Paradise Lost

Das Paradies stellen sich ÖVP-Politikerinnen als einen Ort vor, an dem man keine Besenstiele in den Anus gerammt bekommt. Die Jugendabteilung eines Gefängnisses ist laut Justizministerin Beatrix Karl „kein Paradies“. Und wo kein Paradies ist, müssen 14-Jährige Untersuchungshäftlinge (!) nun mal damit rechnen, vergewaltigt zu werden. Die Stammtische des Landes sehen das auch so. Wer alt genug ist, um eingesperrt zu werden, ist auch alt genug, vergewaltigt zu werden. Er wird es schon irgendwie verdient haben, schwingt da mit, was viel darüber aussagt, wie weit die Lust am Vergewaltigen verbreitet ist. Und am Foltern ganz allgemein. Man muss sich nur die Leserbriefe anschauen, in denen viele ihren sadistischen Fantasien freien Lauf lassen, sobald es um Strafgefangene geht. Dann weiß man auch, wo in Kriegszeiten oder in Zeiten totalitärer Herrschaft all die Folterer und Vergewaltiger und Mörder herkommen. Die leben ganz unauffällig unter uns, und solange sie ihre Gewaltfantasien nur auf die „Richtigen“ lenken, bekommen sie dafür auch noch Beifall nicht nur von ihresgleichen, sondern auch von denen, die zwar anders denken, aber spüren, wie gefährlich diese Leute sind. Aus Ängstlichkeit schreien daher viele mit, wenn die Brutalen nach Hackebeil und Strick und Folter rufen, denn wie in alten Stammesgesellschaften ist die größte Furcht vieler Menschen die, verstoßen oder in die Nähe jener gerückt zu werden, die der Stamm für gewöhnlich abschlachtet.

Es wäre schön, würden wir Politiker hervorbringen, die unhaltbare Zustände nicht damit abtun, dass wir nun mal nicht im Paradies lebten, sondern daran arbeiteten, die Zustände ein bisschen weniger unerträglich zu machen. Das mag viel verlangt sein in Zeiten, in denen man in den Parteizentralen ausschließlich Politik nach Meinungsumfragen konzipiert, den Boulevard zufrieden stellen will und die Herrschaft der Mehrheiten über die Minderheiten mittels Stärkung direktdemokratischer Mittel zu verschärfen sucht. Ich verlange es trotzdem. Wozu sonst sollte es gut sein, Leute mit schönen Politikergehältern, Politikerpensionenen, parlamentarischer Immunität und langjährigen „Dienstverträgen“ auszustatten, wenn sie dann doch nur Vollstreckungsgehilfen niedriger Instinkte sein wollen? All die schönen Sachen wurden doch einst eingeführt, damit Politikerinnen eine gewisse Unabhängigkeit haben und nicht ausschließlich auf die angebliche Vox Populi und die Interessen reicher Einflussnehmer schielen müssen. Allerdings sehe ich ein, dass all das nichts nützt, wenn die Parteien nicht in der Lage sind, Menschen mit einer gewissen intellektuellen und moralischen Grundausstattung als Kandidaten und Funktionsträger aufzustellen. Allein Österreichs Kabinett wirkt schon wie eine Versammlung Halbdebiler, Sadisten und bestechlicher Würstchen. Wer glaubt, ich würde übertreiben, der sehe sich deren Performance und deren persönliche Stellungnahmen an, wenn es um Themen wie Asyl, Migration, Arbeitslosigkeit, Umwelt, Strafrecht und Bildung! Es wirkt so, als würden apolitische Idioten regieren, bei denen zur Idiotie noch Bösartigkeit dazukommt.

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

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