbst wenn da mal was rauskommt, wer glaubt denn bitte einem rachsüchtigen Heimkind?“

B: „Richtig, das is ja fast so wie mit dem Professor Wurst in Klagenfurt. Der soll ja auch fleißig auf der Psychiatrie die Kinderlein vögeln und nix passiert, weil denen keiner was glaubt, den behinderten Tschapperln“.

A: „Na siehst, du hast es erfasst. Freundschaft noch“.

B: „Freundschaft“

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

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