Überleben mit Hartz-IV

Liebe Hartz-IV-Kunden in Deutschland*

Dass ihr Leitungswasser statt Cola trinken, Kartoffeln statt Fleisch essen und auf spätrömisch-dekadenten Luxus wie Vollbäder verzichten solltet, rät euch eine Broschüre des Jobcenters Pinneberg, die ganz zurecht von Funktionären des Armutsverwaltungsapparats hoch gelobt wird, zeigt sie euch Assis doch endlich mal, worauf ihr von selbst nie gekommen wärt, dass mit wenig Kohle nämlich schlecht Kegeln gehen ist. Nur ein wenig inkonsequent ist der Ratgeber. Ich erlaube mir, wichtige Ergänzungen anzubringen, und wenn man die beherzigt, kommt jeder, sogar so ein vom Arbeitsmarkt ausgeschlossenes Versagergesindel wir Ihr, mit dem aus, was man ihm so großherzig zugesteht.

-In der Pinneberg-Broschüre ist davon die Rede, dass sich die Tochter der Beispielfamilie darüber freut, dass endlich kein Geld für Fleisch mehr da ist, weil sie ohnehin Vegetarierin werden wolle. Moment mal, eine Tochter? Ihr leistet euch ernsthaft ein Kind und füttert es durch? Unser Tipp: Einfach beim nächsten SOS-Kinderdorf abgeben, das Gör! Befreit euch von dieser Belastung und erfreut euch an dem Gedanken, dass sich für das Kind, sofern es stubenrein und gut gekämmt ist, sicherlich irgendwann mal eine Besserverdienerfamilie finden wird, die es bei sich aufnimmt. Oder ein Landwirt, der eine unbezahlte Hilfskraft brauchen kann! Nachdem ihr euer Balg abgegeben habt, unterzieht ihr euch einer Gratis-Sterilisation in der erst zu schaffenden Thilo-Sarrazin-Eugenikklinik, denn ihr wollt doch wohl nicht eure widerliche Armut weitervererben?

-Ihr habt immer noch Handys? Wozu denn das? Keine Sau ruft euch an, denn für eure Freunde werdet ihr ohne Geld uninteressant, und wenn sich Arbeitgeber für euch interessieren würden, hättet ihr wohl kaum diese Broschüre in die nur geduschten, aber nicht gebadeten Pfoten gedrückt bekommen. Weg mit dem Millionärsspielzeug!

-Dass Fleisch etwas für russische Oligarchen, aber nicht für Arbeitslose ist, haben wir euch ja schon gesagt. Aber wo es die leckersten Sachen gratis gibt, verraten wir euch jetzt: In den Mülltonnen. Ihr würdet nicht glauben, was die Leute alles wegwerfen. Kaum angeschimmelte Kartoffeln, erst einmal gekochte Nudeln, Dosenerbsen mit nur seit Monaten überschrittenem Haltbarkeitsdatum, von Anorektikern nur kurz vorgekautes Chilli – all das und mehr findet ihr beim Durchwühlen des Abfalls. Außerdem macht euch der Kampf, den ihr mit Obdachlosen und hippen Konsumverweigerern um die besten Stücke ausfechten werdet, fit für die Herausforderungen des modernen Arbeitsmarktes.

-Die Kollegen aus Pinneberg raten euch, Steine in den Spülkasten des Klos zu tun, damit ihr weniger Wasser verbraucht. Ein kluger Tipp, aber nur halb durchdacht. Verzichtet einfach ganz auf euer WC und verrichtet eure Notdurft im Freien! Das spart noch mehr Wasser, und wenn ihr in absehbarer Zeit delogiert werdet, müsst ihr euch nicht erst mühsam umgewöhnen.

-Bestellt die Fernwärme oder das Öl ab und heizt mit dem Bollerofen! Brennmaterial klaut ihr einfach im Park, und wenn ihr die ganze Scheiße nicht mehr ertragt, könnt ihr den Kamin abriegeln und einen „tragischen Unfall“ erleiden. *Zwinker zwinker*

-Verkauft euren Körper! Das bringt noch viel mehr Kohle, als nur die alten Möbel zu verscherbeln. Ihr werdet vor Freude in die Luft springen , wenn ihr mit nur ein bisschen Schwanzlutschen und Arschhinhalten plötzlich hun-der-te Euro verdient. Und verkneift euch irgendwelche moralischen Anfälle. Was der Ukrainerin recht ist, kann euch nur billig sein. Die Zeiten, in denen man sich zieren durfte, sind vorbei.

-Dealt mit Drogen! Diese Gesellschaft scheißt auf euch. Zeit, zurückzuscheißen!

*(und liebe Mindestsicherungsbezieherinnen in Österreich)

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

2 Gedanken zu „Überleben mit Hartz-IV“

  1. Was spricht gegen das Containern ?
    Das ist voll progressiv und so, man schlägt der kapitalistischen Verwertungslogik ein Schnippchen und man protestiert damit irgendwie gegen das Wegwerfen von Lebensmitteln in Europa (während der Kapitalismus in Nordkorea Negerkinder verhungern lässt).

    Völlig abzulehnen sind dagegen die Tafeln, bei denen Lebensmittelhändler und Freiwillige Lebensmittel mit demnächst ablaufender Mindesthaltbarkeit* an Bedürftige abgeben.
    Diese Tafelläden stigmatisieren ihre Kunden als arm und dienen nur dazu die Kapitalistische Verwertungslogik um das einsparen von Entsorgungskosten zu erweitern, und erlaubt es den sogenannten Freiwilligen ihr (im Zweifelsfalle neoliberal übersteigertes ) Ego durch sogenannte gute Taten aufzuplustern.
    Ausserdem macht es aus Hilfsempfängern die ein Recht auf staatliche Leistungen haben (nach Gnade der Bürokraten) zu Menschen die eine freiwillige Gabe empfangen welche sie nicht einfordern können.

    Klingt beides verrückt ? Stimmt, wird aber von manchen ernsthaft vertreten.

    *Vorsicht wer in Zukunft im Supermarkt zur reduzierten Ware mit kurzen MHD greift – sollte ihr dabei beobachtet werden, kann dies zu sozialen Stigmatisierung führen.

  2. Es kursieren Gerüchte, dass von der Leyen mit neuen Hartz IV Gesetzen schwanger geht: Da werden die Kunden der Jobcenter dazu verdonnert, an Medikamententests teilzunehmen. Für einen Euro! Die Kosten für psychiatrische Betreuung übernehmen die Jobcenter. Und auch die Beerdigungskosten …

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